Hilfe für Jugendliche in Südosteuropa: "Mit wenig Geld viel schaffen"

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Mit einer Gruppe von Freiwilligen war Pauline Uhrmeister aus Soest (rechts) für die Organisation "Schüler helfen Leben" in Südosteuropa unterwegs. Hier besuchen sie die Station der Organisation in Sarajevo, Bosnien-Herzegowina.

Soest - Die Jugendorganisation "Schüler helfen Leben" hilft Kindern und Jugendlichen in Südosteuropa. Eine Gruppe von Freiwilligen hat die Projekte der Organisation dort besucht. Mit dabei war auch Pauline Uhrmeister aus Soest. 

Tirana, Albaniens Hauptstadt, ist eine Stadt der Gegensätze: Einerseits typisch westliche Großstadt mit modernen und schicken Hochhäusern, andererseits Slums mit einfachen Hütten ohne fließendes Wasser. Hier leben die Roma, eine Bevölkerungsgruppe, die in vielen südosteuropäischen Ländern unterdrückt wird. Der Kontrast zwischen Modernität und Armut in Tirana hat Pauline Uhrmeister bewegt. Die 19-jährige Soesterin war für die Jugendorganisation „Schüler Helfen Leben“ zwei Wochen lang in Südosteuropa.

Nach ihrem Abitur im Frühjahr wollte sich die ehemalige Schülersprecherin des Archigymnasiums freiwillig engagieren. Durch einen Zeitungsartikel erfuhr sie von der Organisation „Schüler Helfen Leben“ und bewarb sich. „Mich hat gereizt, dort Verantwortung zu übernehmen“, erklärt Pauline.

Im Büro der Organisation in Schleswig-Holstein arbeiten fast nur junge Erwachsene ihres Alters. Sie haben das Sagen und planen die Projekte. 13 Monate ist Pauline dort und kümmert sich um die Kommunikation mit Schulen, die der Organisation helfen wollen.

„Natürlich ist es sinnvoll, sich mal die Projekte anzuschauen, die wir unterstützen.“ Daher fuhren Pauline und ihre Mitstreiter im September für zwei Wochen nach Südosteuropa. Sie besuchten Schülergruppen in Bosnien, ein Jugendzentrum im Kosovo, ein Flüchtlingsprojekt in Serbien und die Roma-Community in Tirana. Sie nahmen eine Region in den Blick, die öffentlich nur wenig wahrgenommen wird. „Wenn ich heute von meiner Reise berichte, wissen die meisten Leute nicht mal, wo diese Länder liegen. Sie kommen in unseren Medien kaum vor“, sagt Pauline.

Vor ihrer Reise wusste sie selbst auch nur wenig über diese Länder. Sie erkannte sofort erste Unterschiede zu ihrem Leben in Deutschland. „Als wir in Tusla in Bosnien ankamen, wurden unsere Koffer an dem kleinen Flughafen einfach so in die Halle getragen. Es gab kein Laufband“, berichtet sie.

Auch die hügelige Landschaft hat sie überrascht. „Das merkte man vor allem bei unseren Busfahrten.“ Spätestens als das Geld gewechselt werden musste und sie an den Landesgrenzen auf Kontrollen stießen, war klar, dass sie nicht mehr in der Europäischen Union waren.

Genau solche Erfahrungen wollte Pauline machen. Sie wollte sehen, wie die Menschen dort leben und wie man ihnen helfen kann. „Mir ist bewusst geworden, wie wichtig die Arbeit ist, die wir dort machen.“

So auch in Serbien, wo „Schüler Helfen Leben“ das Patenschaftsprojekt „Gemeinsam neu beginnen“ unterstützt. Junge Serben, die abgeschoben wurden und in ihre Heimat zurückkehren mussten, werden zu Trainern ausgebildet, um anderen Rückkehrern oder Flüchtlingen aus dem Nahen Osten, die auf der Balkan-Route festsitzen, beim Neubeginn zu helfen. „Die Jugendlichen, mit denen wir gesprochen haben, sprechen fast fehlerfrei Deutsch, weil sie sehr lange in Deutschland waren“, berichtet Pauline. „Für sie ist die Rückkehr schwierig, weil sie kaum noch die Landessprache beherrschen und ein Schulbesuch sehr teuer ist.“ Das Patenschaftsprojekt helfe sowohl Rückkehrern als auch Neuankömmlingen.

Für Pauline Uhrmeister sind genau solche Projekte wichtig: „Es ist toll, Kinder und Jugendliche zu unterstützen, die sonst nicht in unserem Blickfeld sind. Man sieht, dass man schon mit wenig Geld viel schaffen kann.“

Bis Mitte August 2018 wird sie bei „Schüler helfen Leben“ bleiben. Dann will sie studieren. Was genau, ist noch offen. Aber wenn man zuhört, wie sie von ihrer Arbeit berichtet, kann man sich gut vorstellen, dass sie auch in Zukunft Menschen helfen wird.

Quelle: wa.de

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