Bufdis im Einsatz: Wo die wilden Schafe wohnen

+
Katharina Hemmis und Caroline Evers arbeiten als "Bufdis" bei der ABU und sind zum Beispiel für den Steinbruch im Lohner Klei zuständig

Lohne - In die Wildnis ist es nur ein Katzensprung. Von Lohne aus kurz über die B1 und die Straße runter Richtung Autobahn 44.

Ganz versteckt steht ein Gatter am Wegesrand. Wer es öffnet, befindet sich in einer anderen Welt. Katharina Hemmis und Caroline Evers kommen fast jeden Tag hierher. Die beiden 19-Jährigen leisten einen Bundesfreiwilligendienst bei der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU) in Bad Sassendorf und freuen sich jedes Mal, wenn sie das Tor in die Wildnis öffnen.

Man geht um die Ecke und ist plötzlich ganz woanders“, sagt Katharina fasziniert, „das ist bei jedem Naturschutzgebiet so.“ In diesem Fall ist es das Schutzgebiet rund um den Steinbruch im Lohner Klei. Früher war hier ein Truppenübungsplatz. Aber die Engländer sind schon lange weg und 1999 wurde das neun Hektar große Gebiet unter Naturschutz gestellt.

Hinter dem Gatter ist zunächst nur sehr viel Grün zu sehen, aber einzelne braune Kügelchen verraten, dass der Steinbruch nicht unbewohnt ist. Und tatsächlich: Nach einer Biegung kommt einem die Schafherde bereits entgegen: kleine schwarze Lämmchen, braune Weibchen und ein großer Bock mit eindrucksvollen Hörnern. Sie wissen: Wenn Katharina und Caroline kommen, gibt es Futter. Es sind Nolana-Schafe, die von der ABU hier angesiedelt wurden. Wer spanisch spricht, weiß dass es Schafe ohne Wollkleid sind. „So sparen wir uns die aufwendigen Scherarbeiten“, erklärt Katharina.

Die Schafe haben hier im Naturschutzgebiet eine wichtige Aufgabe. Sie grasen die Weiden ab, fressen das wachsende Gehölz und sorgen dafür, dass die Landschaft in der aktuellen Form erhalten bleibt. Ohne die Schafe würde hier nach ein paar Jahren undurchdringliches Dickicht wuchern, und einige der hier heimischen Tier- und Pflanzenarten würden ihren Lebensraum verlieren.

Die Betreuung der Schafherde ist eine von vielen Aufgaben, die Katharina und Caroline seit Beginn ihres Freiwilligendienstes im letzten Jahr erledigen. „Ich wollte nach dem Abitur einfach mal raus, etwas Praktisches für die Natur tun“, sagt Katharina und Caroline ergänzt: „Es ist wichtig, dass man sich für die Natur einsetzt, damit nicht alles zugepflastert wird.“ Für den Naturschutz haben die Freiwilligen eine große Bedeutung. „Es ist gut, frischen Wind im Haus zu haben, und sie nehmen uns viel Arbeit ab, die wir mit unseren Mitarbeitern gar nicht schaffen würden“, meint Petra Salm von der ABU.

Aber Katharina und Caroline profitieren auch selbst von der Arbeit. An ihren Gesichtern ist abzulesen, dass sie ihnen großen Spaß macht. Jeden Tag sind sie draußen in der Natur, helfen beim Bau von Zäunen, ertragen den Muskelkater nach stundenlangem Schneiden von Kopfweiden, nehmen gehörnten Rindern Blut ab oder werben bei Großveranstaltungen an Info-Ständen für die Arbeit der ABU. Vor allem aber sehen sie Orte, von denen die meisten Menschen der Region nicht einmal wissen, dass sie existieren. „Ich hätte nicht erwartet, dass es hier so viele besonderen Orte gibt. Man weiß nie, was einen erwartet“, sagt Katharina.

Dazu zählt auch der Steinbruch. Während die Schafe den Futtertrog plündern, lohnt es sich, ein paar Meter weiter zu gehen. Hinter der nächsten Biegung geht es in eine Mulde zu einem kleinen See hinunter. Drumherum türmen sich die Steinplatten auf. Ein Hauch von Gebirge im Lohner Klei.

Hier leben einige seltenen Amphibien, wie etwa die Geburtshelferkröte, die ihre Eier bis zum Schlüpfen der Kaulquappen an den eigenen Hinterbeinen mit sich herumträgt. An diesem Vormittag sind aber keine Kröten in Sicht. Der See liegt stumm da, bis auf die entfernt brummende Autobahn ist es erstaunlich still. Ein kleines, fast unbemerktes Naturidyll. Für die beiden „Bufdis“ geht es nun zurück ins ABU-Haus in Lohne. Hier wartet ein besonderer Patient auf sie. Auf der hauseigenen Pflegestation für verletzte Vögel haben sie bereits einen Rotmilan und auch einen Uhu gesund gepflegt. Aktuell ist aber nur ein kleinerer Greifvogel da. Schüchtern und verängstigt hüpft er durch sein Strohgehege. Hier lernen Katharina und Caroline, dass die Natur auch hart sein kann, denn der Greifvogel frisst derzeit nicht selbst. Er muss gefüttert werden und freut sich besonders über tote Küken. „Das ist natürlich nicht so schön. Aber nach dem ersten Mal auch halb so schlimm“, haben sich die beiden jungen Damen auch an diese eher unappetitliche Nahrungsaufnahme gewöhnt.

Nach dem Sommer ist das Jahr bei der ABU vorbei. Katharina will Landschaftsentwicklung studieren, Caroline schwebt noch ein Jura-Studium vor, aber vielleicht lässt sich dies ja irgendwann auch mit Umweltschutz verbinden. Die vielen Stunden in der Wildnis mit den unterschiedlichsten Pflanzen und Tieren werden die beiden sicher nicht so schnell loslassen.

Infos zu Freiwilligendiensten bei der ABU unter Telefon 02921/9698780 oder per Mail abu@abu-naturschutz.de. Eine Exkursion in den Steinbruch im Lohner Klei findet am 27. Mai um 19 Uhr statt. Treffpunkt ist an der Lohner Mühle, Teichstraße 19.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare