Fidget Spinner: Wer hat den Dreh raus?

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Plettenberg - Seit Wochen begeistern die >Fidget Spinners< die junge Generation. Wir erklären, was ihren Erfolg ausmacht und warum eine Plettenberger Ärztin sie für sinnvoll hält.

Jetzt hat Maher Farooq der Ehrgeiz gepackt. Wieder und wieder klemmt er den feuerroten >Fidget Spinner< zwischen seinen Daumen und den Zeigefinger. Bringt ihn mit einem Schnippen zum Drehen wie einen Kreisel. Und jetzt auf die Nasenspitze damit. "Und!?", ruft er erwartungsvoll, nachdem das kreisel-ähnliche Spielzeug für den Bruchteil einer Sekunde auf seiner Nase getanzt hat. Ja, das Foto ist schon ganz gut geworden. Wenn Maher doch bloß den Spinner noch ein paar Sekündchen länger auf der Nase halten könnte...

Diesen Trick, den der Wochenmarkt-Händler Maher Farooq hier gerade versucht, beherrschen bereits unzählige Jugendliche. Was für die Generation der heute 30-Jährigen während ihrer Jugend das Jojo war, das ist für die Teenager von heute der >Fidget Spinner<. Die Anschaffungskosten liegen mit 5 bis 10 Euro durchaus im Taschengeld-Budget und man kann mit den Teilen pfiffige Tricks einstudieren: den Spinner zum Beispiel auf der Nase oder auf dem Fuß balancieren oder ihn von einer Hand in die andere gleiten lassen. Wer bei Youtube nach >Fidget Spinner< sucht, findet Videos mit millionenfachen Aufrufen.

Dabei ist das einzige, was ein Spinner kann: sich drehen. Es gibt sie in unterschiedlichen Ausführungen. Manche sind dank Metallgewichten in den drei Flügeln schwerer und drehen sich länger, manche haben Glitzersteine und wieder andere können leuchten wie ein Karussell. Bis der neue Spinner-Trend seinen Weg ins Sauerland gefunden hatte, dauerte es ein wenig, aber mittlerweile gibt es das Spielzeug in Lüdenscheid an jeder Ecke und in Plettenberg zum Beispiel auf dem Wochenmarkt. "Alle kaufen sie, egal ob jung oder alt", berichtet Mahers Händler-Kollege Habib Bhatti. Er lacht: "Es ist zwar irgendwie sinnlos, aber die Leute kaufen es trotzdem."

Viele Eltern werden über die Sinnhaftigkeit vermutlich ähnlich denken wie der Markthändler, aber die Plettenberger Kinderärztin Dr. Maria Thannhäuser hat dazu eine andere Meinung. "Spinner schulen die Feinmotorik und die Aufmerksamkeit, gerade wenn man damit einen Trick probiert", sagt sie. "Da gab es schon deutlich schlimmere Spielzeuge, zum Beispiel die Tamagotchis."

Im Grunde helfen die Spinner ja auch beim Stressabbau. In Situationen, in denen Erwachsene ständig auf ihre Kugelschreiber drücken, drehen heute eben viele den >Fidget Spinner<, den ursprünglich viele Autisten benutzt haben. Auf den Pausenhöfen der Plettenberger Schulen sieht man schon einige Spinner, im Unterricht sind sie kein Problem. "Wir haben noch kein Verbot aussprechen müssen", sagt zum Beispiel Erich Dunkel von der Geschwister-Scholl-Realschule auf Nachfrage.

Maher Farooq hat inzwischen schon gefühlte hundert Dreh-Versuche auf seiner Nasenspitze hinter sich. Ein Profi ist er nun noch immer nicht. Aber unser Titelbild ist im Kasten. Dankesehr!

Von Sebastian Schulz

Quelle: wa.de

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