Neustart nach dem Scheitern an der Uni

+
Die Hörsäle an deutschen Universitäten und Fachhochschulen sind voll, wie hier beim Info-Tag der Soester FH. Immer mehr Studenten halten aber nicht bis zum Abschluss durch

Kreis Soest - Immer mehr junge Leute brechen ihr Studium ab. Die Soester Fachhochschule und die Kreishandwerkerschaft versuchen Lösungen zu finden.  

Die letzte Prüfung war ein Reinfall, das Lernen fällt schwer, die Seminare sind zu anspruchsvoll – so fühlen sich immer mehr junge Menschen in Deutschland. Laut einer neuen Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung brechen etwa 30 Prozent aller Studenten ihr Studium an einer Universität oder Fachhochschule ab. Auch im Kreis Soest ist dieses Problem bekannt.

Die Abbrecherquoten sind besonders an Fachhochschulen gestiegen. In den letzten fünf Jahren wuchs die Quote fast um die Hälfte auf 27 Prozent. Ob die Zahlen auch an der Soester FH gestiegen sind, lässt sich aber nur schwer feststellen.

Häufig gibt es keine Antwort auf Gründe

„Wir fragen jeden Studenten, warum er sein Studium bei uns nicht fortsetzt. Aber häufig bekommen wir keine Antwort“, erklärt Pressesprecherin Birgit Geile-Hänßel. Die veröffentlichten Zahlen seien also mit Vorsicht zu genießen.

Im Wintersemester 2016/2017 beendeten 320 Studenten ihr Studium in Soest. 158 von ihnen schafften die letzte Prüfung, 13 wechselten die Hochschule. 16 beendeten ihr Studium, weil sie die letzte Prüfung endgültig nicht bestanden und nur 13 gaben wirklich an, ihr Studium aufgegeben oder unterbrochen zu haben. Der große Teil (92) aber wurde wegen fehlender Rückmeldung exmatrikuliert. Ob sie ihr Studium abgebrochen oder einfach an eine andere Hochschule gewechselt sind, lässt sich nicht sagen.

Ein Grund ist bekannt

Birgit Geile-Hänßel weiß aber, dass es die Problematik mit den Abbrechern auch in Soest gibt. Ein Grund liege in der mangelnden Vorbereitung der Schüler: „Das Lernverhalten aus der Schule funktioniert im Studium nicht mehr. Man muss kontinuierlich lernen, weil in den Prüfungen der Stoff aus einem ganzen Semester abgefragt wird.“

„Lernen lernen“ ist das Stichwort. An der FH gibt es daher Lernzentren und Workshops, um gerade Erstsemester auf ihr Studium vorzubereiten. Schwächere Studenten werden zudem angeschrieben, um gemeinsam die Gründe für ihre fehlenden Leistungen finden zu können. Frühwarnsystem nennt sich diese Methode, um die zweifelnden Studenten nicht alleine zu lassen. Geile-Hänßel empfiehlt allen Abiturienten vor Studienbeginn zudem spezielle Tests im Internet, um herauszufinden, ob sie wirklich für ein Studium geeignet sind.

"Spurwechsel" für Zweifler

Wenn es im Studium aber tatsächlich nicht weitergeht, gibt es Programme, um diese Zweifler aufzufangen. Dazu zählt etwa das „Spurwechsel“-Projekt“, bei dem Arbeitsagentur, Handwerskammer Dortmund und IHK Arnsberg seit einigen Jahren zusammenarbeiten.

Denn aus einem Scheitern kann auch ein Neustart werden. Das versucht Dietmar Stemann von der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe zu vermitteln. Auch er kommt auf Messen und am Telefon viel mit Studienabbrechern ins Gespräch, teilweise aus ganz Deutschland. Spätestens im September, wenn an den Unis und Fachhochschulen alle Klausuren geschrieben sind, rechnet er mit dem nächsten Ansturm.

Studium aus Prestigegründen

Stemann benennt verschiedene Gründe für die hohe Abbrecherquote. „Viele wollen ihren geregelten Tagesablauf aus der Schule beibehalten und machen daher eher ein Studium als eine Ausbildung“, meint er. Zudem spiele ein Studium als Prestigefrage immer noch eine große Rolle. Auch das Turbo-Abi würde sich hier auswirken: „Die Schüler haben keine Zeit richtig zu lernen und eine Persönlichkeit zu entwickeln. Sie fangen dann ein Studium an, ohne wirklich zu wissen, was das ihnen bringen soll.“

Für die Handwerkerschaft stellen die Studienabbrecher aber ein großes Potenzial dar. In persönlichen Gesprächen versucht Stemann herauszufinden, für welche Ausbildung die jungen Menschen geeignet sein könnten. Lieber wäre es ihm aber, wenn sie sofort den sichereren Weg einschlagen würden: „Es gibt auch immer wieder Abiturienten, die zuerst eine Ausbildung machen und dann studieren.“ Diese Möglichkeit sollten angehende Studenten immer bedenken, anstatt mittendrin die Spur wechseln zu müssen.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare