Werftengruppe Wadan

Drittgrößte deutsche Werft pleite

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Mitarbeiter der Werftengruppe Wadan sind geschockt. Die Gruppe ist in die Insolvenz gerutscht.

Schwerin - Die Werftengruppe Wadan in Mecklenburg-Vorpommern ist pleite, weil die russischen und koreanischen Eigner nötige Zahlungen nicht tätigten.

Die drittgrößte deutsche Werftengruppe Wadan in Mecklenburg ist wegen ausbleibender Zahlungen der russischen und koreanischen Eigentümer in die Insolvenz gerutscht. In Wismar und Rostock müssen jetzt Tausende Schiffbauer und Mitarbeiter bei Zulieferern um ihre Jobs fürchten.

Ministerpräsident Erwin Sellering griff die Wadan-Eigentümer scharf an: “Es ist enttäuschend und macht mich wütend, wie die Eigner die Werften im Stich gelassen haben.“ Er versprach den Arbeitern Hilfe des Landes im Insolvenzverfahren. Die fünf Einzelbetriebe stellten am Freitag beim Amtsgericht Schwerin Insolvenzanträge wegen Zahlungsunfähigkeit, nachdem die Landesregierung weitere Staatshilfen verweigert hatte.

In der Vergangenheit hatten Bund und Land Kredite und Bürgschaften von 220 Millionen Euro genehmigt, laut Landesregierung wurden 167 Millionen Euro ausgezahlt. Das Gericht bestellte den Schweriner Anwalt Marc Odebrecht zum Insolvenzverwalter. Auf einer Betriebsversammlung sagte Odebrecht, trotz schwieriger wirtschaftlicher Zeiten könne es in den Werften weitergehen. Dazu müsse schnell ein Konzept auf den Tisch und ein neuer Investor gefunden werden.

Zusagen nicht eingehalten

Die Eigentümer, die russische FLC West und die koreanische STX Europe, haben laut Landesregierung mehrere Zusagen nicht eingehalten. Die russischen Eigentümer als 70-prozentige Gesellschafter konnten demnach eine Bankgarantie von 18 Millionen Euro offensichtlich nicht stellen. Selbst ein kleiner Liquiditätsbeitrag von fünf Millionen Euro sei nach einer ersten Rate nicht weiter gezahlt worden. Die koreanische STX Europe, die 30 Prozent hält, hat sich laut Landesregierung geweigert, vier Containerschiffaufträge an die Werft zu bestätigen und eine vereinbarte Chartergarantie für zwei fertige Containerschiffe zu stellen.

Die Wadan-Geschäftsführung erklärte, wegen “ungeklärter Fragen auf Gesellschafterebene“ hätten Anzahlungen für in Bau befindliche Schiffe von über 100 Millionen Euro nicht abgerufen werden können. Zwtl: Neuanfang geplant Die Landesregierung will nun die Insolvenz für einen neuen Anfang der Werften nutzen. “Jetzt geht es darum, im folgenden Insolvenzverfahren einen Neustart anzustreben“, sagte Wirtschaftsminister Jürgen Seidel. Dabei werde das Land nach Kräften helfen.

Russland hatte vergangenes Jahr über eine teil-staatliche Investmentgesellschaft für 292 Millionen Euro die Mehrheit der Werften in Wismar und in Rostock-Warnemünde vom norwegischen Schiffbauer Aker Yards übernommen. Die Werften sollten nach damaligen Plänen stark im Bau von Spezialschiffen für die Öl- und Gasförderung in arktischen Regionen Russlands tätig werden. Die Wadan-Werften beschäftigen nach eigenen Angaben 2.500 Mitarbeiter, dazu kommen zahlreiche Beschäftigte bei Zulieferbetrieben.

Schiffbau eine der Kernbranchen in Mecklenburg-Vorpommern

Der Schiffbau ist neben Tourismus und Landwirtschaft eine Kernbranche im wirtschaftsschwachen Mecklenburg-Vorpommern. Neben der Wadan-Gruppe produzieren die Volkswerft in Stralsund und die Peenewerft in Wolgast Container- und Frachtschiffe sowie Kreuzfahrtschiffe. Darüber hinaus baut die Neptun-Werft in Rostock Flusskreuzfahrtschiffe. Wadan ist die größte Ost-Werft und bundesweit die drittgrößte nach den ThyssenKrupp-Werften in Hamburg, Kiel und Emden und der Meyerwerft in Papenburg.

AP

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