Demütige Töne

Uber-Chef will selbst mit Londoner Behörden verhandeln

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Khosrowshahi soll es richten: Die Behörde Transport for London hatte vor einer Woche angekündigt, die zum Monatsende auslaufende Lizenz von Uber werde nicht verlängert. Foto: Andrew Gombert

Ubers neuer Chef Dara Khosrowshahi kann die drohende Blockade in London nutzen, um dem umstrittenen Fahrdienst-Vermittler ein freundlicheres Image zu geben. Er will kommende Woche selbst verhandeln, damit Uber weiter in London fahren kann.

London (dpa) - Der neue Uber-Chef Dara Khosrowshahi will das drohende Aus für den Fahrdienst-Vermittler in London in persönlichen Gesprächen abwenden.

Khosrowshahi werde in die britische Hauptstadt zu einem Treffen mit dem Chef Nahverkehrsbehörde, Mike Brown, am kommenden Dienstag reisen, kündigte Uber am Freitag an. Der Uber-Chef, der erst vor kurzem den Spitzenjob von dem für seine aggressive Gangart berüchtigten Mitgründer Travis Kalanick übernahm, hatte sich bereits Anfang der Woche für Fehler der Firma entschuldigt.

Die Behörde Transport for London hatte vor einer Woche angekündigt, die zum Monatsende auslaufende Lizenz von Uber werde nicht verlängert. Der US-Start-up agiere verantwortungslos, unter anderem was das Melden von Straftaten und medizischen Kontrollen der Fahrer angehe. Uber hat noch zwei Wochen Zeit, dagegen Widerspruch einzulegen - und wird während des wahrscheinlich monatelangen Berufungsverfahrens weiterfahren können. Uber verwies am Freitag auf Khosrowshahis Ankündigung, man wolle mit den Londoner Behörden arbeiten, um die Situation wieder geradezubiegen.

Die britische Premierministern Theresa May kritisierte den Lizenz-Entzug für Uber unterdessen als "unverhältnismäßig". In einem Interview mit der BBC sagte sie am Donnerstag, der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan habe "mit einem Federstrich 40 000 Arbeitsplätze in Gefahr gebracht und das Leben von 3,5 Millionen Uber-Nutzern beschädigt". Selbstverständlich gäbe es Sicherheitsbedenken, aber ein umfassendes Verbot sei unverhältnismäßig. Es müssten gleiche Bedingungen für Uber und die offiziellen Taxis gelten.

Für Khosrowshahi ist der Streit in London eine Chance, ein neues, freundlicheres Gesicht von Uber nach den erbitterten Konflikten der Kalanick-Ära zu präsentieren. Das von Geldgebern mit bis zu 69 Milliarden Dollar bewertete Start-up hatte sich bei der rasanten internationalen Expansion immer wieder über geltende Regeln hinweggesetzt und mit Behörden und Taxibranche angelegt.

Khosrowshahi, der zuvor das Online-Reisebüro Expedia geführt hatte, schlug schon in den vergangenen Tagen einen Ton der Demut ein. Für Uber sei jetzt Zeit, darüber nachzudenken, wie es soweit gekommen sei, schrieb er in einer E-Mail an die Mitarbeiter. "Die Wahrheit ist, dass man für schlechten Ruf einen hohen Preis bezahlt."

Kalanick hatte den Chefposten unter dem Druck von Investoren geräumt, nachdem eine Untersuchung zu Vorwürfen von Sexismus und Diskriminierung massive Missstände bei dem Unternehmen zu Tage gefördert hatte.

Bericht der "Financial Times"

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