Von 289 Millionen Dollar auf 78 Millionen

Richterin reduziert Monsanto-Strafe deutlich - Bayer-Aktien brechen trotzdem ein

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Der Saatguthersteller Monsanto muss weniger Strafe zahlen

Die Millionen-Strafzahlung gegen den US-Saatguthersteller Monsanto wegen möglicher Krebsrisiken seiner Unkrautvernichter soll drastisch reduziert werden.

Update vom 23. Oktober 12.46 Uhr: Bayer-Aktien brechen trotzdem ein

Bei den Aktionären von Bayer ist die Furcht vor unwägbaren Milliardenrisiken wegen der Glyphosat-Klagen in den USA am Dienstag wieder gewachsen. Vorausgegangen war die Entscheidung einer US-Richterin, den Schadenersatz im ersten US-Glyphosatprozess nur zu senken, statt den Prozess neu aufzurollen. Die im Raum stehende Zahlung liegt zudem immer noch im höheren zweistelligen Millionen-Dollar-Bereich. Die Bayer-Aktien brachen am Vormittag zuletzt um rund 7 Prozent auf 71,12 Euro ein.

Damit rutschten die Papiere in Richtung ihres September-Tiefs von 69,40 Euro ab. Erst auf diesem Niveau hatte sich der Kurs gefangen, nachdem er im August infolge des Beschlusses einer Geschworenenjury eingebrochen war. Die Jury hatte damals beschlossen, dass einem Krebspatienten ursprünglich eine Entschädigung von 289 Millionen Dollar zu zahlen ist. Der Patient macht Unkrautvernichter des von Bayer übernommenen Saatgutkonzerns Monsanto für seine Erkrankung verantwortlich.

Überraschung im Glyphosat-Prozess -  Richterin reduziert Monsanto-Strafe deutlich

St. Louis - Eine Richterin in San Francisco erklärte am Montag, der gegen die Tochter des deutschen Chemiekonzerns Bayer verhängte Schadenersatz für einen Krebspatienten solle von 289 Millionen Dollar auf 78 Millionen Dollar verringert werden. Die Forderung Monsantos nach einem neuen Prozess wies die Richterin aber zurück.

Roundup und RangerPro trugen zur Krebserkrankung des Klägers bei

Monsanto war im August von einem Geschworenengericht in San Franciscozur Zahlung von 289 Millionen Dollar (251 Millionen Euro) Schadenersatz verurteilt worden. Glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel wie Roundup und RangerPro hätten "wesentlich" zur Krebserkrankung des Klägers Dewayne Johnson beigetragen, hieß es zur Begründung. Monsanto habe nicht vor der Gefährlichkeit der Herbizide gewarnt.

Der ehemalige Hausmeister ist unheilbar an Lymphdrüsenkrebs erkrankt und macht die Herbizide von Monsanto dafür verantwortlich, mit denen er lange arbeitete. Der zu Bayer gehörende Saatguthersteller kündigte damals umgehend Berufung gegen seine Verurteilung an.

Insgesamt 289 Millionen Dollar

Der im August verhängte Schadenersatz von 289 Millionen Dollar setzte sich aus zwei Teilen zusammen: 39 Millionen Dollar für den gesundheitlichen und finanziellen Schaden Johnsons sowie 250 Millionen Dollar als abschreckende Strafmaßnahme.

Diese 250 Millionen Dollar sollen nun auf 39 Millionen Dollar abgesenkt werden, wie Richterin Suzanne Bolanos erklärte. Johnson kann dies bis zum 7. Dezember akzeptieren. Andernfalls soll der Schadenersatz in einem neuen Prozess festgelegt werden.

Monsanto gehört seit Juni zum Bayer-Konzern

Johnsons Anwälte erklärten, das weitere Vorgehen nun zu prüfen. Sie begrüßten aber, dass die Richterin das Urteil als solches aufrecht erhalten habe.

Im Zentrum des Verfahrens stand damals die Frage, ob die in den Unkrautvernichtungsmitteln Roundup und RangerPro enthaltene Chemikalie Glyphosat eine krebsauslösende Wirkung hat. Monsanto, das seit Juni zum Bayer-Konzern gehört, bestreitet eine solche Wirkung seines Produkts. In der Forschung ist diese Frage umstritten.

EPA und WHO uneinig

Die US-Umweltbehörde EPA und auch die Aufsichtsbehörden in der EU und Deutschland gelangten zu dem Schluss, dass keine Krebsgefahr von dem Unkrautvernichtungsmittel ausgeht. Dagegen hatte die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) vor drei Jahren konstatiert, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend bei Menschen" sei.

In der EU war die Zulassung des Mittels nach zwei Jahren lebhafter Debatten Ende 2017 um weitere fünf Jahre verlängert worden. In Deutschland soll die Anwendung von Glyphosat deutlich eingeschränkt werden.

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