Gegen Rivale Richard Branson

Milliardärs-Wettrennen im All: Bezos plant eigenen Flug – Empörung über Weltraum-Tourismus

Jeff Bezos 2015 mit Sonnenbrille vor einer „Blue Origin“-Rakete an einem Startplatz im Westen von Texas.
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Amazon-Gründer Jeff Bezos (Archivbild von 2015) an einer „Blue Origins“-Startrampe.

Auch der Amazon-Gründer besteigt demnächst eine Rakete. Kritiker sehen darin vor allem Egoismus, Geldverschwendung und Umweltverschmutzung.

New York - Die Milliardäre messen weiter ihre Kräfte – im Weltraum. Die erste Runde hat Jeff Bezos verloren, obwohl er als reichster Mensch der Welt gilt. Sein Rivale Richard Branson war früher dort*. Doch Bezos könnte ihn wohl übertrumpfen.

Der Amazon-Gründer* nimmt den zweiten Anlauf am Dienstag (20. Juli.) Dann will er mit einer eigenen Rakete in den Weltraum fliegen. Nicht nur soll die Passagierkapsel von Bezos‘ Raumfahrtunternehmen „Blue Origin“ rund 15 Kilometer höher steigen als Bransons Raumflieger und damit die in 100 Kilometern Höhe gelegene Kármán-Linie erreichen, die laut internationaler Definition die Grenze zum Weltraum markiert.

Wettrennen im Weltraum: Elf Minuten soll Bezos‘ Triumphfahrt dauern

Bezos nimmt außerdem sowohl den jüngsten als auch den ältesten Menschen mit, die jemals in den Weltraum geflogen sind: den 18-jährigen Niederländer Oliver Daemen und als Ehrengast die 82-jährige US-Pilotin Wally Funk. Vom Start in der texanischen Wüste an wird der gesamte Ausflug ins All nur elf Minuten dauern, mehrere Minuten lang können die Weltraumtouristen Schwerelosigkeit und einen Blick auf die Erdkrümmung genießen.

Bernies Sanders wettert gegen Amazon-Gründer: „Im reichsten Land der Welt“

Während Bezos - mit einem Vermögen von rund 205 Milliarden Dollar die klare Nummer eins auf der „Forbes“-Milliardärs-Liste - von vielen als Visionär gefeiert und für seinen Erfolg bewundert wird, gibt es auch Kritik. US-Linken-Ikone Bernie Sanders zürnte kürzlich auf Twitter, „hier auf der Erde, im reichsten Land der Welt“, hätten viele Menschen kaum genug Geld zum Essen. „Aber hey, die reichsten Menschen der Welt reisen ins Weltall!“

Es sei an der Zeit, Milliardäre ordentlich zu besteuern, mahnte der Senator und frühere Präsidentschaftsbewerber - ein Verweis darauf, dass Superreiche wie Bezos in den USA gemessen an ihrem Vermögen kaum Einkommensteuer zahlen.

Umweltschützer gegen Weltraumflüge: Treibstoff für ein bisschen Spaß

Fragen werden auch laut zu den Auswirkungen der Weltraumflüge auf die Umwelt. Dass große Mengen Treibstoff verbrannt werden, um Vermögenden ein außergewöhnliches Erlebnis im All zu bescheren, erscheint inmitten der Debatte um den Kampf gegen Erderwärmung nicht wenigen absurd.

Zumal unklar ist, welches Ausmaß der Weltraumtourismus künftig annehmen wird. Bransons Unternehmen Virgin Galactic schweben hunderte Flüge im Jahr vor.

Und neben Branson und Bezos spielt mit Tesla*-Gründer Elon Musk* noch ein weiterer Milliardär mit in der Branche. Sein Raumfahrtunternehmen SpaceX* absolviert schon Flüge für die Nasa und will künftig Weltraumtouristen viel weiter ins All bringen als Virgin Galactic und Blue Origin. Im September soll eine Falcon-9-Rakete von SpaceX den US-Milliardär Jared Isaacman und drei weitere Passagiere für mehrere Tage auf eine Erdumlaufbahn bringen.

Weltraumtourismus: Anonymer Bieter zahlt 28 Millionen Dollar

Dass der Markt großes Potenzial hat, daran gibt es keine Zweifel. Virgin Galactic hat schon 600 Tickets für künftige Flüge verkauft, Stückpreis: zwischen 200.000 und 250.000 Dollar.

Um am ersten bemannten Flug von „Blue Origin“ teilzunehmen, zahlte ein anonymer Bieter bei einer Online-Auktion ganze 28 Millionen Dollar. Umso überraschender, dass der Gewinner der Versteigerung nun am Dienstag doch nicht mitfliegen wird - wegen „Terminkonflikten“, wie „Blue Origin“ erklärte. Er soll an einem späteren Flug teilnehmen. Deswegen rückt als erster zahlender Blue-Origin-Kunde der erst 18-jährige Oliver Daemen nach, der Sohn eines niederländischen Finanzinvestors. Wieviel er für den Flug hinlegen musste, verriet das Weltraumunternehmen nicht. (AFP/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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