Ratingagentur stuft Spanien herab

Madrid - Die spanische Regierung muss bei ihrem Rettungsversuch des vom Kollaps bedrohten Bankensektors einen weiteren Rückschlag hinnehmen:

Die Ratingagentur Fitch stufte am Donnerstag die Kreditwürdigkeit des Landes um drei Stufen von “A“ auf “BBB“ herab. Zugleich stieg der Zinssatz für zehnjährige Staatsanleihen auf ein gefährliches Niveau.

Fitsch geht davon aus, dass Spanien bis zu 100 Milliarden Euro zur Stabilisierung seiner Banken benötigt, und bewertete den Ausblick für die Bonität des hoch verschuldeten Landes mit negativ. Die Rekapitalisierung des spanischen Bankensektors würde jüngsten Schätzungen zufolge teurer als zuvor prognostiziert, schrieben die Analysten der Ratingagentur in ihrer Begründung. Zudem werde es Spanien wohl weder in diesem noch im kommenden Jahr gelingen, die Rezession zu überwinden.

Zwar konnte sich Spanien erfolgreich dringend benötigtes Geld am Kapitalmarkt beschaffen. Allerdings musste das Land dafür tiefer in die Tasche greifen. Das spanische Finanzministerium nahm mit dem Verkauf von zehnjährigen Anleihen am Donnerstag 2,1 Milliarden Euro ein. Der Zinssatz stieg Ministeriumsangaben zufolge von 5,7 Prozent auf das von Experten als gefährlich eingestufte Niveau von 6 Prozent. Die Nachfrage sei hoch gewesen und habe die angebotene Menge um das 3,3-fache überstiegen. Analysten erklärten allerdings, der von der spanischen Regierung angepeilte Erlös von zwei Milliarden Euro sei so niedrig angesetzt gewesen, dass die Auktion eher symbolischen Charakter gehabt habe.

Die Auktion der zehnjährigen Anleihen war mit Spannung erwartet worden, nachdem der spanische Finanzminister Cristóbal Montoro am Dienstag erstmals explizit gewarnt hatte, dass “die Tür zu den Märkten für Spanien nicht offen ist“.

Spanien will noch nicht unter Euro-Rettungsschirm

Trotz der prekären wirtschaftlichen Lage im Land will Spanien aber offenbar nicht unter den Euro-Rettungschirm schlüpfen, zumindest vorerst nicht. Es gebe auch keine konkreten Pläne, um Hilfen für die angeschlagenen Banken zu bitten, sagte Wirtschaftsminister Luis de Guindos am Vortag in Brüssel. Zunächst müssten der Internationale Währungsfonds (IWF) und die beauftragten unabhängigen Bilanzprüfer ihre Berichte zum Finanzierungsbedarf der Banken vorlegen. “Erst dann will die spanische Regierung die erforderlichen Beschlüsse zur Rekapitalisierung der Institute fassen“, sagte de Guindos.

Der IWF-Bericht soll Anfang kommender Woche, der Bericht der unabhängigen Bilanzprüfer Ende Juni vorgelegt werden. Wenn die Eurogruppe am 20. Juni zu ihrem nächsten Treffen zusammenkommt, könnte Madrid seine Pläne offenbaren. Es wird erwartet, dass die Europäische Zentralbank und die Europäische Kommission beim EU-Gipfel Pläne für eine Bankenunion vorlegen, die Rettungspakete direkt vergeben soll, ohne dabei den Umweg über die Regierungen der einzelnen Länder zu nehmen.

Was machen Ratingagenturen eigentlich genau?

Was machen Ratingagenturen eigentlich genau?

Spanien möchte seinen Banken gerne diesen Zugang zu direkter Hilfe ermöglichen. Zur Rettung des gesamten spanischen Bankensektors wären schätzungsweise zwischen 40 und 100 Milliarden Euro nötig. Aus Kreisen der Eurogruppe wurden direkte Finanzspritzen aus dem Rettungsschirm EFSF an den spanischen Bankenrettungsfonds Frob allerdings abgelehnt. Um Hilfe zur Bankenrekapitalisierung zu bekommen, “müsste die spanische Regierung einen normalen Antrag stellen“, sagte ein Diplomat.

dapd

Rubriklistenbild: © dapd

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare