Wut-Proteste in Südafrika

Nach Rassismus-Eklat: Aktivisten stürmen und verwüsten H&M-Filialen

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Ein geschlossener Laden in einer Mall in Johannnesburg nachdem Aktivisten den Laden gestürmt hatten.

Die Wut auf H&M kennt in Südafrika offenbar kaum Grenzen. Bilder und Videos zeigen eine Zerstörungswut auf die schwedische Kleidungskette, die mit einer Werbung einen Rassismus-Skandal ausgelöst hatte.

Johannesburg - Ein junger Mann springt mit Anlauf und den Füßen voran in eine Kleiderstange, dreht sich um und reist den nächsten Ständer um. Es ist offenbar ein Liveleak-Video aus Johannesburg in Südafrika, das zeigt: H&M wird nach seiner umstrittenen Werbung mit einem schwarzen Jungen von Vandalismus heimgesucht.

Die radikal-sozialistische Partei Economic Freedom Fighters (EFF) bekannte sich zu den zerstörerischen Taten. Floyd Shivambu, ein Mitglied des südafrikanischen Parlaments aus den Reihen der EFF, twitterte Fotos aus einem verwüsteten H&M und schrieb: “Dieses unsinnig Bekleidungsgeschäft erfährt nun die Konsequenzen für seinen Rassismus. Alle rational denkenden Menschen sollten der Meinung sein, dass diese Läden nicht mehr in Südafrika operieren dürfen.”

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Polizei geht mit Gummigeschossen gegen Aktivisten vor

Warum eskaliert die Situation in Südafrika derart? H&M wirbt mit dem Bild eines kleinen dunkelhäutigen Jungen. Auf seinem grünen Pullover steht: “Coolest Monkey in the Jungle”. Auf deutsch: “Der coolste Affe im Jungle”. Die Empörung im Netz war nach der rassistisch empfundenen Werbung groß. Das Unternehmen entschuldigte sich wegen der Werbung "bei jedem, den dies verletzt hat" und änderte die Werbung zunächst. Ein Foto des Kapuzen-Pullis ohne den Jungen stand aber weiter auf der Website. Am Dienstag wurde der Pulli schließlich aus dem Sortiment genommen.

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In Südafrika konnte dieses Vorgehen die Wogen jedoch nicht glätten. Am Samstag gab es zahlreiche Protestaktionen. Auf Videoaufnahmen war zu sehen, wie die Aktivisten Werbetafeln in den Geschäften zerstörten, Kleidungsstücke herunterrissen und Schaufensterpuppen umwarfen. In einem H&M-Shop seien zudem Gegenstände gestohlen worden, teilte die südafrikanische Polizei im Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Die Polizei habe die Aktivisten daher mit Gummigeschossen auseinander getrieben.

Lesen Sie auch: Südafrikaner protestieren gegen rassistische Werbung: H&M schließt dort alle Filialen

Expertin: H&M hat Bezug zu Kunden verloren

H&M gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten Marken Schwedens. Das seit 1974 am Stockholmer Aktienmarkt gelistete Unternehmen betreibt weltweit mehr als 4500 Filialen. Die Umsätze gingen aber zuletzt zurück, im Onlinehandel ist H&M nicht so erfolgreich wie andere Bekleidungsfirmen. Wegen der verstärkten Abwanderung von Kunden ins Internet kündigte der schwedische Moderiese Mitte Dezember bereits die Schließung von Filialen an, ohne Details zu nennen.

Die Welle der Empörung über die schwedische Modekette H&M nach einer als rassistisch empfundenen Werbung ist nach Einschätzung von Experten ein Zeichen dafür, dass das Unternehmen den Bezug zu seinen Kunden zu verlieren droht. Die jüngsten Debatten zeigten, dass H&M "Probleme" hinsichtlich der "Digitalisierung in unserer Gesellschaft" sowie in der Unternehmenskommunikation habe, sagte die Marketing-Professorin Eva Ossiansson von der schwedischen Universität Göteborg der Nachrichtenagentur AFP.

afp, mke

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