IG Metall befürchtet Entlassungen

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Martin Kannegiesser: “Viele Betriebe rutschen inzwischen von der Konjunkturkrise in eine Strukturkrise.“

Frankfurt am Main - Die Metall- und Elektroindustrie rechnet für 2009 erstmals in der Geschichte der BRD mit einem Verlust. Das ergab eine Umfrage unter den 31 wichtigsten börsennotierten Unternehmen der Branche.

Die IG Metall befürchtet nach der Bundestagswahl Entlassungen in großem Stil. Die Arbeitgeber halten es zumindest für unverantwortlich, Arbeitsplätze “um jeden Preis“ zu erhalten. Gewerkschaftschef Berthold Huber entgegnete: “Die Kassandrarufe der Metallarbeitgeber helfen jetzt in der Krise nicht weiter.“ Es gebe realistische Wege, Entlassungen trotzdem zu verhindern. Vor allem die verbesserte Kurzarbeit habe sich als Instrument bewährt und sei noch lange nicht ausgeschöpft. “Gefragt ist jetzt der Blick auf die kommenden vier und mehr Jahre und nicht hektische Reaktionen in den nächsten vier oder fünf Monaten“, meinte Huber.

Von der Konjunktur- in die Strukturkrise

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser sagte dem “Handelsblatt“ (Mittwoch): “Viele Betriebe rutschen inzwischen von der Konjunkturkrise in eine Strukturkrise.“ Damit wachse der Druck auf die Unternehmen, mit Anpassungen bei Personalkosten und Beschäftigung zu reagieren. Der Verband analysierte die Lage aller Metall- und Elektro- Unternehmen, die in den Aktienindizes DAX, MDAX und TecDAX vertreten sind. Ursachen für die sinkende Erträge sind demnach die eingebrochenen Umsätze bei einer gleichzeitigen Explosion der Lohnstückkosten um 30 Prozent binnen eines Jahres - dies wiederum sei die Folge von Arbeitsplatzsicherung in der Krise.

Von den 31 Unternehmen hätten mehr als die Hälfte das erste Quartal mit Verlust abgeschlossen. Zudem hätten 57 Prozent aller Firmen der Branche ihre Ertragslage im Mai mit “schlecht“ bewertet und lediglich 5 Prozent mit “gut“. IG-Metall-Vorstandsmitglied Helga Schwitzer äußerte die Vermutung, dass Unternehmen “ganz offenbar mit Blick auf die Bundestagswahl am 27. September Entlassungen aus politischen Gründen“ hinausschöben. “Das Muster ist aus 2005 noch in Erinnerung“, schrieb sie in der “Frankfurter Rundschau“ (Mittwoch). Kurz nach dem Wahltag hätten Unternehmen damals den Abbau von mehreren Zehntausend Arbeitsplätzen verkündet.

Die IG Metall forderte den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen, die möglichen 24 Monate Kurzarbeit sollten voll ausgeschöpft werden. Gesamtmetall argumentierte, die absehbaren Verluste zeigten, “wie stark die Unternehmen bislang in die Beschäftigungssicherung investiert haben. Sie aber jetzt unter Druck zu setzen, die Zahl der Beschäftigten um jeden Preis zu konservieren, wäre unverantwortlich“. Dann würde den Unternehmen der finanzielle Spielraum genommen, den sie für Investitionen und neue Arbeitsplätze brauchten.

Die in Deutschland steigende Arbeitslosigkeit trifft nach einer Studie des DGB jüngere Beschäftigte besonders hart. Die Arbeitslosigkeit sei unter Jüngeren rund dreimal so stark gestiegen wie im Durchschnitt aller Altersklassen, berichtete die “Frankfurter Rundschau“ (Mittwoch) aus der Analyse. Demnach waren im Mai 16 Prozent mehr Menschen bis 24 Jahre arbeitslos als ein Jahr zuvor. Die durchschnittliche Arbeitslosigkeit sei mit 5,3 Prozent deutlich geringer gestiegen.

dpa

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