Testament: Das müssen Sie wissen

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"Mein Auto bekommt Heinz ...": Nach der Erbrechtsreform gilt es bei der Erstellung eines Testamentes einiges zu Beachten.

Die gesellschaftliche Realität hatte der Gesetzgeber im Auge, als er ein neues Erbrecht auf den Weg brachte. Vieles ist neu – Enterben wird leichter, pflegende Angehörige bekommen mehr.

Viele blicken jetzt gar nicht mehr durch. Und im Computerzeitalter ist der Rechtsrahmen für den Letzten Willen immer noch nicht angekommen.

Wer ein Testament braucht

Nicht jeder muss ein Testament aufsetzen. Das Erbe wird auch ohne Testament verteilt. „Ein Testament macht nur dann Sinn, wenn einem die gesetzliche Erbfolge nicht gefällt“, erklärt der Rechtsanwalt Finn Zwißler aus München. Man sollte daher erst überlegen, wer überhaupt Erbe ist. Denn Sohn oder Tochter erben ohnehin. Wenn es keine Kinder gibt, bekommen auch die Geschwister etwas. War der Verstorbene ein Einzelkind, sind Cousin und Cousine an der Reihe.

Letzter Wille: Nur Handschrift zählt

Wer sein Testament mit dem Computer schreibt, hätte sich die Mühe sparen können. „Der Kardinalfehler ist, dass Leute das Testament am Computer schreiben“, sagt Rechtsanwalt Zwißler. Denn ein Testament muss mit der Hand geschrieben und unterschrieben oder notariell beglaubigt sein. Maschinengeschriebene Testamente sind ungültig. „Das lausigste Testament auf einem Bierdeckel oder einem Butterbrotpapier ist mehr wert als ein ausgedrucktes Testament auf Büttenpapier“, fügt Zwißler hinzu. Dennoch sollte man ordentliches Papier nehmen. Denn sonst stelle sich den Juristen die Frage, ob das Testament überhaupt ernst gemeint ist.

Höhere Freibeträge für Kinder und Enkel

Um die Erbschaftsteuer zu sparen, haben Eltern ihren Kindern oder Enkeln bislang häufig noch zu Lebzeiten Vermögen übertragen. Das ist oft nicht mehr nötig. Sowohl für Kinder als auch für die Enkel wurden die Freibeträge deutlich angehoben, erklärt das Deutsche Forum für Erbrecht in München. Bisher hatten bei der vorweggenommenen Erbfolge viele Eltern auch Angst vor hohen Schenkungssteuern. Diese Sorge war in vielen Fällen berechtigt: Bei der Schenkung eines Hauses, bei dem die Eltern sich die Nutzung vorbehalten haben, konnte dieser sogenannte Nießbrauch nicht vom Wert des Hauses abgezogen werden. Mit der vergangenen Erbschaftsteuerreform ist das mittlerweile vom Tisch. Nun kann der Wert des Nießbrauchs nach Angaben des Forums für Erbrecht voll vom Wert des geschenkten Gegenstandes abgezogen werden.

Enterben: Krach mit Kindern reicht nicht

Es ist zwar schmerzlich für Vater oder Mutter, wenn sich das Kind seit Jahrzehnten nicht mehr meldet: Enterben kann man es deswegen noch lange nicht, erklärt Jan Bittler von der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge in Angelbachtal bei Heidelberg. Und auch wer denkt, dass der unsittliche Lebenswandel des Kindes ein Grund zum Enterben ist, irrt. Das sei früher einmal so gewesen. Heute muss das Kind mindestens zu einem Jahr Gefängnis ohne Bewährung verurteilt worden sein, ehe Eltern ihm das Erbe entziehen können. Zugleich gilt aber auch, dass sich das Fehlverhalten des Pflichtteilsberechtigten nicht wie bisher nur gegen den Verstorbenen, seinen Ehepartner oder seine Abkömmlinge gerichtet haben muss. Auch eine dem Erblasser ähnlich nahestehende Person kommt als Opfer infrage. Das gilt etwa für einen Lebensgefährten. „Der beste Schulfreund reicht hingegen nicht aus“, fügt Zwißler hinzu.

Wo das Testament am sichersten liegt

Bei der Suche nach dem richtigen Aufbewahrungsort für das Testament können einige Fehler passieren. „Es ist schlecht, wenn man es so aufbewahrt, dass es keiner mehr findet“, sagt Bittler. Zugleich sollte man es aber auch nicht so aufbewahren, dass es jemand findet, dem es nicht gefällt und der es dann vernichtet. „Am besten gibt man es dem, der am meisten davon begünstigt wird.“ Ein guter Aufbewahrungsort ist auch das Nachlassgericht. Das kostet zwar eine einmalige Gebühr. Doch dort ist das Testament auch sicher.

Erleichterung bei Stundung

„Es ist kaum zu glauben, wie selten von diesem Mittel in der Praxis Gebrauch gemacht wird. Es ist einfach nicht bekannt“, sagt Klaus Michael Groll vom Erbrechtsforum. Der Erbe, der den Pflichtteil an andere Erben auszahlen muss, muss nicht alles auf einmal zahlen. Denn das könnte ihn in große Liquiditätsprobleme bringen – etwa wenn das Erbe eine Immobilie oder ein Unternehmen ist. Entspannung schafft eine Stundung. Früher konnte die nur ein Erbe erreichen, der selbst Pflichtteilsberechtigter ist. Heute kann das jeder Erbe.

Pflegeleistung: Nicht alle profitieren

Der Neffe reibt sich schon die Hände und erwartet eine Sonderzahlung aus dem Erbe seines Onkels. Diesen hat er schließlich einige Monate vor seinem Tod gepflegt. Doch hat der Onkel den Neffen nicht im Testament erwähnt, geht er zumindest bei der Zugabe zum Erbe leer aus. Denn nur sogenannte Abkömmlinge erben zusätzlich etwas, wenn sie den Erblasser vor seinem Tod gepflegt haben, erklärt Bittler. Neu ist, dass die Pflegeleistung auch dann anerkannt wird, wenn der Pflegende seinen Beruf nicht aufgegeben hat.

BERIT SCHMIDT

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