Deutliche Worte

Kardinal Woelki nennt Immobilienspekulation „menschenverachtend“

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Kardinal Rainer Maria Woelki.

In ihren Weihnachtspredigten fordern die deutschen Bischöfe mehr Solidarität in der Gesellschaft. Der Kölner Kardinal Woelki wird konkret: Für ihn ist es zynisch, wenn sich Krankenschwestern oder Busfahrer Wohnungen kaum noch leisten können.

Berlin - In ihren Weihnachtspredigten haben die deutschen Bischöfe zu Solidarität und Nächstenliebe aufgerufen. Der Kölner Kardinal Rainer Woelki übte scharfe Kritik an Immobilienspekulanten und verlangte mehr bezahlbaren Wohnraum.

„Mehr und mehr Menschen können sich Wohnen in unserem an sich wohlhabenden Land nicht mehr leisten, weil Wohnungen nicht selten ausschließlich zu Renditeobjekten geworden sind und so preiswerter, bezahlbarer Wohnraum fehlt“, kritisierte der Katholik in seiner Predigt am ersten Weihnachtstag im Kölner Dom.

„Das ist zynisch, im letzten sogar menschenverachtend! Wie soll denn ein Gemeinwesen, wie eine Stadt funktionieren, wenn sich Durchschnittsverdiener wie eine Krankenschwester, wie der Mann von der Müllabfuhr, der Busfahrer oder der Polizist „Wohnen“ nicht mehr leisten können?“ Dies sei „ein ganz dunkles Kapitel“ der aktuellen gesellschaftlichen Wirklichkeit, kritisierte Woelki.

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Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte in seiner Weihnachtspredigt in München, das christliche Hochfest gebe eine Antwort auf die Frage, was diese Gesellschaft zusammenhalte. „Wenn ich glaube, dass Gott in Jesus der Bruder aller geworden ist, stärkt das meine Verbundenheit und Offenheit, meine Bereitschaft zur Solidarität und zum Miteinander.“

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, sieht in der Weihnachtsfreude ein wirksames Mittel auch gegen Fremdenfeindlichkeit. In seiner Weihnachtsbotschaft erklärte der bayerische Landesbischof: „Gott wird Mensch. Er wird nicht zuerst Deutscher, Amerikaner, Russe oder Chinese. (...) Die Weihnachtsfreude in so vielen Ländern der Erde, die von dieser Revolution der Menschenliebe zeugt, ist die stärkste Medizin gegen den Virus des Nationalismus, der Fremdenfeindlichkeit und des religiösen Fanatismus, mit dem wir es gegenwärtig zu tun haben.“

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann forderte einen Perspektivwechsel. Statt in geschlossenen Zirkeln und eigenen Echokammern zu bleiben, sollten die Sichtweisen und Empfindungen des Anderen einbezogen werden. „Erst dann wird es einen wirklichen Dialog und einen gemeinsamen Fortschritt geben.“ Das gelte im Privatleben genauso wie in der Politik. Mit Blick auf die Flüchtlinge in Deutschland sollten die Menschen sich fragen, ob sie bereit seien, sich auf die Gefühle von Menschen auf der Flucht einzulassen. Auf der anderen Seite sollten sie sich fragen, ob sie die Sorgen derjenigen hörten, die sich mit der Aufnahme von Flüchtigen schwer täten.

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf rief die Gläubigen dazu auf, die Augen nicht davor zu verschließen, dass auch Tod und Hass die Welt prägten. Das zeigten Bilder aus der ganzen Welt - aber auch ein aufmerksamer Gang durch die Städte. Diese Realität solle nicht ausgeblendet werden. „Vielmehr möchte die Feier von Weihnachten auslösen, dass ich wachsamer, aufmerksamer, sensibler und barmherziger werde.“

Der katholische Bischof Gebhard Fürst forderte in seiner Predigt die Einführung eines Antisemitismusbeauftragten des Bundes. Fürst warnte bei einer Weihnachtsmesse im Rottenburger Dom vor „wachsenden Ressentiments gegenüber jüdischen Mitbürgern“. Diese seien auch unter den nach Deutschland geflüchteten Migranten zu finden. „Wir müssen diese Entwicklung genau im Blick haben und einschreiten, bevor die Würde von Menschen verletzt wird und ihr Leben vielleicht sogar in Gefahr gerät“, mahnte der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Für einen Antisemitusbeauftragten hatte sich vor kurzem auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ausgesprochen.

dpa

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