„Das Gegenteil von Globalisierung“

Weltwirtschaftsforum in Davos: Trudeau kritisiert Trump

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Kanadas Regierungschef Justin Trudeau auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau hat beim Weltwirtschaftsforum in Davos die protektionistische Politik von US-Präsident Donald Trump kritisiert und die Vorzüge des freien Welthandels gerühmt.

Davos - Trudeau begrüßte am Dienstag den am selben Tag in Tokio erzielten Abschluss eines neuen Freihandelsabkommens für den Pazifikraum. Zuvor hatte bereits der indische Regierungschef Narendra Modi indirekt Kritik an Trumps Kurs der wirtschaftlichen Abschottung geübt.

Ohne Trump namentlich zu nennen, sagte Trudeau, die Einigung auf eine neue "Umfassende, Progressive Transpazifische Partnerschaft" (CPTPP) gehe in die richtige Richtung. Zugleich bedauerte er die derzeit verbreitete "große Skepsis" hinsichtlich des freien Welthandels.

Die USA sind an der CPTPP-Vereinbarung nicht beteiligt. Trump hatte das von seinem Vorgänger Barack Obama vorangetriebene Abkommen für eine Transpazifische Partnerschaft (TPP) nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt aufgekündigt. Dem neuen Abkommen gehören außer Kanada, das zunächst Vorbehalte hatte, zehn Staaten an: Australien, Brunei, Chile, Japan, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur und Vietnam.

„Das Gegenteil von Globalisierung“

Auch Modi bezog Stellung gegen die "Amerika zuerst"-Politik von Trump. "Die Kräfte des Protektionismus heben das Haupt" gegen die Globalisierung, warnte er in dem Skiort in den Schweizer Alpen. "Es fühlt sich so an, als ob gerade das Gegenteil von Globalisierung passiert", sagte Modi in seiner Rede zur Eröffnung der viertägigen Konferenz.

Die negativen Folgen dieser Entwicklung seien "nicht weniger gefährlich als der Klimawandel oder der Terrorismus". Isolationismus und Handelsbeschränkungen seien aber keine Lösung für die "Besorgnis erregende Lage", sagte der indische Premierminister. Die Lösung sei, "den Wandel zu verstehen und anzunehmen, und lebendige und flexible Strategien für die veränderten Zeiten zu entwickeln".

Indien gehe mit der Förderung ausländischer Investitionen und neuer Technologien mit guten Beispiel voran, sagte Modi. Schon Staatsgründer Mahatma Gandhi habe gesagt, dass er kein Haus mit verschlossenen Türen und Fenstern wolle. "Ich will, dass die Winde der Kulturen aller Länder durch mein Haus wehen", zitierte ihn Modi. "Ich werde aber nicht akzeptieren, dass diese Winde meine Füße entwurzeln".

Trumps Handelspolitik steht im Kontrast zu Kurs der Globalisierung

Modis Worte erinnerten stark an eine Rede des chinesischen Präsidenten Xi Jinping, die dieser vor einem Jahr in Davos gehalten hatte - wenige Tage vor Trumps Amtsantritt als US-Präsident. Xi hatte das Streben nach Protektionismus damit verglichen, "sich in einem dunklen Raum einzuschließen". "Wind und Regen bleiben vielleicht draußen, Licht und Luft aber auch", sagte Xi damals.

Trump will nach eigenen Angaben durch die Globalisierung verloren gegangene Industriejobs zurückholen. Erst am Montag verhängte seine Regierung hohe Zölle auf den Import von Solarmodulen und Waschmaschinen und löste empörte Reaktionen in China und Südkorea aus.

Trumps protektionistische Handelspolitik steht im Kontrast zu dem von vielen Davos-Teilnehmern favorisierten Kurs der Globalisierung und des Freihandels. Trotzdem reist Trump in diesem Jahr nach Davos - als erster US-Präsident seit Bill Clinton im Jahr 2000. Seine Rede am Freitag, dem letzten Tag des Weltwirtschaftsforums, wird mit Spannung erwartet.

Zum Weltwirtschaftsforum haben sich in diesem Jahr 3000 Teilnehmer angemeldet, darunter 70 Staats- und Regierungschefs und rund 1900 Konzernchefs. Aus Europa reisen unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron an, die beide am Mittwoch eine Rede halten werden. 

In Zürich hatten zuletzt 1000 Demonstranten gegen das Weltwirtschaftsforum mobil gemacht.

AfP

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