Inflation im Einkaufswagen

Berlin - Autofahrer klagen seit längerem über teuren Sprit - doch nicht nur beim Tanken macht sich die Inflation bemerkbar: Auch im Supermarkt steigen die Preise für einige Lebensmittel rasant.

Wer einen Fernseher kaufen möchte oder ein Notebook, hat zur Zeit gute Karten: Die Preise purzeln seit Jahren unaufhörlich. Autofahrer hingegen ärgern sich schwarz: Im vergangenen Jahr sind die Spritpreise kräftig gestiegen. Auch im Supermarkt trifft die Inflation manch einen Verbraucher hart: Die Preise von Butter, Kartoffeln oder Bohnenkaffee sind binnen Jahresfrist geradezu explodiert. Noch tiefer in die Tasche greifen müssen Weißkohlliebhaber: Das Gemüse kostet ein Drittel mehr als vor einem Jahr.

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Unter dem Strich liegen die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten im April 2011 um 2,4 Prozent über denen vom April 2010 - die höchste Teuerungsrate seit Herbst 2008, wie das Statistische Bundesamt vorrechnet. Was alarmierend klingt, wirkt sich auf die Haushalte in Deutschland sehr unterschiedlich aus. Denn es kommt darauf an, welche Güter die Verbraucher konsumieren. Beeinflusst wird die aktuelle Entwicklung vor allem vom starken Anstieg der Rohstoffpreise. Insbesondere beim Spritpreis schlägt die Entwicklung am Rohstoffmarkt voll durch: Ende April war Benzin in Deutschland so teuer wie noch nie.

Im bundesweiten Durchschnitt mussten zeitweise 1,62 Euro für einen Liter Superbenzin gezahlt werden. Hoffnung auf einen Preisrückgang gibt es eher nicht, auch wenn der ADAC den Mineralölkonzernen zugutehält, den zuletzt rückläufigen Ölpreis mit wenigen Tagen Verzögerung an die Autofahrer weitergegeben zu haben. Allerdings sieht die Tankstellenkette Aral wenig Spielraum für Preissenkungen. Denn in Asien werde Öl weiter stark nachgefragt, hinzu komme der Ausfall in Libyen - und die Sorge auf ein Überschwappen in bedeutendere Ölförderländer. Folge: Der Rohölpreis dürfte voraussichtlich noch einige Zeit auf hohem Niveau bleiben.

Das treibt nicht nur die Spritpreise, auch Heizöl ist davon betroffen. Auch Kaffeetrinker müssen tiefer in die Tasche greifen, der Genuss der schwarzen Bohne wird immer kostspieliger: Im April kostete Kaffee satte 18 Prozent mehr als zwölf Monate zuvor. Hintergrund sind die steigenden Importpreise: So mussten Kaffeeröster in Deutschland allein im Februar für die Bohnen aus Übersee 76,2 Prozent mehr zahlen als noch vor einem Jahr. Der Trend zum Preisauftrieb hat nicht erst im April begonnen: Nach zwei Jahren mit geringem Preisauftrieb ging es mit dem Jahreswechsel gerade bei Produkten des täglichen Lebens bergauf. Lebensmittelhersteller hatten schon vor Monaten angekündigt, gestiegene Rohstoffpreise weiterzugeben.

Damit hat zunächst der Handel den Schwarzen Peter. Er steht in harter Konkurrenz und muss sich fragen, ob und in welchem Umfang er höhere Preise wiederum an die Verbraucher weitergibt. Auf dem Speiseplan wurden nicht nur Öl und Kaffee teurer: Auch Weizen, Zucker oder Kakao kostet deutlich mehr als vor einem Jahr. Brände in Russland, Regen in Kanada oder Frost in China sorgten für schlechte Ernten. Daneben spielen aber gerade im Rohstoffgeschäft Spekulanten eine immer größere Rolle. Sie suchen Geldanlagemöglichkeiten und agieren auf diesen Märkten entsprechend. Die Statistiker erfassen aber nicht nur die Waren, die von den Rohstoffmärkten beeinflusst sind.

Zu ihrem fiktiven Warenkorb, der für die Berechnung der Teuerungsrate herangezogen wird, liegen rund 700 Güter. Auch Miete, Kleidung oder Versicherungen werden dabei erfasst. Für jede Ware beobachten die Fachleute die Preisentwicklung und bilden einen gewichteten Mittelwert. Damit erklärt sich auch, warum Verbraucher sich beim Einkaufen oder an der Tankstelle zwar mitunter die Augen reiben - die amtliche Berechnung aber “nur“ auf einen Preisauftrieb in kleineren Dimensionen kommt. Eines steht jedoch fest: Ärmere geben einen größeren Teil ihres Geldes für den Konsum aus. Ein steiler Anstieg von Energie- und Nahrungspreisen trifft Niedrigverdiener deshalb besonders stark.

dpa

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