EZB verspricht „anspruchsvollen“ Stresstest

Frankfurt/Main - Nachvollziehbar, transparent und nah an der Realität soll er sein, der anstehende Stresstest für die größten europäischen Banken. Das versichert die EZB, die die Geldhäuser bald überwachen wird.

Die Europäische Zentralbank plant in ihrem Stresstest keine strengeren Vorgaben als die europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA. Die EZB kündigte am Montag in Frankfurt an, sich bei ihrer Überprüfung der 128 größten Banken der Eurozone den Vorgaben der für alle Banken in der EU zuständigen EBA anzuschließen. Die Kreditinstitute müssen in dem im Laufe dieses Jahres geplanten Krisentest unter Beweis stellen, dass sie auch bei einem Wirtschaftseinbruch und einem Verfall der Immobilienpreise genügend Geldreserven haben.

Die harte Kernkapitalquote soll dabei nicht unter 5,5 Prozent fallen dürfen. Ursprünglich hatte die EZB dem Vernehmen nach eine strengere Vorgabe von 6 Prozent in Erwägung gezogen, konnte sich damit aber offenbar nicht bei der EBA durchsetzen. Dennoch versprach EZB-Vize Vitor Constancio einen „anspruchsvollen“ Test. So würden alle Staatsanleihen in den Bilanzen der Banken unter Druck gesetzt. Die Stressszenarien will die EZB Ende April an die Banken schicken.

Constancio sicherte volle Transparenz über die Ergebnisse zu. „Wir werden den Ruf der EZB nicht in Gefahr bringen“, sagte der Notenbanker. Er reagierte damit auf Sorgen, dass kritische Ergebnisse der Bankenüberprüfung unter dem Deckel gehalten werden könnten, um möglichen Bedarf an neuen Staatshilfen für Banken zu kaschieren.

Für den Fall, dass eine Bank aus eigener Kraft aufgedeckte Kapitallücken nicht schließen kann, sei gesorgt. „Es gibt ein ausreichendes Sicherheitsnetz“, sagte Constancio. Da seien an erster Stelle die Märkte, an denen sich die Institute frisches Geld besorgen könnten. In zweiter Reihe stünden die Heimatstaaten der Banken bereit. Sollten diese von neuen Hilfen für Banken überfordert werden, solle der europäische Rettungsfonds ESM einspringen.

Ziel der EZB-Überprüfung ist es, das Vertrauen in die Stabilität der Banken zu stärken. Der Stresstest schließt die laufende dreistufige Überprüfung der 128 größten Banken der Eurozone ab. Mit dem Fitnesscheck will die EZB Risiken in den Bilanzen aufspüren, ehe sie Ende dieses Jahres die zentrale Aufsicht über die Geldhäuser übernimmt.

Die ersten Teile der EZB-Überprüfung sind bereits angelaufen und erste Daten eingesammelt. Noch im ersten Quartal will die EZB bekannt geben, wie sie die aktuellen Bilanzen prüft. Dabei steht inzwischen fest, wie sie faule Kredite definieren wird: Demnach sollen alle Kredite, die 90 Tage lang nicht bedient wurden, als notleidend eingestuft werden. Sollten die Banken dafür keine Vorsorge getroffen haben, drohen ihnen schon an dieser Stelle neue Kapitallücken. Davon soll die Öffentlichkeit aber erst am Ende der gesamten Überprüfung erfahren - Zwischenergebnisse sind nicht geplant, um die Märkte nicht vorher in Unruhe zu versetzen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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