EZB hält Geldschleusen offen

Draghi: Sehe wenig Chancen für Zinserhöhung in diesem Jahr

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Europas oberste Währungshüter haben sich zu ihrer turnusmäßigen Sitzung getroffen. Den Leitzins beließen sie auf dem Rekordtief von null Prozent. Foto: Arne Dedert

Die EZB dämpft Hoffnungen auf ein baldiges Ende ihrer ultralockeren Geldpolitik. Die Inflation kommt nach wie vor nicht richtig in Schwung. Hinzu kommt der stärkere Euro.

Frankfurt/Main (dpa) - Europas Währungshüter spannen Anleger und Sparer weiter auf die Folter. Die Europäische Zentralbank (EZB) belässt den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von null Prozent, wie die Notenbank in Frankfurt im Anschluss an die Zinssitzung des EZB-Rates mitteilte.

"Auf Basis der heutigen Daten und Analysen sehe ich sehr wenig Chancen, dass die Zinsen in diesem Jahr steigen könnten", dämpfte EZB-Präsident Mario Draghi Hoffnungen von Sparern.

Die Währungshüter gaben auch keinen Hinweis auf eine Straffung ihrer ultralockeren Geldpolitik. Zuletzt war spekuliert worden, die Notenbank könnte die Wortwahl zum künftigen Kurs ändern oder gar das Ende der milliardenschweren Anleihenkäufe andeuten. Die Diskussion über die Wortwahl habe im EZB-Rat noch nicht begonnen, sagte Draghi.

Ökonom Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) kritisierte, die EZB gebe den Märkten nicht genügend Orientierung zum Ende der Anleihenkäufe: "Die Kluft zwischen der guten wirtschaftlichen Lage der Eurozone und der immer noch sehr vorsichtigen Tonlage der EZB wächst." Der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes BdB, Christian Ossig, sprach von einer vertanen Chance, "ein neues Signal in Richtung einer geldpolitischen Normalisierung zu senden". Volkswirte rechnen nun bei der nächsten Sitzung im März mit Hinweisen auf den weiteren Kurs.

Im Oktober hatten Europas Währungshüter ihre milliardenschweren Käufe von Staats- und Unternehmensanleihen um neun Monate bis mindestens Ende September 2018 verlängert, das monatliche Volumen von Januar an aber auf 30 Milliarden Euro halbiert. Beobachter werteten dies als erstes Anzeichen für einen Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik. Die Notenbank hält sich aber die Option offen, das Programm auszuweiten, sollten sich die Rahmenbedingungen verschlechtern.

Den Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld leihen können, will die EZB erst anheben, wenn die Anleihekäufe beendet sind. Geschäftsbanken, die Geld bei der Notenbank parken, müssen weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen.

Mit der vor allem in Deutschland umstrittenen ultralockeren Geldpolitik versucht die Notenbank seit Jahren, Konjunktur und Inflation anzuschieben. Mittelfristig strebt die EZB eine jährliche Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an - weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben - das könnte die Konjunktur abwürgen.

Obwohl die Wirtschaft im Euroraum inzwischen robust wächst, hinkt die Inflation hinterher. Im Dezember waren die Verbraucherpreise im gemeinsamen Währungsraum im Jahresvergleich um 1,4 Prozent gestiegen. Im November waren es noch 1,5 Prozent. Ein beträchtliches Maß an Unterstützung durch die Geldpolitik sei weiter erforderlich, sagte Draghi. "Können wir den Sieg erklären? Die Antwort ist klar: Nein, noch nicht."

Sorgen bereitet den Währungshütern dabei auch der stärkere Euro. Dadurch werden Importe aus anderen Währungsräumen billiger, das dämpft die Inflation. "Die derzeitige Wechselkursvolatilität stellt eine Unsicherheitsquelle dar, die eine genaue Beobachtung erfordert", sagte der EZB-Präsident. Der Euro ist derzeit so stark wie seit gut drei Jahren nicht mehr.

EZB-Kaufprogramme

Zeitreihe Leitzinsen der EZB

Statistisches Bundesamt zu Inflation

Eurostat zu Inflation

Ratsentscheidung vom 26.10.2017

Ratsentscheidung vom 25.1.2018

Eingangsstatement Draghi vom 25.1.2018

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