Erst Liebe, dann Macht: Frauen an der Spitze

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Ursula Piëch und ihr Ehemann, VW-Patriarch Ferdinand.

Berlin - Sie haben bei milliardenschweren Konzernen das Sagen: Der Aufstieg von Liz Mohn, Friede Springer und Maria-Elisabeth Schaeffler hat viele Parallelen - nun tritt Ursula Piëch in ihre Fußstapfen.

Eine Quote brauchten sie nicht. Am Beginn stand eine Liebesgeschichte, die am Ende Frauen wie Liz Mohn und Friede Springer in entscheidende Positionen mächtiger Konzerne brachte. Deren Männer waren einst visionäre Unternehmer, die Witwen setzen ihr Erbe fort. In der Familie Piëch bahnt sich nun ein ähnlicher Weg an: Ursula Piëch, Ehefrau des VW-Patriarchen Ferdinand, soll in den Aufsichtsrat des Autobauers gewählt werden - bei Volkswagen gilt sie schon längst als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten.

Die Geschäfte der Konzerne führen zwar Manager, doch die Powerfrauen haben entscheidende Positionen inne. So steht zum Beispiel bei Bertelsmann Vorstandschef Thomas Rabe an der Unternehmensspitze. Liz Mohn gilt jedoch als die einflussreiche Matriarchin des Medienriesen mit rund 100 000 Mitarbeitern. Sie ist das Machtzentrum einer komplizierten Konstruktion: Sie ist die Stimme der Gründerfamilie in der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft, obwohl sie sich in der Öffentlichkeit nie zum Tagesgeschäft äußert. Rabe ist der Konzernstratege, doch wichtige Personalentscheidungen gegen den Willen von Liz Mohn gelten als undenkbar.

Bei allen unterschiedlichen Lebenswegen dieser Frauen gibt es viele Parallelen: Die Männer - Bertelsmann-Chef Reinhard Mohn, Verleger Axel Springer und Firmengründer Georg Schaeffler - waren deutlich älter, dies gilt auch für Ferdinand Piëch. Für Mohn, Springer und Piëch war es zudem nicht die erste Ehe.

Wer ist im DAX?

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Liz Mohn (70), Friede Springer (69) und auch Ursula Piëch (55) war ihr Aufstieg nicht in die Wiege gelegt: Liz Mohn lernte ihren Mann als Bertelsmann-Telefonistin auf einem Betriebsfest kennen. Friede Springer, Tochter eines Gärtnermeisters, gelangte über eine Zeitungsanzeige als Kindermädchen in den Haushalt von Axel Springer, der sich in sie verliebte. Die Chefin des gleichnamigen fränkischen Autozulieferers, Maria-Elisabeth Schaeffler (70), lernte ihren Mann als junge Medizinstudentin kennen.

Ursula Piëch wiederum, die seit 1984 mit Ferdinand Piëch verheiratet ist, leitete einst einen Kindergarten und war dann Kindermädchen bei den Piëchs - sie meldete sich auf ein Inserat. In seiner Autobiographie beschreibt der Porsche-Enkel in seiner unnachahmlichen Art eine Szene, wie seine spätere Frau bei einer Autofahrt den Motor abwürgte. Ferdinands Reaktion: “Da hatte ich schon so irgendein Gefühl.“

Starke Stellung von Frau Piëch

Künftig also werden Ursula und Ferdinand Piëch gemeinsam zu den Sitzungen des VW-Aufsichtsrats nach Wolfsburg reisen. Dabei hat die 55-Jährige bereits eine starke Stellung inne: In Stiftungen, auf die Ferdinand Piëch sein Firmenvermögen übertragen hat, ist sie die Stellvertreterin ihres Mannes und beschäftigt sich bereits seit langem mit den unternehmerischen Beteiligungen, zu denen unter anderem Aktien an der Porsche SE, dem Mehrheitsaktionär von Volkswagen, gehören.

Im VW-Konzern weiß man, dass Ursula Piëch nicht unterschätzt werden sollte - auch dies eine Parallele zu den anderen Unternehmer-Gattinnen. Sie habe innerhalb der Familien Porsche und Piëch, die bei der Übernahmeschlacht zwischen Porsche und VW im Clinch lagen, eine vermittelnde Rolle eingenommen, heißt es bei Insidern. Auch bei wichtigen Entscheidungen zum Beispiel über neue Modelle spreche die eloquente Blondine ein Wörtchen mit.

dpa

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