Um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr

Wegen Corona-Krise: Massiver Einbruch deutscher Exporte im Mai - Verband: Pandemie ist „nach wie vor allgegenwärtig“

Exporte aus Deutschland, wie hier zum Beispiel vom Hamburger Hafen, waren auch im Mai wegen der Corona-Krise vergleichsweise niedrig.
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Exporte aus Deutschland, wie hier zum Beispiel vom Hamburger Hafen, waren auch im Mai wegen der Corona-Krise vergleichsweise niedrig.

Der deutsche Export ging wegen der Corona-Krise im April drastisch zurück. Und auch im Mai ist ein massiver Einbruch der Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahresmonat erkennbar. Wirtschaftsverbände reagieren besorgt.

  • Die Corona*-Krise wirkt sich auch im Mai wieder fatal auf die Wirtschaft in Deutschland aus.
  • Im Vergleich zum Vorjahresmonat sind die deutschen Exporte um fast 30 Prozent eingebrochen.
  • Und Experten prognostizieren keine rasche Erholung. 

Berlin - Die Corona-Krise hat den deutschen Außenhandel auch im Mai wieder schwer getroffen: Im Vorjahresvergleich brachen die Ausfuhren um fast 30 Prozent ein. Angesichts dieser Zahlen mahnte der Bundesverband der Deutschen Industrie, dass die Krise „bei Weitem nicht überwunden“ sei. Immerhin: Gegenüber dem Vormonat April haben sich die Exportzahlen verbessert. Waren im Wert von 80,3 Milliarden Euro wurden im Mai von Deutschland aus exportiert, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag auf Grundlage vorläufiger Daten mit. Damit lagen die A usfuhren um 29,7 Prozent niedriger als im Mai 2019. Zugleich wuchsen die Exporte kalender- und saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat April 2020 um neun Prozent.

Corona-Krise: Importe mehr als 20 Prozent geringer als noch im Mai 2019

Mit einem Gesamtwert von 73,2 Milliarden Euro lagen die Importe um 21,7 Prozent niedriger als im Mai 2019. Im Vergleich zum Vormonat legten sie um 3,5 Prozent zu. Gegenüber Februar 2020 - dem Monat vor dem Beginn der coronabedingten Einschränkungen - nahmen die Exporte im Mai kalender- und saisonbereinigt um 26,8 Prozent und die Importe um 18,2 Prozent ab. Einen besonders deutlichen Rückgang gab es im Mai bei den Exporten in die EU-Staaten. Diese sanken im Vorjahresvergleich zum Vorjahresmonat um 29,0 Prozent. In die Staaten außerhalb der EU stand gegenüber dem Mai 2019 ein Exportminus von 30,5 Prozent.

Je nach Handelspartner gab es bei den Exporten im Vorjahresvergleich unterschiedlich starke Beeinträchtigungen: Während dieExporte nach China im Mai nach Angaben der Statistiker „vergleichsweise moderat“ um 12,3 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro zurückgingen, nahmen die Ausfuhren in die von der Corona-Pandemie besonders betroffenen USA um 36,5 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro ab. Ein besonders starker Rückgang wurde demnach mit einem Minus von 46,9 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro bei den Exporten nach Großbritannien verzeichnet. Im April waren die deutschen Exporte wegen der Corona-Pandemie so stark zurückgegangenen wie noch nie seit Beginn der Außenhandelsstatistik im Jahr 1950. Die Ausfuhren lagen dabei um 31,1 Prozent niedriger als im April 2019.

Corona-Krise: DIHK-Chef spricht von einem „katastrophalen Aprilwert“

Trotz des leichten Aufwärtstrends im Mai reagierten Wirtschaftsverbände besorgt auf die neuen Zahlen der Statistiker. „Der leichte Exportanstieg im Mai gegenüber dem katastrophalen Aprilwert lässt die deutschen Exporteure noch lange nicht aufatmen“, erklärte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. „Die weltweiten Auswirkungen des Coronavirus bleiben für sie eine Herausforderung historischen Ausmaßes.“ Im Mai hätten „vor allem die Grenzschließungen und Reiseeinschränkungen das Exportgeschäft vielerorts zum Erliegen gebracht“, erklärte Treier. 

Aktuell suche mehr als ein Drittel der deutschen Unternehmen im Ausland nach neuen Lieferanten. „In den kommenden Monaten werden zudem die weltweit geringere Nachfrage und weniger Investitionen ein weiterer Bremsklotz für die hiesigen Exporteure sein“, fügte Treier hinzu. Der DIHK rechnet in diesem Jahr mit einem Rückgang der deutschen Exporte von mindestens 15 Prozent. „Unsere exportorientierte Wirtschaft muss sich auf schwierige Zeiten einstellen“, mahnte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. Die schwerste Rezession in der Geschichte der EU werde die deutschen Ausfuhren überdurchschnittlich schwer treffen. Die Bundesregierung müsse die EU-Ratspräsidentschaft nun nutzen, „um entschlossen für offene Märkte und gegen Protektionismus einzutreten“, forderte er. 

Übrigens: Weitere Informationen zum Einbruch des deutschen Exporthandels in der Corona-Krise teilt der BDI auch auf seinem Twitter-Kanal.

Außenhandelsverband betont: Corona-Pandemie sei „nach wie vor allgegenwärtig“

Der Außenhandelsverband BGA bezeichnete die Corona-Pandemie als „nach wie vor allgegenwärtig, wenn auch nicht mehr so akut wie noch vor wenigen Wochen“. Der Welthandel werde „noch geraume Zeit benötigen, um nach den Grenzschließungen, Störungen in der Logistik und Unterbrechungen in der Lieferkette* das alte Niveau wieder zu erreichen“, erklärte BGA-Vizepräsidentin Ines Kitzing. 

Neben den aktuellen Exportzahlen sind auch die Zahlen am deutschen Arbeitsmarkt besorgniserregend. Trotz Kurzarbeit haben viele Menschen durch die Corona-Krise ihren Job verloren. Und es drohen weitere Stellenstreichungen. 

Doch es gibt zumindest auch eine gute Neuigkeit für den deutschen Exporthandel: Die Bauarbeiten am Brennerbasistunnel zwischen Bayern und Österreich schreiten voran. Kürzlich wurden zwei wichtige Bauabschnitte miteinander verbunden. Dennoch wird sich die Fertigstellung des Tunnels wohl verzögern. (AFP/cia) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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