Bundesregierung verschärft Ton im Streit um Opel-Standorte

+

Berlin - In der Auseinandersetzung um die geplante Schließung des Opel-Werks in Antwerpen verschärft die Bundesregierung den Ton. Indes ist der Betriebsrat besorgt, dass der Magna-Deal platzt.

Lesen Sie dazu:

Forderungen der Arbeitnehmer bremsen Opel-Gespräche

Magna prüft Zukunft von Opel

In dem Entwurf eines Antwortschreibens an die EU-Kommission erklärt sie laut einer Vorabmeldung des “Spiegels“ vom Samstag, dass “nach übereinstimmender Meinung der Standort wirtschaftlich nicht tragfähig ist“.

Derweil äußerte der Opel-Betriebsrat Sorgen, der gesamte Magna-Deal könne noch platzen. Die Kommission hatte der Bundesregierung kritische Fragen wegen Vorwürfen gestellt, Deutschland habe die Stilllegung des Antwerpener Werks zugunsten der deutschen Standorte in Kauf genommen. Der Zulieferer Magna, der Opel übernehmen soll, hatte die Schließung des Antwerpener Werks vorgesehen, erwägt nach Protesten nun aber doch einen Erhalt.

In ihrer Antwort verweise die Bundesregierung darauf, dass neben dem Magna-Konzept auch die Pläne von General Motors und das abgelehnte Angebot des Finanzinvestors RHJI die Schließung von Antwerpen vorgesehen hätten, berichtete das Magazin. Nach den Daten des ursprünglichen Restrukturierungsplans von GM sei “Antwerpen derzeit das Werk mit der geringsten technischen Kapazitätsauslastung aller Opel-Standorte“. Mit 2.818 Dollar lägen die Herstellungskosten pro Fahrzeug dort fast 70 Dollar höher als in Bochum. Daher sei die Aussage, das belgische Werk sei effizienter, “nicht nachzuvollziehen“.

“Extrem negative Auswirkungen“

Zudem entfalle fast ein Viertel des westeuropäischen Absatzes auf Deutschland, dies sei das Fünffache der Verkäufe in Belgien. Die Schließung von “Opels geschichtsträchtigem Werk in Bochum“ könnte zu Absatzeinbrüchen in Deutschland führen und hätte “extrem negative Auswirkungen für das gesamte Unternehmen“. Das entsprechende Risiko sei in Belgien hingegen “sehr limitiert“.

Auch dem Vorwurf, als Gegenleistung für die deutschen Finanzhilfen würden Produktionsanteile vom spanischen Opel-Werk Saragossa an den Standort Eisenach verlegt, tritt die Regierung entgegen. Eine solche Verlegung sei “betriebswirtschaftlich gut nachvollziehbar“. In Spanien seien die Lohnkosten in den letzten Jahren stark gestiegen, ebenso habe der Standort geografische Nachteile. Eisenach liege näher am Kernmarkt Mitteleuropa und den Zukunftsmärkten in Osteuropa. Wörtlich heißt es laut “Spiegel“ in dem Entwurf: “Spanien wird von Automobilexperten nicht mehr als zukunftsträchtiger Produktionsstandort erachtet.“

Magna offenbar besorgt wegen Widerstand Spaniens

Derweil bangt der Opel-Betriebsrat grundsätzlich um den Verkauf an Magna. “Mit der FDP in der Bundesregierung sehe ich die Rettungsbemühungen für Opel als gescheitert an“, sagte der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel der “Automobilwoche“. FDP-Chef Guido Westerwelle hatte erklärt, er wolle die von der schwarz-roten Bundesregierung zugesagten Milliarden-Hilfen für die Übernahme durch Magna überprüfen.

Magna gebe sich dagegen demonstrativ gelassen, heißt es weiter. “Die FDP rudert wieder zurück, dazu ist die Sache schon viel zu weit gediehen. Und Angela Merkel wäre politisch tot, wenn sie bei Opel umfallen würde“, verlautet demnach aus dem Umfeld des Unternehmens. Skeptischer dagegen beurteile der österreichisch-kanadische Konzern den Widerstand Spaniens in der EU gegen die Opel-Hilfen: “Die könnten noch Probleme machen“, hieß es.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare