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Brauer warnen: Bier wird teurer - 7,50 Euro für ein Kneipenbier

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Von: Patricia Huber

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In vielen deutschen Brauereien herrscht immer noch Krisenstimmung – nur die großen Betriebe sind wieder im normalen Geschäft. Für Verbraucher gibt es jedoch weiterhin schlechte Nachrichten.

Berlin – Die Energiekrise und die gestiegenen Rohstoffpreise treffen auch deutsche Brauereien enorm. Nach einer Analyse des Deutschen Brauer-Bundes (DBB) haben sich neben den Kosten für Gas und Strom zuletzt vor allem Braumalz und Verpackungsmaterialien drastisch verteuert. Kohlensäure, deren Preis sich zwischenzeitlich nahezu verdoppelt hatte, war zeitweise überhaupt nicht mehr auf dem Markt verfügbar, sodass 2022 einzelne Betriebe der Getränkeindustrie die Produktion stoppen mussten. Hier hat sich die Lage aber deutlich entspannt.

Bierpreise steigen: Brauereien geben höhere Kosten an Kunden weiter

„Die Inflation setzt die Wirtschaft unter hohen Druck. Wir müssen damit rechnen, dass die Kosten 2023 auf hohem Niveau bleiben und teilweise weiter steigen“, so DBB-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele. Der anhaltend hohe Kostendruck sei die größte Herausforderung für die Brauwirtschaft im neuen Jahr, neben der Aufrechterhaltung einer sicheren und bezahlbaren Energieversorgung. Vor allem stark steigende Kosten für Rohstoffe und Vorprodukte sowie Personal und Logistik belasten die Unternehmen. Dies werde sich auch auf die Preise auswirken, so die Prognose des DBB. Zahlreiche Brauereien in Deutschland stehen vor einem äußerst schwierigen Geschäftsjahr und haben für 2023 bereits Preiserhöhungen angekündigt.

Die deutschen Bierbrauer halten angesichts der stark gestiegenen Produktionskosten sogar schon einen Preis von 7,50 Euro für ein Kneipenbier für möglich. Das passiere dann, „wenn Brauereien und Gastronomen ihre Mehrkosten voll an den Verbraucher weitergeben“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Brauereiverbands Berlin-Brandenburg, Stefan Fritsche, der Bild. Dann „sind wir Ende dieses Jahres bei 7,50 Euro für den halben Liter Bier.“ Die Pinkus Brauerei aus Münster malt hingegen kein ganz so düsteres Bild. Hier wird nur mit einem Euro Aufschlag pro Kasten gerechnet, wie wa.de berichtet.

Doch nicht allen geht es so schlecht. Während besonders die mittelständischen Betriebe ums Überleben kämpfen, feiern die großen Player riesige Gewinne. Der Umsatz der Krombacher-Gruppe stieg 2022 um 8,3 Prozent auf die Rekordhöhe von 892,3 Millionen Euro. Auch die Warsteiner Brauerei hat nach dem Neustart von Gastronomie, Musikfestivals und Schützenfesten deutlich mehr Bier verkauft. Der Absatz der Stammmarke Warsteiner sei 2022 um 9,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Brauereien arbeiten „seit fast drei Jahren im Krisenmodus“

Nach Einschätzung des Deutschen Brauer-Bundes hat sich die Branche in den vergangenen Jahren als äußerst widerstandsfähig erwiesen und sich in den Krisen insgesamt erfolgreich behaupten können. „Viele Brauereien konnten die Erfahrungen aus der Corona-Krise nutzen, auch wenn die Dimensionen heute ungleich größer sind“, so Eichele. „Wir arbeiten seit nunmehr fast drei Jahren in einem permanenten Krisenmodus. Kostensteigerungen und unerwartete Engpässe in den Lieferketten begleiten uns schon seit Beginn der Pandemie. Die völkerrechtswidrige Invasion Russlands in der Ukraine hat die Probleme nochmals verschärft. Heute jedoch ist die Brauwirtschaft deutlich resilienter als früher.“

Für die Monate Januar bis November 2022 liegt die deutsche Brauwirtschaft mit einem Absatz von 81,2 Mio. Hektolitern Bier (ohne alkoholfreie Sorten) bei einem Plus von 3,2 Prozent gegenüber dem Krisenjahr 2021. Dies ist nur auf den ersten Blick ein positives Signal, denn im Vor-Corona-Jahr 2019 hatte der Bierabsatz im Vergleichszeitraum noch bei 85,2 Mio. Hektolitern gelegen. Die Bierabsatzzahlen für das Gesamtjahr 2022 werden vom Statistischen Bundesamt Anfang Februar veröffentlicht. (ph/dpa)

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