Illegale Technik verbaut

Abgas-Skandal: Daimler muss schon wieder Hunderttausende Diesel-Autos zurückrufen

Abgas-Skandal: Daimler muss erneut unzählige Fahrzeuge zurückrufen.
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Abgas-Skandal: Daimler muss erneut unzählige Fahrzeuge zurückrufen.

Zum dritten Mal ordnen die Behörden bei Daimler einen Diesel-Rückruf an. Es geht um Hunderttausende Fahrzeuge, die mit illegaler Technik unterwegs sein sollen.

  • Daimler hat den Abgas-Skandal immer noch nicht ganz aufgearbeitet. 
  • Der Hersteller wird erneut zum Rückruf hundertausender Fahrzeuge aufgefordert.
  • Die Stuttgarter wollen den Bescheid des Kraftfahrt-Bundesamt anfechten.

Update vom 12. Juni 2020: Autobauer Daimler hat den Abgas-Skandal immer noch nicht ganz aufgearbeitet. Der Stuttgarter Hersteller muss wieder unzählige Diesel-Fahrzeuge wegen des Vorwurfs einer illegalen Abgastechnik zurückrufen. 

Rund 170.000 Autos sind betroffen. Es handelt sich um Modelle der A-, B-, C-, E- und S-Klasse von Mercedes Benz mit der Abgasnorm fünf. 60.000 der Wägen seien in Deutschland, erläuterte ein Sprecher. Der Rückrufbescheid des Kraftfahrt-Bundesamt vom vergangenen Jahr (s. unten) wurde um weitere Baureihen ergänzt. Seit 2014 würden die betroffenen Baureihen nicht mehr produziert.

Daimler betonte, man kooperiere weiterhin mit den Behörden, werde aber auch gegen diesen Ergänzungsbescheid Widerspruch einlegen. Das Kraftfahrt-Bundesamt stuft die in den Fahrzeugen verwendete Technik als illegale Abschalteinrichtung ein. Daimler hält sie für zulässig.

Abgas-Skandal: Daimler wehrt sich gegen Erweiterung des Rückrufbescheids

Der Konzern hatte schon nach dem GLK-Rückruf vor einem Jahr betont, dass die beanstandete Technik noch in vielen weiteren Modellen stecke, die untersucht würden, und daher weitere Rückrufe zu erwarten seien. Es gehe daher auch jetzt um keinen neuen Sachverhalt. Mit einer zusätzlichen Belastung des Ergebnisses in der Bilanz durch die weiteren Rückrufe rechne man ebenfalls nicht.

Mit dem nun erweiterten Bescheid wächst die Zahl der Autos und Vans, die Daimler wegen des Vorwurfs einer illegalen Abschalteinrichtung zurückrufen musste oder muss, nach Konzernangaben auf mehr als 1,4 Millionen, davon etwa 580 000 in Deutschland.

Im Rahmen des Konjunktur-Programms kommt auf die Liebhaber großer Autos noch eine unschöne Neuerung zu. Die Kfz-Steuer soll sich schon 2021 ändern und SUV-Fahrer zur Kasse gebeten werden.

Abgas-Skandal: Daimler muss schon wieder Hunderttausende Diesel-Autos zurückrufen

Erstmeldung vom 11. Oktober 2019: Stuttgart - Der Autobauer Daimler hat nach Ansicht der Behörden in Hunderttausenden weiteren Diesel-Fahrzeugen eine unzulässige Abgastechnik verwendet. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) erließ einen entsprechenden Rückrufbescheid, wie Daimler am Freitagabend mitteilte. Betroffen ist den Angaben zufolge wohl eine mittlere sechsstellige Zahl an Mercedes-Benz-Fahrzeugen in Europa, die mit dem schon etwas älteren Euro-5-Dieselmotor mit der Bezeichnung OM651 unterwegs sind. Daimler will gegen diesen Rückrufbescheid Widerspruch einlegen. Der Konzern ist der Auffassung, dass seine Abgastechnik rechtlich in Ordnung ist.

Eine genaue Zahl der betroffenen Fahrzeuge wurde nicht genannt. Der Motor steckt aber in einer ganzen Reihe von Mercedes-Fahrzeugen quer durch die Modellpalette. Es handelt sich aber auch um ein älteres Modell, das in aktuellen Baureihen nicht mehr zum Einsatz kommt. „Die Produktion der Fahrzeuge ist spätestens im Juni 2016 ausgelaufen“, betonte Daimler.

Das KBA hatte dem Autobauer schon 2018 auferlegt, gut 680 000 Diesel-Fahrzeuge zurückzurufen, im Juni dieses Jahres kamen dann noch einmal rund 60.000 Geländewagen vom Typ Mercedes-Benz GLK dazu. Nach Ansicht der Behörden ist darin eine unzulässige Abschalteinrichtung bei der Abgasreinigung im Einsatz. Daimler sieht das anders und hat auch gegen diese Bescheide Widerspruch eingelegt.

Daimler-Rückruf: Auch 260.000 Sprinter betroffen

Zu den jetzt betroffenen Fahrzeugen gehören rund 260.000 Transporter des Modells Sprinter. Dass das KBA sie im Visier hat, war erst am vergangenen Wochenende bekanntgeworden.

Daimler hatte allerdings betont, dass es sich um keinen neuen oder überraschenden Fund handele. Im Zusammenhang mit der Anordnung zum GLK habe Daimler „bereits darüber informiert, dass die beanstandete Funktionalität in verschiedenen Baureihen enthalten ist und eine Prüfung angekündigt“, hatte ein Sprecher betont. Daimler selbst habe die Funktionsweise der Abgasreinigung dem KBA bereits im Mai 2018 vorgestellt „und sie anschließend seit Sommer 2018 in weiteren Besprechungen eingehend erläutert“.

Unterdessen bereitet der Elektrotransporter Streetscooter der Deutschen Post erneut Probleme.

„Weit fortgeschritten, aber noch nicht abgeschlossen“

Unabhängig von den Widersprüchen kooperiere man auch in diesem Fall mit den Behörden, hieß es am Freitag. Bedeutet: Daimler wird die Rückrufe umsetzen und betroffene Kunden informieren, bleibt aber bei seiner Sichtweise. „Der Klärungsprozess mit dem KBA im Hinblick auf Funktionalitäten der Motorsteuerung bei Diesel-Fahrzeugen von Mercedes-Benz ist aus Sicht des Unternehmens weit fortgeschritten, aber noch nicht abgeschlossen“, hieß es. Es sei daher nicht ausgeschlossen, dass das KBA weitere Anordnungen erlassen werde.

Auf das Geschäftsergebnis werde sich der neue Rückruf nicht auswirken, betonte der Konzern. Daimler hatte auch wegen hoher Rückstellungen für die Diesel-Rückrufe im zweiten Quartal einen Verlust verbucht.

Im September verhängte die Staatsanwaltschaft zudem ein Bußgeld in Höhe von 870 Millionen Euro gegen Daimler. Grund war eine fahrlässige Verletzung der Aufsichtspflicht in einer mit der Fahrzeugzertifizierung befassten Abteilung. Diese führte nach Feststellung der Staatsanwaltschaft dazu, dass die Dieselfahrzeuge Genehmigungen erhielten, obwohl der Ausstoß von Stickoxiden bei den Autos teilweise nicht den Vorschriften entsprach. Das brandneue Mercedes-Benz-SUV hat indes massive Sicherheitsprobleme und ist ebenfalls von einem Rückruf betroffen, wie nordbuzz.de* berichtet.

Lesen Sie auch: Der Bundesverband der Verbraucherzentralen klagt im Namen von 470.000 Dieselkunden gegen VW. Die Musterklage wurde grundsätzlich zugelassen.

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dpa

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