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Grusel-Zecke breitet sich aus: Neue Arten werden in Deutschland heimisch

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Zecken wollen unser Blut. Bei Menschen kann und Tieren kann ein Biss gefährliche Krankheiten verursachen. Experten haben eine neue Ekel-Art in Deutschland im Blick.

Hamm - Zecken lauern im Unterholz, krabbeln auf Gräsern und wollen Blut - unseres oder das unserer Haustiere. Mit steigenden Temperaturen in Deutschland steigt ihre Verbreitung. Neue Arten breiten sich auch bei uns zunehmend aus und bringen neben FSME und Borreliose neue Krankheiten. Besonderes Augenmerk legen Forscher auf die aus den Tropen stammende Hyalomma-Zecke, die fünfmal größer ist als andere Arten und ihre Beute jagt - nun auch hierzulande.

ZeckeHyalomma
GattungSchildzecken
Übertragene KrankheitenKrim-Kongo-Fieber, Zecken-Fleckfieber

Zecken in Deutschland: Gefahr durch Übertragung von Borreliose oder FSME

Die Sommer werden trockener, die Winter bleiben mild. Das freut Zecken. Waren sie in früheren Jahren und Jahrzehnten vor allem in dem von der Sonne verwöhnten Süden Deutschlands oder den beliebten Urlaubszielen rund um das Mittelmeer zu finden, breiten sie sich seit längerem auch in immer weiter nördlich aus. In Nordrhein-Westfalen wurde jetzt die erste Stadt vom RKI zum FSME-Risikogebiet erklärt.

Im vergangenen Jahr 2021 etwa wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) deutschlandweit insgesamt 390 FSME-Erkrankungen übermittelt. FSME steht für „Frühsommer-Meningoenzephalitis“ und ist eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute, die durch Viren hervorgerufen wird. Gegen FSME ist eine Impfung möglich. Anders als gegen Borreliose: Diese Krankheit kann Spätschäden an Gelenken und Nerven hervorrufen. Wenn man sie jedoch rechtzeitig erkennt und behandelt, lässt sich die Krankheit mit Antibiotika in den Griff bekommen.

Zecken: Diese Arten sind in Deutschland verbreitet

Die meisten Krankheitsfälle bei Menschen gehen auf das Konto des „Gemeinen Holzbocks“ - ganz einfach deshalb, weil diese Zeckenart am weitesten verbreitet ist. Zu heiß mag er es nicht, aber bei 15 Grad - also im Frühling - ist er sehr aktiv und sucht sich am Wegesrand und im Wald seine Beute. Im Hochsommer wird es dem Gemeinen Holzbock zu heiß. Er verschwindet dann in kühlere, höhere Lagen.

Die Auwald-Zecke ist wegen des Klimawandels mittlerweile die zweithäufigste Zeckenart in Deutschland. Sie beißt am liebsten große Säugetiere wie Hunde und kann die sogenannte Hundemalaria übertragen. Diese Erkrankung kann bei Hunden nach wenigen Tagen zum Tod führen. Den Menschen befällt die Auwald-Zecke in seltenen Fällen. Doch auch sie kann das gefährliche FSME-Virus übertragen. Das gilt auch für die Igelzecke. Vom Biss der Taubenzecke wurden am Menschen nur allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock sicher nachgewiesen.

Universität Hohenheim zu Zeckenforschung
Eine tote Hyalomma marginatum liegt in der Parasitologie der Universität Hohenheim auf einem schwarzen Stück Karton. © Marijan Murat/dpa

Hyalomma-Zecke: Horror-Art kann Menschen verfolgen

Neu im Schreckenskabinett der deutschen Zecken ist die Hyalomma-Zecke. Sie ist eigentlich in Afrika oder auf dem Balkan heimisch und wurde hier vermutlich durch Vögel eingeschleppt. Im Jahr 2015 wurde sie hierzulande erstmals nachgewiesen, in NRW drei Jahre später. 2019 wurden fünf Tiere auf einem Pferdehof in Nordrhein-Westfalen entdeckt. Das legt nahe, dass die tropische Hyalomma erstmals in Deutschland überwintern konnte.

Beschreibung und Verhalten dieser Zecke mit den auffällig geringelten Beinen lesen sich wie aus einem Horror-Roman: Sie ist bis zu fünfmal größer als der Gemeine Holzbock, fast so schnell wie eine Spinne, hat Augen und geht auf die Jagd. Die Hyalomma bemerkt ihre Opfer ab einer Entfernung von 9 Metern und folgt ihnen bis zu zehn Minuten lang über eine Distanz von bis zu 100 Metern. Sie befällt auch Menschen.

Hyalomma-Zecke als Überträger des Krim-Kongo-Fiebers gefürchtet

Gefürchtet wird sie als Überträger des Krim-Kongo-Fiebers. In Deutschland ist bislang kein Krankheitsfall von Krim-Kongo-Fieber bekannt. Ein Fall von Fleckfieber durch die Übertragung von Rickettsia-Bakterien ist jedoch bestätigt. Die Hyalomma-Art fühlt sich vor allem auf Sand- und Schotterwegen wohl.

Doch was kann man tun, um das Risiko zu verringern? Beim Schutz vor Zecken können zum Beispiel lange, helle Kleidung und Anti-Zecken-Spray helfen, wenn man in der Natur unterwegs ist. Auch sollte man den Körper abends auf die lästigen Plagegeister absuchen. Wer trotz aller Vorsicht einen Zeckenbiss erleidet, sollte gegebenenfalls einen Arzt konsultieren und auf eine gute Nachsorge achten. Des Weiteren kann ein Impfschutz vorbeugen, nach einem Zeckenstich an FSME zu erkranken.

Mit zunehmenden Temperaturen werden auch die Mücken immer mehr zu Plagegeistern. Mit Expertentipps lassen sich die Stiche der lästigen Insekten verhindern. Worauf Sie jetzt mit Blick auf den Start der Zecken-Saison achten sollten, fasst auch BW24 zusammen. Einige beliebte Methoden sind dagegen wirkungslos.

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