Forderung der EU

Überwachung bei WhatsApp: Darum könnte Ihr Chat bald nicht mehr vertraulich sein

Privatsphäre in WhatsApp-Chats könnte bald vorbei sein: Die EU verlangt eine Überwachung von Kommunikationen in Messengern - doch das Konzept ist lückenhaft.

  • Seit 2016 besteht eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in den Chats bei WhatsApp.
  • Die EU fordert jetzt, dass Sicherheitsbehörden verschlüsselte Kommunikationen mitlesen können.
  • Das Konzept birgt Gefahren und stößt bei Politikern auf heftige Kritik.

Kassel - Der Messenger WhatsApp* stellte erst 2016 auf eine sichere Verschlüsselung um und gewährleistete den Nutzern private Chatgespräche, die nur Sender und Empfänger lesen können.

Doch bald könnte sich das wieder ändern: Auf Wunsch der EU sollen Sicherheitsbehörden bald die verschlüsselte Kommunikation mitlesen können. Die Privatsphäre aller wird darunter schlussendlich leiden.

EU fordert Überwachung der Kommunikation: Messenger wie WhatsApp sollen Chats offenlegen

Vertrauliche Gespräche, Klatsch und Tratsch sowie private Verabredungen - Chatverläufe bei WhatsApp sind seit 2016 mit der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung vor Dritten gesichert und somit nur noch von Sendern und Empfängern lesbar. Doch diese wertvolle Privatsphäre könnte bald der Vergangenheit angehören: Wie Zeit.de berichtet, fordert die EU, dass Strafverfolgungsbehörden in Zukunft Nachrichten bei Messengerdiensten mitlesen sollen, um schwere Verbrechen bekämpfen zu können.

In einer neuen Resolution vom 14. Dezember 2020 mit dem Titel „Sicherheit mit Verschlüsselung und Sicherheit trotz Verschlüsselung“, fordern Innenminister der Europäischen Union erweiterte Überwachungsrechte, um Terrorismus, organisierte Kriminalität und Kindesmissbrauch leichter aufdecken und verhindern zu können.

Sind unsere Chats bei WhatsApp bald nicht mehr verschüsselt? Ein EU-Beschluss verlangt eine Überwachung der Kommunikation in Messengern, damit Straftäter besser verfolgt werden können. (Symbolbild)

Doch nicht nur Straftäter, sondern auch Menschenrechtsaktivisten, Staatsanwälte, Polizisten und Politiker werden mit diesem Beschluss beobachtbar, da eine Verschlüsselung nicht nur für manche geltend gemacht werden kann und für manche nicht.

Zugriff auf Chats bei WhatsApp und Co.: EU verlangt Schnittstellen zur Überwachung von Straftätern

Das politische Argument hinter der Resolution ist, dass die Gesellschaft von einer durchdringbaren Verschlüsselung profitieren wird, da Sicherheitsbehörden und Nachrichtendienste besser Kriminelle, zum Beispiel Terroristen, aufspüren und verfolgen können. Diese Abwägung steht allerdings im Gegensatz zu der gesellschaftlichen Privatsphäre, die dadurch verloren geht. Werden denn garantiert nur Kommunikationen von Straftätern abgehört und mitgelesen?

Um den Strafverfolgungsbehörden einen Zugriff auf die Nachrichten zu ermöglichen, könnte ein sogenanntes Zwei-Spuren-Prinzip infrage kommen - ein Abhörsystem, bei dem auf der einen Spur eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung läuft, die dann wiederrum auf eine andere unverschlüsselt weitergeleitet werden kann.

Damit Strafverfolger im Rahmen einer nötigen Überwachung von Kommunikationen auf Chats zugreifen können, müssen die Anbieter, beispielsweise bei WhatsApp an Facebook*, wenden, damit diese dann eine Schnittstelle für bestimmte Chats aktivieren. Solche Kontrollmöglichkeiten sollen allerdings nur länderspezifisch und zielgerichtet im Zusammenhang mit schweren Straftaten genutzt werden.

Chat-Kontrolle bei WhatsApp: EU-Beschluss stößt auf viel Kritik

Doch das Konzept hat einen Haken: Wenn eine sogenannte „Hintertür“ erst einmal verbaut ist, können nicht nur Behörden auf sie zugreifen, sondern auch andere Staaten, Geheimdienstler und Hacker. Unternehmen können somit leichter angreifbar werden.

Die Forderung der EU stößt daher auf viel Kritik von vereinzelten EU-Parlamentariern: „Wie sollen Anwälte, Strafverfolger, Menschenrechtler oder Journalisten geschützt kommunizieren können, wenn potenziell eine dritte Person oder Behörde mitlesen kann? Wie sollen Unternehmen ihre Geschäftsgeheimnisse schützen?“, so der Europaabgeordnete der Piratenpartei, Patrick Breyer.

WhatsApp: Private Nachrichten könnten von unbefugten Personen mitgelesen werden

Jede Kommunikation könnte also auch von unbefugten Personen abgehört und mitgelesen werden. Doch was, wenn sich Messengerdienste weigern, die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aufzuheben und Schnittstellen einzubauen? Eine konkrete Antwort gibt es bis jetzt noch nicht.

Alternativ könnte aber der Internetverkehr durch ein Verfahren namens Deep-Packet-Inspektion gestört werden, das Nutzer dazu zwingt, auf andere kontrollierte Nachrichtendienste auszuweichen, erklärt Linus Nordberg, Computersicherheits- und Netzwerkexperte. (Alina Schröder) *hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Marius Bulling / Imago

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