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Stromanbieter pleite: Dann haben Kunden Anspruch auf Schadensersatz

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Von: Sven Schneider

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Es war ein Schock für viele Kunden: Der Stromanbieter stoppte die Lieferung. Verbraucher könnten nun Anspruch auf Schadensersatz haben. Das müssen Sie wissen.

Hamm - Zum Jahresbeginn 2022 betrifft es viele Menschen in ganz Deutschland. Die hohen Energiepreise bringen zahlreiche Versorger in Schwierigkeiten. Einige stellen sogar die Lieferung ein. Der Großhandelspreis von Erdgas ist zwischen Januar und Oktober um rund 440 Prozent gestiegen. Das hat Auswirkungen auf die Strompreise. Wer nun auf die Ersatzversorgung zurückfällt, der könnte mit hohen monatlichen Kosten rechnen.

Stromanbieter pleite: Wann Verbraucher Anspruch auf Schadensersatz haben

„Aufgrund der aktuellen Entwicklung auf dem Energiemarkt sehen wir uns leider dazu gezwungen, die Belieferung Ihres Haushalts zu stoppen“. So oder so ähnlich dürften zahlreiche Menschen in Deutschland die unerfreuliche Nachricht in den vergangenen Wochen erhalten haben. Lange hatte es sich abgezeichnet, dass die Preise stetig steigen werden. Wer nicht schnell reagiert, der rutscht in die Ersatzversorgung zurück. Die übernimmt der sogenannte Grundversorger, also das Unternehmen, das in einem bestimmten Netzgebiet die meisten Kunden beliefert.

Das Problem: Eben jene Grundversorger verlangen von Neukunden oftmals ein viel höheren Abschlag als Bestandskunden. „Die Anzahl der Anbieter, die die Belieferung einstellen, ist in jüngster Zeit gestiegen“, sagte Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Stromanbieter pleite: Verbraucherzentrale NRW gibt Tipps für Betroffene

Die Verbraucherzentrale NRW rät deshalb zu handeln. Der wohl einfachste Weg: Nach günstigeren Alternativen für die Strombelieferung sorgen. Aufgrund des steigenden Preisniveaus sollte jedoch zuvor kontrolliert werden, wie viel der Verbraucher beim Grundversorger zahlt. Anschließend lohnt sich der Blick in eines der vielen Vergleichsportale.

Eine durch den Grundversorger vorgenommene Belieferung in der Ersatzversorgung kann fristlos gekündigt werden. Nach Ablauf von drei Monaten in der Ersatzversorgung werden Verbraucherinnen und Verbraucher automatisch dem Grundversorgungstarif zugeordnet. Diesen Tarif kann man jederzeit mit einer Frist von 2 Wochen kündigen.

Stromzähler
Stromanbieter pleite: Wann Verbraucher Anspruch auf Schadenersatz haben © Hauke-Christian Dittrich/dpa/Symbolbild

Stromanbieter pleite: Verbraucher können auf Schadensersatz klagen

Anders verhält es sich, wenn der Stromanbieter einfach die Belieferung einstellt. Nach Ansicht der Verbraucherzentrale NRW haben Verbraucher dann einen Anspruch auf Schadenersatz. „Dabei handelt es sich um eine Vertragsverletzung. Das ist rechtlich unzulässig“, so Udo Sieverding.

Einfach für alle Verbraucher: Die Verbraucherzentrale stellt einen Musterbrief aus. Der kann ausgefüllt werden, wenn die Belieferung durch den Grundversorger nur zu einem höheren Preis als im ursprünglich vereinbarten Tarif möglich ist. Der Schaden ist dann die Differenz zwischen dem ursprünglich vereinbarten und dem neuen höheren Preis der Belieferung. Kunden wenden sich mit dem Brief direkt an den Anbieter und fordern Ausgleich ein.

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