1. Soester Anzeiger
  2. Verbraucher

Pauschalreise wird nachträglich teurer - darf der Veranstalter das?

Erstellt:

Von: Daniel Schinzig

Kommentare

Die Pauschalreise ist lange gebucht und steht kurz bevor. Plötzlich benachrichtigt der Veranstalter, dass es eine Preiserhöhung gibt. Darf er das? Das können Sie tun.

Hamm - Alles wird teurer: Seien es die steigenden Kosten für einige Lebensmittel oder die extrem hohen Preise an der Tankstelle. Da ist das Gefühl umso schöner, schon vor einiger Zeit eine Pauschalreise gebucht zu haben und bald für einen annehmbaren Preis Urlaub im Land der Wahl machen zu können. Aber sollte man sich wirklich so sicher fühlen? Oder könnte es passieren, dass man vom Veranstalter über eine nachträgliche Preiserhöhung informiert wird? Und muss man die dann zahlen?

Pauschalreise wird nachträglich teurer - darf der Veranstalter das?

Die gute Nachricht zuerst: In Gefahr sollte der Urlaub in der Regel nicht sein. Und auch, dass die bereits gebuchte Pauschalreise einfach so teurer und eine Nachzahlung gefordert wird, ist nicht ohne weiteres möglich - auch nicht in Zeiten von gestiegenen Kerosinpreisen. Ganz ausgeschlossen werden kann es aber auch nicht.

Rechtsanwalt Hans-Josef Vogel weist darauf hin, dass eine mögliche Anpassung des Preises für die Pauschalreise nämlich bereits in den Geschäftsbedingungen verankert sein muss. In diesem Fall lohnt sich also ein Blick in das Kleingedruckte des abgeschlossenen Vertrags. Ist dort nicht die Rede davon, dass die Kosten auch nachträglich noch angepasst werden können, hat man nichts zu befürchten.

Und es ist durchaus wahrscheinlich, dass sich eine solche Formulierung nicht in den AGBs findet. Denn: Damit würden sich die Veranstalter nicht nur vorbehalten, steigende Kosten auf den Buchenden umlegen zu können. Sie würden sich ebenfalls dazu verpflichten, den Preis nachträglich nach unten korrigieren zu müssen, wenn auf den Veranstalter weniger Kosten als ursprünglich gedacht zukommen. Und da verzichten viele Veranstalter lieber darauf.

Pauschalreise wird nachträglich teurer - das können Sie machen

Sollte sich die Klausel allerdings doch im abgeschlossenen Vertrag finden, genießen die Veranstalter trotzdem keine Narrenfreiheit. Bei der Preiserhöhung gelten Regeln. „Eine einseitige Anpassung ist bei acht Prozent gedeckt“, zitiert die Deutsche Presse-Agentur Hans-Josef Vogel. Und das heißt nichts anderes, als dass die nachträgliche Preiserhöhung nicht mehr als acht Prozent betragen darf. Wird diese Grenze überschritten, kann der Kunde den Aufschlag zahlen, muss es aber nicht.

Auch muss der Veranstalter eine Frist einhalten. Die Benachrichtigung über die Anpassung des Preises für die Pauschalreise muss den Kunden bis spätestens 20 Tage vor Antritt der Reise erreichen. Kommt die Info erst später an, kann die Zahlung unter Hinweis auf die Gesetzeslage verweigert werden.

Wird seitens des Veranstalters alles korrekt gehandhabt - der Preis wird um nicht mehr als acht Prozent erhöht und der Kunde darüber mehr als 20 Tage vor Start der Pauschalreise informiert - hat man auch noch Handlungsspielraum. Man kann innerhalb einer vom Veranstalter gesetzten Frist eine gleichwertige Ersatzreise fordern, die preislich der bisher gebuchten entspricht - oder man hat die Möglichkeit, den Urlaub kostenfrei zu stornieren. Aber: Man sollte definitiv auf die Nachricht des Veranstalters reagieren, wenn man nicht gewillt ist, den erhöhten Preis zu zahlen. Denn Schweigen wird als Zustimmung gewertet.

Wer aus dem Urlaub zurückkehrt, hat es bald übrigens leichter. Denn die Corona-Regeln bei der Einreise nach Deutschland werden gelockert. Ein 3G-Nachweis ist dann nicht mehr nötig. Wer generell nicht so gerne weit reist, hat bald die Möglichkeit, für besonders wenig Geld Deutschland zu erkunden. Das 9-Euro-Ticket ist jetzt im Verkauf.

Auch interessant

Kommentare