Drei konkrete Beispiele

Ikea: ZDF-Doku enthüllt fiese Tricks - hartes Urteil für Nachhaltigkeit-Kampagne

Ikea will Kunden dazu bringen, beim Einkauf mehr Geld auszugeben. Die Nachhaltigkeits-Kampagne ist zudem heuchlerisch. Eine ZDF-Doku erklärt, was Kunden wissen sollten.

Hamm - Ikea zählt zu den größten Einrichtungskonzernen der Welt. Alleine in Deutschland betreibt Ikea mehr als 50 Standorte. Kunden fahren vor allem deshalb auf das schwedische Möbelhaus ab, weil es sich auf günstige Produkte spezialisiert hat, die für jeden bezahlbar sein sollen. Doch wie eine ZDF-Dokumentation für Verbraucher aufdeckt, arbeitet Ikea gezielt mit unterbewussten Tricks, um den Einkauf seiner Kunden zu manipulieren. Außerdem fällt das ZDF ein hartes Urteil, was die Nachhaltigkeits-Bestrebungen des Konzerns betrifft.

KonzernIkea
GründerIngvar Kamprad
HauptsitzDelft, Niederlande
Umsatz41,3 Milliarden EUR (2019)

Ikea-Einkauf: ZDF-Doku enthüllt Tricks - Gelbe Tüte am Eingang sorgt für enormen Umsatz

In der ZDF-Dokumentation kommen diverse „Insider“ zu Wort, die bereits in verschiedenen Funktionen für Ikea gearbeitet haben. Zu Beginn widmet sich die Doku dem Eingangsbereich des Möbelhauses. Dort gibt es gelbe Tüten in rauen Mengen. Wie das ZDF erläutert, handelt es sich dabei bereits um die erste Falle. Denn der Konzern weiß: Wer diese Tasche annimmt, gibt mehr Geld aus.

Es handelt sich um eine simple Verkaufspsychologie. Ikea will mit einer leeren Tüte einen Anreiz beim Kunden schaffen, diese zu befüllen. Tatsächlich ist erwiesen: Wer eine Tüte mitnimmt, greift öfter zu. Das ist auch in anderen Geschäften üblich. Doch bei Ikea wirkt die Tüte von außen kleiner als sie ist. Die Produkte sacken zunächst tief in den Boden der Tüte. Auch wenn mehrere Artikel ihren Platz in der Tüte gefunden haben, wirkt es so, als sei kaum etwas drin.

Nach Informationen des ZDF macht Ikea mit jeder gelben Tüte durchschnittlich 20 Euro mehr Umsatz. Deshalb betreibt Ikea großen Aufwand, um die gelben Tüten an die Kunden zu bringen. Über die gesamte Verkaufsfläche werden mehr als 50 Container mit gelben Tüten verteilt. Mit all seinen Möbelhäusern in Deutschland könnte Ikea seinen Umsatz nur durch den Einsatz der gelben Tüten um 5,4 Millionen steigern, rechnet das ZDF vor. Bei dieser Rechnung geht das ZDF von vollen Möbelhäusern aus, wegen der Corona-Pandemie war allerdings auch bei Ikea lange Zeit vorübergehend nur Click and Meet möglich.

Ikea-Einkauf: ZDF-Doku enthüllt fiese Tricks - Kundenwege sind vorgezeichnet

Die gelbe Tüte ist nicht der einzige Verkaufstrick von Ikea, auf den Kunden beim Einkaufen achten sollten. Der Möbelriese arbeitet zudem mit einer visuellen Reizsetzung. Bestimmte Verkaufsschlager - ob Schränke, Sessel oder Betten - werden besonders belichtet und dadurch besonders inszeniert.

Dem Ikea-Kunden wird überhaupt keine Chance gegeben, diesen Reizen zu entkommen. Das berichtet einer der Insider, der sich den Fragen des ZDF stellt. Vielmehr platziert Ikea bewusste „Verkaufsinseln“, die mitten im Weg stehen und somit Aufmerksamkeit erwecken sollen. Somit werden Kunden gezwungen, sich mit gewissen Themen und Produkten auseinanderzusetzen.

Mit anderen Worten: Besonders umworbene und beliebte Produkte bekommen einen bestimmten Stellplatz, sie werden laut Insider offensiver platziert. Während eines Ikea-Einkaufs wird der Blick eines Kunden im Durchschnitt 80 Mal auf ein bestimmtes Accessoire gelenkt. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass der Weg durch den Ikea-Markt gesteuert wird.

Ikea-Holz stammt aus Urwäldern Rumäniens - ZDF zeigt schockierende Bilder

Neben diesen beiden zentralen Verkaufstricks, die Ikea anwendet, deckt das ZDF noch ein weiteres Phänomen auf. Dabei geht es weniger darum, den Kunden unterbewusst zu manipulieren, sondern um handfeste Heuchelei. Das ZDF prangert an, dass sich hinter den vermeintlichen Nachhaltigkeitszielen von Ikea eine bloße Masche verbirgt. Bereits vor mehreren Wochen hatte Merkur.de* berichtet, dass Ikea für seine Kindermöbel illegales Holz aus russischen Wäldern verwendet*.

Ein Insider erklärt in der ZDF-Doku, wie Ikea in den Urwäldern Rumäniens den Raubbau an der Umwelt toleriert, um dem hohen Holzbedarf gerecht zu werden. Flächen würden dort unwiderruflich zerstört werden, um Bäume für Ikea zu roden. Nachhaltigkeit sehe anders aus. Bereits vor mehreren Jahren hatte eine Umweltorganisation derartige Missstände aufgedeckt. Daraufhin reagierte Ikea und gab an, inzwischen 98 Prozent des Holzes aus nachhaltigen Quellen zu generieren.

Doch die Bilder aus Rumänien zeigen: Das Holz stammt noch immer aus fragwürdigen Quellen. Der Rückverfolgung zu Ikea ist lediglich schwieriger nachzuvollziehen, da es Subunternehmen sind, die jene Waldflächen gepachtet haben. Auf diesen Waldflächen herrscht Kahlschlag. Das ZDF demonstriert „eine Fläche, die einer Mondlandung gleicht“, wie die Berichterstatter es formulieren. Tierarten droht dort das Ende.

Ikea-Doku im ZDF: Nachhaltigkeit bloß Werbe-Masche

In seinen Werbespots zeigt sich Ikea inzwischen besonders nachhaltig. Eine halbe Million Euro hat der Konzern für seine Nachhaltigkeits-Kampagne hingeblättert. In einem Werbespot ist zu sehen, wie ein Mitarbeiter seine Kunden über die Herkunft des Holzes informiert.

Die Realität wirft einen Schatten auf diese Inszenierung. Tatsächlich können die Mitarbeiter nichts über die Nachhaltigkeit ihrer Produkte erzählen. Es gebe schließlich zu viele Subunternehmen. Außerdem werde man nicht geschult.

Ikea-Doku im ZDF: Kritiker stört Inszenierungscharakter des Films

Auch Kritiker der ZDF-Doku attestieren ihr zumindest einen aufklärenden Charakter für Verbraucher. So schreibt Welt-Redakteur Marc Neller, dass er sich sogar noch einen größeren Fokus auf Fakten und die Tricks von Ikea gewünscht hätte. Zugleich stößt er sich an der Inszenierung der Dokumentation, die den Sachverhalt aus seiner Sicht überdramatisiert und den Kunden dadurch in eine Opferrolle drängt. Die Doku weise einen „penetranten Enthüllungsgestus“ auf.

Unabhängig von ihrer Form weist die ZDF-Doku, die noch in der Mediathek zu sehen ist, potenzielle Ikea-Kunden in jedem Fall auf wichtige Verkaufstricks hin, auf die es beim nächsten Einkauf zu achten gilt. - *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Frank Rumpenhorst/dpa

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