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Heizen mit Holz ist keine gute Alternative

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Von: Hannah Decke

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Wegen der enorm gestiegenen Gaspreise suchen die Menschen nach Alternativen zum Heizen. Einige greifen zu Holz. Experten warnen: Das ist keine gute Idee!

Hamm - Heizen mit Holz ist günstiger als mit Gas. Deshalb klingt es zunächst nach einer guten Alternative, auf Öfen und Heizungen, die mit Holz oder Pellets betrieben werden, umzusteigen. Außerdem gilt es als gemütlich und nachhaltig, mit Holz zu heizen. Aber Experten äußern Bedenken und warnen sogar vor gesundheitlichen Gefahren.

Haushalte, die mit Gas heizen, werden in diesem Winter wenig Freude am Heizen haben. Seit Monaten steigen die Energiepreise, die Menschen suchen sich Alternativen, um ihre Gasheizung loszuwerden oder sie nicht so häufig anmachen zu müssen. Neben Selfmade-Alternativen wie Teelichtöfen, die allerdings gefährlich und wenig effektiv sind, liebäugeln viele mit Holz.

Heizen mit Holz: Warum das keine gute Alternative ist

Die wenigsten Haushalte in Deutschland heizen mit Holz. Laut Statistischem Bundesamt kam nur bei 3,6 Prozent der Neubauten Holz als primäre Heizenergiequelle zum Einsatz. Mehr als eine Million Haushalte in Deutschland nutzen Scheitholz, Holzpellets oder Holzhackschnitzel als primäre Energiequelle zum Heizen des kompletten Wohnraums, wie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) angibt. Zusätzlich gebe es über elf Millionen sogenannte Einzelraumfeuerstätten, wie etwa Kaminöfen (Stand: März 2022).

Heizen mit Holzpellets8,8 Cent pro Kilowattstunde*
Heizen mit Erdgas14,11 Cent pro Kilowattstunde*

*Durchschnittliche Kosten im Zeitraum Januar bis August laut Pelletinstitut

Doch der Ukrainekrieg und die damit verbundene Kostenexplosion bei Gas lassen Holz als Heizquelle für viele attraktiver erscheinen. Die Nachfrage steigt. Experten äußern allerdings Bedenken.

Experten warnen vor Heizen mit Holz: „Nichts verbrennt dreckiger und klimaschädlicher“

Einige betrachten die Verbrennung von Holz als Gefahr für die Gesundheit - etwa Achim Dittler vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). „Nichts verbrennt dreckiger und klimaschädlicher als Holz“, sagt der Forscher. Bei der Holzverbrennung würden viel mehr Schadstoffe freigesetzt als bei der Verbrennung von Öl oder Gas, darunter Kohlenmonoxid, Stickoxide, Methan und Ruß.

Wolfgang Straff, Leiter des Fachgebiets Umweltmedizin und gesundheitliche Bewertung am Umweltbundesamt, warnt speziell vor den Gesundheitsgefahren durch Feinstaub bei der Holzverbrennung. „Generell und unabhängig von der Quelle führt die Inhalation von Feinstaub zu relativ hohen Krankheitslasten in der Bevölkerung.“ So seien etwa Fälle von Lungenkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes auf Feinstaub zurückzuführen.

Heizen mit Holz: Umweltschützer warnen

Die Verbrennung von Holz ist nicht nur für die menschliche Gesundheit riskant - Umweltschützer warnen auch vor verheerenden Auswirkungen auf die Wälder. Wenn es nach Pierre Ibisch von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde ginge, sollte die Förderung von Holzverbrennung sofort gestoppt werden. Denn das Verfeuern von Bäumen sei nur unter bestimmen Umständen klimaneutral.

Wer etwa mit einem Kaminofen heizt, muss sich an Verordnungen und Gesetze halten. Denn bestimmte Schwellen bei den Immissionen von Kohlenmonoxid und Feinstaub dürfen nicht überschritten werden.

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