"Großkotz": Wikileaks über britische Königsfamilie

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Laut Wikileaks ist Prinz Andrew ein "Großkotz".

London - Seit Sonntag fließen aus dem Leck der Wikileaks-Plattform täglich neue Geheiminfos aus US-Botschaften in die Welt. Einige davon sind ziemlich peinlich. Jetzt hat es auch die britischen Royals erwischt.

Vielleicht kommt Prinz Andrew eher nach seinem als schroff geltenden Vater Philip als nach seiner Mutter, der britischen Queen: Als “Großkotz“ mit unverblümtem Mundwerk jedenfalls stellt eine US-Boschafterin ihn in einer geheimen Depesche dar. Dem 50 Jahre alten Andrew schlug am Dienstag auf der Insel ein Sturm der Entrüstung entgegen, nachdem die Internetplattform Wikileaks das Papier enthüllt und die Zeitung “The Guardian“ es am späten Montagabend verbreitet hatte. Der Sohn von Königin Elizabeth II. und jüngere Bruder von Prinz Charles soll laut des Schreibens bei einem Geschäftsessen im Jahr 2008 auffallend anmaßend und eingebildet aufgetreten sein.

Bei dem Treffen mit kanadischen Geschäftsleuten in Kirgistan habe Andrew unter anderem über Frankreich gelästert und Großbritanniens Vorteile zum Teil mit “uneingeschränktem patriotischen Eifer“ dargestellt. Andrew ist britischer Sonderbotschafter für Handel und Investitionen und vertritt die Wirtschaftsinteressen seines Landes im Ausland. “Die erstaunlich freizügige Diskussion bewegte sich von britischer Seite zeitweise an der Grenze zur Unverschämtheit“, schrieb die Botschafterin. Als die Geschäftsleute sich über die hohe Korruption und die langsamen Prozesse in der Wirtschaft Kirgistans beklagten, habe Andrew gesagt: “Das hört sich ziemlich genau nach Frankreich an.“

Außerdem soll er über britische Korruptionsbekämpfer gelästert und ihnen vorgeworfen haben, mit ihrem “Idiotismus“ beinahe ein Geschäft mit Saudi-Arabien vermasselt zu haben Andrew selber äußerte sich zu den Vorwürfen zunächst nicht. Ein Sprecher der britischen Königsfamilie sagte, die Wikileaks-Dokumente würden grundsätzlich nicht kommentiert.

Der sozialdemokratische Unterhaus-Abgeordnete John Mann forderte in einem Interview mit der BBC, dass Andrew über seine unbezahlte Rolle als Wirtschaftsbotschafter nachdenken solle. Sollten die Kommentare sich als zutreffend erweisen, müsse Prinz Andrew entscheiden, ob er wirklich der richtige für seinen Posten sei. Der frühere britische Außenminister Malcolm Rifkind hingegen verteidigte den Prinzen. “Er ist schon immer als jemand bekannt gewesen, der kein Blatt vor den Mund nimmt, das überrascht niemanden wirklich. Hoffen wir, das er aus dieser Erfahrung lernt.“

dpa

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