US-Behörden vorab von Verhaftung Polanskis informiert

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Roman Polanski

Los Angeles - Die Schweizer Behörden haben die USA vorab von der geplanten Verhaftung des Regisseurs Roman Polanski unterrichtet.

Dies geht aus mehreren E-Mails hervor, die der Nachrichtenagentur AP vorliegen. Demnach schickte das Berner Bundesamt für Justiz (BJ) am 22. September ein dringliches Fax an das Büro für internationale Angelegenheiten (Office of International Affairs) beim Justizministerium in Washington und unterrichtete die US-Ermittler von der bevorstehenden Reise Polanskis zu einem Filmfestival in Zürich.

Das Büro für internationale Angelegenheiten alarmierte daraufhin die Staatsanwaltschaft in Los Angeles, die sofort damit begann, einen Haftbefehl aufzusetzen. Am 26. September wurde der 76-jährige Regisseur dann auf dem Flughafen Zürich verhaftet, obwohl er zuvor wiederholte Male unbehelligt in die Schweiz gereist war. Eine Sprecherin des US-Justizministeriums lehnte eine Stellungnahme zu den Vorgängen ab. Bei der Staatsanwaltschaft im Bezirk Los Angeles sagte Sprecherin Sandi Gibbons, es sei ungewöhnlich, dass ihre Behörde Informationen über den Aufenthaltsort von Flüchtigen erhalte.

Am Dienstag wies das Bundesstrafgericht in Bellinzona eine Haftbeschwerde Polanskis ab. Begründet wurde dies mit einer hohen Fluchtgefahr: Polanski habe sich bereits 1978 durch die Ausreise nach Europa dem US-Verfahren entzogen. Er habe erklärt, sich entschlossen einer Auslieferung zu widersetzen. Dazu komme die in den USA drohende Freiheitsstrafe von bis zu 50 Jahren. Polanskis Pariser Anwalt Hervé Temime deutete an, dass nach einer Prüfung des Urteils als nächste Instanz das Bundesgericht angerufen werden könnte. Die USA wollen Polanski wegen sexuellen Missbrauchs eines 13-jährigen Mädchens im Jahre 1977 zur Rechenschaft ziehen.

ap

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