Caballé will keine Diva sein

Spanische Sopranistin wird 80 Jahre alt

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Montserrat Caballé feiert am Freitag ihren 80. Geburtstag. Eine Diva will sie aber nicht sein.

Madrid - Ihr Leben gleicht dem Märchen vom Aufstieg eines armen Mädchens zum Weltstar. Montserrat Caballé gilt als eine der größten Sopranistinnen des 20. Jahrhunderts.

Eine Diva will die Katalanin, die an diesem Freitag 80 Jahre alt wird, aber nicht sein.

Mit 80 Jahren, so hatte Montserrat Caballé angekündigt, wolle sie auf eine große Abschiedstournee gehen und ihre Karriere beenden. Was aus diesen Vorhaben geworden ist, weiß man nicht. Um die große spanische Sopranistin, die an diesen Freitag (12. April) 80 Jahre alt wird, ist es in letzter Zeit still geworden. Der Opernstar hat im Oktober 2012 während einer Konzertreise in Russland einen Schlaganfall erlitten, war ohnmächtig geworden und hatte sich im Fallen einen Oberarmknochen gebrochen.

Auf Empfehlung der Ärzte legte die Sängerin eine dreimonatige Pause ein. Ende Februar sagte sie ein Konzert in Granollers bei Barcelona ab, weil die Erholung sich länger hinzog als erwartet. Vor wenigen Jahren hatte die Katalanin noch erklärt: „Ich brauche das Singen zum Leben.“ In ihrer humorvollen Art fügte die aus Barcelona stammende Sängerin hinzu: „Man soll sich nicht wundern, wenn eines Tages in der Zeitung steht, dass die Caballé auf der Bühne tot umgefallen ist.“

Im Laufe ihrer mehr als 55-jährigen Karriere hatte die Sopranistin immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Schon vor Jahren hatte sie große Opernauftritte weitgehend eingeschränkt und sich auf Konzertabende konzentriert. „Meine Stimme ist nicht mehr so, wie sie einmal war“, räumte sie offen ein. „Was man nicht wirklich gut kann, soll man lieber lassen.“

Nach dem Tod von Maria Callas im Jahr 1977 hatten viele Opernfreunde in ihr die Nachfolgerin von „La Divina“ gesehen. Aber Montserrat Caballé setzte sich diese Krone nie auf. „Ich bin keine Diva“, sagte sie trotzig. „Mich als eine Diva zu betrachten, ist absurd und idiotisch. Wenn ich auf die Bühne gehe, bin ich schlichtweg La Montse und nicht mehr.“

Dabei gehörte die Künstlerin unumstritten zu den größten Sopranistinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr Repertoire umfasst 90 Opernrollen und 800 Lieder. Mit mehr als 4000 Auftritten - fünfmal so viele wie Maria Callas - dürfte sie die aktivste Sängerin der Operngeschichte sein. Sie gilt auch als die Entdeckerin des großen Tenors José Carreras.

Ihr Leben gleicht einem Märchen vom Aufstieg eines armen Kindes zum Weltstar. Im spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) verloren die Eltern ihr Hab und Gut, die Familie litt Hunger. Mit zwölf Jahren musste Caballé die Schule verlassen und als Näherin zum Familienunterhalt beitragen. In den 50er Jahren zog die Familie als Gastarbeiter in die Schweiz.

In Basel debütierte die Sängerin 1956 in der Oper. Von 1959 bis 1962 war sie in Bremen engagiert. Der Hansestadt konnte sie jedoch so wenig abgewinnen, dass sie fast ihre Karriere aufgeben wollte, nur um aus Bremen wegzukommen. Der Durchbruch zum Weltstar gelang der Sängerin 1965 in New York, wo sie für Marilyn Horne einsprang und so begeistert gefeiert wurde, dass die Metropolitan Opera sie verpflichtete.

Caballé scheute auch nicht den Kontakt zur Rock- und Popmusik. Sie nahm gemeinsame Schallplatten mit dem Queen-Sänger Freddie Mercury („Barcelona“) und Rockgrößen wie Bruce Dickinson oder Johnny Hallyday auf. Neben ihrer Karriere unterstützte sie soziale Vorhaben der Vereinten Nationen, förderte den musikalischen Nachwuchs und half notleidenden Kindern. „Die meisten Probleme der Welt rühren daher, dass habsüchtige Leute nur ans Geld denken“, sagte die Musikerin einmal. „In dieser Hinsicht war ich schon immer ein wenig revolutionär.“

Ärger gab es um einen 2003 erschienenen Dokumentarfilm über das Leben der Sängerin. Die Porträtierte ließ den Streifen „Caballé, más allá de la música“ (Caballé jenseits der Musik) so zusammenschneiden, dass der Regisseur Antonio A. Farré in dem Werk nur noch eine Lobpreisung der Sängerin sah und sich davon distanzierte. Caballé war dagegen gewesen, dass der Film ihre schwere Kindheit und ihre Krankheiten zu sehr in den Vordergrund stellte.

dpa

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