Schlingensief will "geistigen Abstand" zur Kirche

München - Regisseur Christoph Schlingensief hält trotz Missbrauchsfällen und Vertrauenskrise an der katholischen Kirche fest. Ganz ohne Kritik kommt aber auch der Künstler nicht aus.

Trotz Missbrauchsaffäre und Vertrauenskrise der katholischen Kirche hängt Regisseur Christoph Schlingensief (49) an seiner Kirche. “Ich schätze vor allem den Raum. Die Stille in der Kirche hat eine ganz besondere Kraft, die ich sonst nirgendwo finde“, sagte Schlingensief der “Süddeutschen Zeitung“ (Mittwoch). Er überlege sich aber, “ob es nicht ganz gut wäre, eine kleine Auszeit von der Kirche zu nehmen. Geistiger Abstand, räumliche Distanz“, sagte der Künstler, der als Kind in Oberhausen Ministrant war.

Es gebe jedenfalls großartige Pfarrer und Gemeindemitarbeiter. Seiner Meinung nach “sollte man die Abteilung in der Kirche, die durch Geheimnistuerei ihre Macht ausbauen will, ruhig mal in die Schranken weisen“, meinte der schwer an Krebs erkrankte Künstler, der derzeit für ein neues Theaterprojekt probt und sich seinem Operndorf in Burkina Faso widmet. “Trotzdem fällt mir ein Austritt schwer.“

Seine eigentliche geplante Teilnahme am 2. Ökumenischen Kirchentag in München musste Schlingensief wegen Terminproblemen absagen. Besonders schlimm seien für ihn Pfarrer, die nur “langweilige, weichgespülte Predigten“ hielten. “Immer nur Harmonie, das hält doch keiner aus.“ Er selbst habe es als Siebenjähriger genossen, beim Kaplan auf dem Schoß sitzen zu dürfen. “Das war toll und hatte überhaupt nichts Anstößiges.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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