Reichlich Skepsis

Neue Nachbarn sind gegen Bushido

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Rapper Bushido hoffte mit offenen Armen empfangen zu werden. Doch die Kleinmachnower sind noch nicht von ihrem neuen Gemeindemitglied überzeugt.

Kleinmachnow - Nach dem Brand in seiner Villa ist er das Gesprächsthema in der Gemeinde: Bushido fühlt sich nicht willkommen in der Nachbarschaft und könnte damit sogar recht haben.

Der Rapper Bushido will nach Brandenburg ziehen, vermisst aber die offenen Arme. Nach einem mutmaßlich von Brandstiftern gelegten Feuer im Dachstuhl seines künftigen Hauses in Kleinmachnow vor den Toren Berlins sieht er sogar eine Hetzkampagne gegen sich. Für die Gemeinde ist er einer von vielen Promis, die sich hier niederlassen. Nachbarn jedoch beobachten den Neuzugang - Besitzer eines großen Waldgrundstücks und einer unter Denkmalschutz stehenden Villa - mit reichlich Skepsis.

„Ich bin nicht glücklich“, sagt eine ältere Dame, deren Reihenhaus an das Bushido-Grundstück grenzt. Sie habe einiges gelesen über den künftigen Nachbarn. Wenn dort künftig möglicherweise häufig Partys gefeiert würden, sei es mit der Ruhe wohl vorbei, ärgert sie sich. Gelegenheit, den Rapper kennenzulernen, hatte sie nach eigenen Worten noch nicht.

Alle reden über ihn, keiner kennt ihn persönlich

Bushido, über den viel in der Presse steht, ist in Kleinmachnow fast ein Phantom. Alle reden über ihn. Mit ihm persönlich will aber niemand gesprochen haben. Bürgermeister Michael Grabert (SPD) wird derzeit wieder häufiger auf den Musiker angesprochen. Aber auch er hat nur Kontakt mit der Baufirma und dem Architekten. In der Vergangenheit gab es auf der Baustelle Verstöße. Ein unter Denkmalschutz stehendes Eingangstor wurde abgerissen, auch wurden mehr Bäume gefällt als genehmigt. „Es wurde versichert, dass alles wieder hergerichtet wird“, sagt Grubert.

Den Vorwurf Bushidos, die Gemeinde führe ein Hetzjagd gegen ihn, weist der Bürgermeister zurück. „Ich habe nichts gegen ihn“, betont Grubert und ergänzt: „Ich freue mich grundsätzlich über jeden steuerzahlenden Bürger.“

Seit der Wende sei der Promifaktor in der rund 20 300 Einwohner zählenden Gemeinde um einiges gestiegen. „Er ist zwar nicht ganz so hoch wie in Berlin oder Potsdam“, betont der Bürgermeister. Die Zuzügler vor allem aus Berlin - Schauspieler, Diplomaten, Bundesbedienstete, aber auch Fußballer - legten Wert auf große Privatheit und Diskretion. „Sie wollen in Ruhe wie ganz normale Familien leben.“

"Werde nicht von Tür zu Tür gehen"

Die Vorzüge des Ortes sind schnell aufgezählt: preiswertere Grundstücke als beispielsweise im noblen Berliner Stadtteil Zehlendorf, viel Grün und Wasser in der Nähe sowie Kitas und Schulen. Zudem ist man dank guter Autobahnanbindung binnen 25 Minuten am Kurfürstendamm.

Bushido will in Kleinmachnow als Privatmann und Familienvater leben. „Ich werde aber nicht von Tür zu Tür gehen und den Leuten erzählen, was für ein netter Typ ich bin“, sagt er. Die Sorgen der künftigen Nachbarn angesichts seines Images als Rapper sind für ihn unbegründet: „Ich bin von Beruf Musiker und Bushido und privat bin ich Anis Ferchichi und Familienvater. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun“, meint er. Die Leute könnten weiter über seinen Zaun gucken, sich sein Millionengrundstück anschauen „und sich ärgern, dass sie es nicht so weit geschafft haben“.

dpa

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