Murmeltier und Geister: Bill Murray wird 60

+
Bill Murray

Los Angeles - Meist bringt Bill Murray seine Fans zum Lachen oder Schmunzeln. Der Schauspieler ist in seinem Privatleben fast ebenso ein liebenswerter Sonderling wie in seinen Rollen. Jetzt wird er 60 Jahre alt.

Es war ein spannendes Rennen in der Oscar- Nacht 2004 zwischen den Hollywood-Außenseitern Sean Penn und Bill Murray. Am Ende nahm Penn für seine Rolle in Clint Eastwoods Gesellschaftsdrama “Mystic River“ seinen ersten Oscar entgegen, Murray musste sich mit seinem Golden Globe trösten, den er wenige Wochen zuvor für “Lost in Translation“ als bester Komödienstar gewonnen hatte. Einen Sonder-Oscar hätte Murray ganz bestimmt dafür verdient, wie er ohne eine Miene zu verziehen, mit stoischem Narbengesicht und trockenem Humor ein ganzes Kino zum Lachen bringt. Am Dienstag (21. September) wird er 60 Jahre alt.

Murray wurde vor allem bekannt als Geisterjäger in “Ghostbusters“ und egomanischer TV-Meteorologe in “Und täglich grüßt das Murmeltier“. Es dauerte eine Weile, bis Hollywood ihm Rollen gab, die nicht nur zum Lachen waren. In “Broken Flowers“ glänzt Murray als verblühter, wortkarger Frauenheld. In “Lost in Translation“ wird er zum grübelnden Filmstar, der die Nächte mit Whiskey in der Hotelbar in Tokio verbringt.

So sonderlich wie seine Film-Charaktere ist Murray auch selbst, zumindest gemessen an den üblichen Umgangsformen in Hollywood. Er hat keinen Manager, keinen Sprecher, keine Handynummer, auf der man Rollenangebote und Fragen hinterlassen kann. Er reist ohne Assistent, verzichtet auf eine Schar von Mitarbeitern und Anhängern. Er taucht auf, wenn es ihm passt, und das kommt selten vor. “Ich weiß nicht, wo er heute ist“, sagte sein Co-Star Robert Duvall Anfang August beim Interview mit “Time Magazine“ für den gemeinsamen neuen Film “Get Low“. Von Murray keine Spur. Auch die Hollywood-Premiere am Abend zuvor ging ohne den Star über die Bühne.

Drehbücher lässt sich der scheue Star an sein Postfach schicken. Wenn man Glück hat, taucht Murray irgendwann auf. Sofia Coppola musste ihren berühmten Vater Francis Ford Coppola einspannen, um Murray zu finden und ihn dann für ihr “Lost in Translation“-Skript zu gewinnen. Die Rolle des alternden Filmstars, der in Tokio einen Whiskey-Werbespot dreht, hatte sie Murray auf den Leib geschrieben. Scarlett Johansson spielt die einsame Ehefrau eines viel beschäftigten Fotografen, die dem Schauspieler immer wieder über den Weg läuft.

Als fünftes von neun Geschwistern wuchs Murray im US-Bundesstaat Illinois auf. Als Student schrieb er sich für Medizin ein, doch sprang wieder ab, nachdem er mit Marihuana erwischt und kurz festgenommen wurde. Sein komisches Talent testete er anfangs in einer Radioshow, dann bei der legendären NBC-Comedyshow “Saturday Night Live“, durch die Dan Aykroyd, John und James Belushi, Eddie Murphy und Dutzende Andere berühmt wurden.

In seiner ersten größeren Filmrolle kämpft er als Rasenpfleger auf einem Golfplatz gegen Maulwürfe an. “Caddy Shack“ (1980), über die Maroden reicher Golfspieler in einem Countryclub, wurde von Harold Ramis inszeniert. Der schrieb vier Jahre später das Drehbuch für “Ghostbusters - Die Geisterjäger“, Ivan Reitman brachte den Klamauk über drei Wissenschaftler (Murray, Dan Aykroyd und Ramis), die eine Firma zur Geisterbekämpfung gründen, auf die Leinwand.

Für “Und täglich grüßt das Murmeltier“ (1993) stand Ramis wieder hinter der Kamera, während Murray den arroganten TV-Wetterfrosch Phil mimt, der jedes Jahr über den “Groundhog Day“ aus Punxsutawney berichten muss und es hasst.

Seit 1998 drehte Murray dreimal mit dem Regie-Wunderkind Wes Anderson, nach “Rushmore“ die exzentrische Familiensaga “Die Royal Tenenbaums“, dann das skurrile Märchen “Die Tiefseetaucher“, in dem Murray als Meeresforscher Steve Zissou zu einer letzten großen Fahrt aufbricht. Dreimal trat Murray auch für Jim Jarmusch vor die Kamera, zuletzt 2009 in dem Roadmovie “The Limits of Control“. In dem Episoden-Streifen “Coffee and Cigarettes“ (2004) stürzt er als manischer Kaffee-Süchtiger das schwarze Gebräu gleich aus der Kanne herunter. In “Broken Flowers“ (2005) wandelt er auf den Spuren seiner amourösen Vergangenheit. Die besten Jahre als Frauenheld hat er hinter sich, woran ihn die Ex-Freundinnen Sharon Stone, Jessica Lange und Tilda Swinton erinnern.

Sein Privatleben hält Murray am liebsten unter Verschluss, nicht immer mit Erfolg. Jennifer Butler Murray, mit der er in zehn Jahren Ehe vier Kinder hatte, reichte 2008 die Scheidung ein. Sie hatte ihrem prominenten Gatten unter anderem Ehebruch, körperlichen Missbrauch und Drogenabhängigkeit vorgeworfen. Murrays erste Ehe mit Margaret Kelly ging nach 13 Jahren in die Brüche. Mit ihr hatte er zwei Kinder.

20 Jahre nach “Ghostbusters 2“ könnte Murray mit seinen Co-Stars Dan Aykroyd und Harold Ramis noch einmal auf Geisterjagd gehen. Schon im vorigen Winter ging die Nachricht durch Hollywood, dass die dritte Folge des alten Kultfilm in Arbeit seit. Kein Wort bislang, ob Murray selbst Hand anlegen wird.

dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare