Loki Schmidt ist tot

Hamburg - Die Ehefrau von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD), Loki Schmidt, ist tot. Sie ist am Donnerstag im Alter von 91 Jahren gestorben.

Trauer um Loki Schmidt: Die Frau des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt (SPD) ist in der Nacht zum Donnerstag im Alter von 91 Jahren in ihrer Heimatstadt Hamburg gestorben. Die energische und engagierte Naturschützerin und Stifterin setzte sich vor allem für gefährdete Pflanzen ein und kürte seit 1980 die “Blume des Jahres“. In diesem Jahr wählte ihre Stiftung die Moorlilie aus. Doch deren Bekanntgabe erlebte sie nicht mehr - sie folgte wenige Stunden nach ihrem Tod.

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Vertreter aus Politik und Gesellschaft zeigten sich bestürzt über den Tod der Hamburger Ehrenbürgerin und Autorin, die zahlreiche Auszeichnungen erhalten hatte. So war sie unter anderem Ehrensenatorin der Universität und erhielt auch eine Ehrenprofessur. In Hamburg wurde Trauerbeflaggung angeordnet, am Freitag liegen Kondolenzbücher im Rathaus aus. Eine Trauerfeier in der Hauptkirche St. Michaelis, dem “Michel“, ist geplant.

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Loki Schmidt lebte bis zuletzt mit ihrem Mann in ihrem Reihenhaus im Stadtteil Langenhorn. Dort war die 91-Jährige Ende September gestürzt und hatte sich den Fuß gebrochen. Nach einer Operation entließen die Ärzte sie Anfang Oktober nach Hause. Ihre Tochter Susanne sei in der Todesnacht bei ihr gewesen, sagte eine Sprecherin von Altkanzler Schmidt. Helmut Schmidt selbst sei in Berlin gewesen und am Morgen in die Hansestadt zurückgekehrt. “Für mich war sie wirklich die unverzichtbare Stimme des Volkes. Ich bin immer noch so stolz auf sie“, hatte er erst kürzlich in einem Interview mit dem “Hamburger Abendblatt“ über seine Frau gesagt.

Bundespräsident Christian Wulff nannte den Tod von Loki Schmidt einen “großen Verlust für uns alle“. Er sprach ihrem Ehemann seine tief empfundene Anteilnahme aus. “Für mich, aber auch für alle anderen, die ihr begegnet sind, war Ihre Frau eine eindrucksvolle Persönlichkeit“, schrieb Wulff. “Sie war, wenn ich das so ausdrücken darf, auf eine souveräne Weise bescheiden.“

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel würdigte Loki Schmidt als außergewöhnliche, eigenständige Persönlichkeit. “Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands trauert um Loki Schmidt. Die Nachricht von ihrem Tod bewegt uns alle sehr.“ SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier würdigte Loki Schmidt als “beeindruckende Frau“: “Ihr war wichtig, was ist, noch wichtiger, was wird. Schule und Erziehung lagen ihr deshalb genau so am Herzen wie Natur und Umwelt“, sagte Steinmeier der “Bild“-Zeitung (Freitag). “Sie war geradeheraus, hatte Witz und Herz. Wir werden sie vermissen.“

Mit großem Bedauern reagierte auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP): “Mit ihr verlieren wir eine engagierte Staatsbürgerin im besten Sinne, die an der Seite ihres Mannes die Nachkriegsgeschichte Deutschlands miterlebt und mitgeprägt hat“, erklärte Westerwelle. “Ihr frühes Eintreten für Umwelt und Naturschutz hat die öffentliche Wahrnehmung für diese Fragen geweckt und geschärft. Meine Gedanken sind in diesen Stunden bei ihrem Mann und ihren Angehörigen.“

Erschüttert reagierte der Geschäftsführer der Loki Schmidt Stiftung, Axel Jahn. “Wir werden sie furchtbar vermissen. Sicher ist, dass wir das Erbe von Loki Schmidt fortsetzen wollen.“ Auch die Nachbarschaft der Schmidts trauerte um die beliebte 91-Jährige. Vor dem Haus legten Hamburger bereits kurz nach Bekanntwerden des Todes Blumen nieder und gaben Briefe ab.

Als Tochter eines Werftarbeiters kam Hannelore Glaser 1919 in Hamburg zur Welt und nannte sich selbst bald “Loki“. Nach dem Abitur musste sie 1937 zunächst zum Arbeitsdienst. Ihr Wunsch, Biologin zu werden, scheiterte an den Studiengebühren. Später studierte sie Pädagogik und war bis 1972 Lehrerin. 1942 heiratete sie Helmut Schmidt, mit dem sie schon seit ihrer Schulzeit befreundet war. Im Mai 1944 wurde ein Sohn geboren, der noch im Säuglingsalter starb. Drei Jahre später folgte die Geburt von Tochter Susanne.

Die Repräsentationspflichten einer Kanzlergattin in Bonn übernahm die Hamburgerin 1974 mit gemischten Gefühlen. Auch damals ging sie lieber in den Botanischen Garten als auf Empfänge.

Loki Schmidt liebte das Reisen: In den 70er und 80er Jahren begleitete sie junge Wissenschaftler der Max-Planck-Gesellschaft auf ihren abenteuerlichen Expeditionen in die entlegensten Winkel der Welt. Daran dachte sie später gern zurück, wenn sie mit den Gebrechen des Alters haderte: “Wat hebbt wi nich allns sehn“, sagte sie im schönsten Hamburger Platt zu Reinhold Beckmann für das Buch “Erzähl doch mal von früher“.

Einen besonderen Blick hatte die Frau des Altkanzlers aber nicht nur für seltene Pflanzen. Schon lange vor den “Grünen“ machte sich die Frau mit dem charakteristischen Kurzhaarschnitt für den Umweltschutz stark. Dabei nutzte sie als Frau Helmut Schmidts die Möglichkeiten, öffentlichkeitswirksam tätig zu sein. Fast schon legendär waren die Auftritte des berühmten Hamburger Paares mit Zigarette - trotz Rauchverbots.

In ihrem 90. Lebensjahr wurde “Loki“ mit ihren Lebenserinnerungen “Erzähl doch mal von früher“ noch zur Bestsellerautorin, erst Anfang des Monats erschien ihr Buch “Auf dem roten Teppich und fest auf der Erde“.

dpa

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