Wutrede entsetzt Talkmasterin

Maischberger (ARD): Gast rastet nach Frage völlig aus - "Großes Arsch..."

Nach der Tirade des Kabarettisten Jürgen Becker versucht Sandra Maischberger noch das Schlimmste zu verhindern - vergeblich.

  • Bei „maischberger. die woche“ ging es unter anderem um um die Lage der Kurden und den Brexit
  • Kabarettist Jürgen Becker fiel mit einer Schimpftirade gegen Donald Trump auf
  • Grünen-Politiker Cem Özdemir wetterte gegen Erdogan und die türkische Nationalmannschaft

Berlin - Als die Sprache auf Donald Trump kommt, kann sich Kabarettist Jürgen Becker (60) nicht mehr beherrschen. „Der Trump, das ist ein so großes Arschloch, da können Sie mit dem Lkw durchfahren!“ Er poltert so ungefiltert los, das ModeratorinSandra Maischberger (53) mit beinah schmerzverzerrtem Gesicht Richtung Regie schaut: „Können wir da einen Beep drüberlegen?“ 

Doch die Regie legt keinen Beep drüber, im Gegenteil: Am Tag nachdem die Sendung „maischberger. die woche“ im Ersten gelaufen ist, veröffentlicht die Redaktion die Tirade in einem Clip auf Facebook - mit dem Hinweis: „Kabarettist Jürgen Becker regt sich leidenschaftlich darüber auf – und findet, nun ja, deutliche Worte für den US-Präsidenten...“

Jürgen Becker wütet gegen Donald Trump - er habe die Kurden verraten

Doch warum ist der Kölner Spaßmacher Jürgen Becker eigentlich so sauer? 

Es geht um den Rückzug der US-Armee aus den Kurdengebieten in Nordsyrien. Dass Trump seine ehemaligen Verbündeten im Stich lässt und sie damit den Truppen des türkischen Präsidenten Erdogan ausliefert, findet Becker ein Unding: Die Kurden hätten den IS bekämpft und damit für die Sicherheit des gesamten Westens gesorgt - jetzt lasse man sie fallen wie eine heiße Kartoffel. 

Maischberger-Redaktion postet Beckers Ausraster auf Facebook

„Das ist so als bitte man einen Freund, die schwere Waschmaschine in den fünften Stock zu schleppen - und oben tritt man ihn in den Arsch und ruft nochmal hinterher: ‚Wenn du unten bist, bring das Klavier auch noch hoch.‘“ 

Auf Facebook trifft das Donnerwetter des „Mitternachtsspitzen“-Moderators auf geteiltes Echo: Manche pflichten ihm bei: „Bravo Becker!“ und „Maischberger zier dich nicht so! Trump ist ein Ashole ... ����“, schreibt ein Mann. Andere ärgern sich, nennen Becker „selbstverliebt“, seinen Auftritt „daneben“. Allerdings beziehen sich nur die wenigsten auf den Inhalt von Beckers Worten und die Situation der Kurden. 

Wer war sonst noch bei „maischberger. die woche“ eingeladen?

Neben Jürgen Becker diskutierten auch diese Gäste am Mittwoch mit Moderatorin Sandra Maischberger:

  • Katarina Barley (SPD, 50), Ex-Justizministerin und Vizepräsidentin des EU-Parlaments
  • Axel Thill (65), deutsch-britischer Ex-Investmentbanker von der britischen Brexit-Partei
  • Cem Özdemir (B‘90/Grüne, 53), Bundestagsabgeordneter und Ex-Grünenchef
  • Katharina Nocun (33), Netzaktivistin und Ex-Piratin
  • Christoph von Marschall (60), Diplomatischer Korrespondent des "Tagesspiegel", der Bücher über Barack und Michelle Obama schrieb.

Cem Özdemir wettert gegen türkischen Präsidenten Erdogan

Und auch die anderen Gäste ziehen an diesem Abend ordentlich vom Leder: Vor allem Grünen-Politiker Cem Özdemir wird sauer, sobald es um Erdogan und dessen Einmarsch nach Nordsysrien geht. Als Sandra Maischberger mit gespielter Unschuld fragt, warum die türkischen Fußballer nicht vor internationalen Spielen salutieren und kein „patriotisches Gefühl“ haben sollten, ruftÖzdemir erregt: „Weil das ein völkerrechtswidriger Krieg ist! Weil dort brutalste Menschenrechtsverletzungen stattfinden.“

Der ehemalige Grünen-Chef stört sich schon lange an der nachsichtigen Haltung der Bundesregierung gegenüber dem türkischen Machthaber, den er erst kürzlich als „Operetten-Sultan“ mit „Allmachtsfantasien“ bezeichnet hatte. Erdogan wiederum schimpfte Cem Özdemir einen „sogenannten Türken“ und empfahl ihm, er solle einen Bluttest machen lassen.

Ex-Grünen-Chef Cem Özdemir fordert mehr Rückgrat gegenüber dem türkischen Staatspräsident Erdogan.

Naues Format „maischberger. die woche“ soll Abwechslung bringen

Um was es sonst noch ging? So einiges. Schließlich ist Maischbergers neues Talk-Format so aufgebaut, dass die Gäste über mehrere aktuelle Themen der Woche sprechen sollen - statt wie früher nur über eines pro Sendung. Sandra Maischbergers Talkshow läuft seit dem Jahr 2003. Die Quoten der TV-Sendung waren zuletzt ähnlich wie bei anderen Polit-Talkformaten rückläufig - manche gehen davon aus, dass sich die Formate zu sehr ähneln. 

Ob sich das jetzt ändert, ist unklar: 1,24 Millionen Zuschauer schalteten am Mittwoch ein. Das entspricht einem Marktanteil von 8,6 Prozent. Markus Lanz erreichte dagegen am selben Abend 1,32 Millionen Zuschauer.

Große Themen werden nur angeschnitten: Brexit, Klimaproteste und Antisemitismus

Das neue Format führt in jedem Fall dazu, dass die sechs Gäste mal mehr und mal weniger niveauvoll über diverse Mega-Themen diskutieren, die sie letztlich aber alle nur kurz anschneiden können. Es geht um den Brexit, um die Klimabewegung, um den Anschlag in Halle und den wachsenden Antisemitismus.

Da schimpft der Ex-Investmentbanker Axel Thill auf die EU und wirft der SPD-Europaabgeordneten Katarina Barley vor, ihre Partei verbreite Lügen, woraufhin sie ihm und seinen Brexiteers Rückwärtsgewandheit vorwirft: „Diese Nostalgie, früher war es besser, hört man ja oft.“

Journalist fordert Abgrenzung von Höckes „Flügel“ bei der AfD

Da fordert Tagesspiegel-Journalist Christoph von Marschall „klare Angrenzung“ von politischen Brandstiftern wie dem sogenannten AfD-„Flügel“ unter Björn Höcke, und KabarettistJürgen Becker beweist, dass es nicht unbedingt eine gute Idee ist, über Antisemitismus zu reden, ohne Menschen einzuladen, die von ihm betroffen sind. 

Als Becker erzählt, er bemerke den wachsenden Antisemitismus, „weil wir auch Kabarett in Synagogen machen“ und die Sicherheitskontrollen da so streng seien wie am Flughafen, ist das dem Ausmaß des Problems nicht wirklich angemessen. 

Kabarettist Jürgen Becker hatte bei Maischberger zu allem was zu sagen.

Jürgen Becker fordert 10 Euro Belohnung fürs Schwarzfahren

Schon eher landet Jürgen Becker beim Klimathema einen Coup - zumindest dem Lachen und Applaus im Publikum nach zu urteilen: „„Fürs Schwarzfahren zahlen Sie 60 Euro, fürs Falschparken nur zehn. Das müsste eigentlich umgekehrt sein, man müsste beim Schwarzfahren sogar 10 Euro bekommen“, findet der Gründer der Kölner „Stunksitzung“. 

Journalist Christoph von Marschall sieht derweil ein Stadt-Land-Gefälle bei den Klimaprotesten: Dabei gingen vor allem „Töchter und Söhne aus den Häusern der Besserverdienenden“ auf die Straße. Doch „von den Lehrlinge aus den Berufsschulen in der Provinz geht keiner am Freitag demonstrieren!“ Woher der Berliner Redakteur mit Adelstitel das so genau weiß, bleibt im Dunkeln - wie leider auch vieles anderes nach dieser etwas chaotischen Sendung. 

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Bernd Lucke wird bei „maischberger.die woche“ scharf kritisiert. Der AfD-Gründer will das nicht so stehen lassen.

Rubriklistenbild: © Monika Skolimowska dpa (Fotomontage)

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