Kinderschänder auch Leichenschänder?

Savile: Schmuck aus Leichenaugen?

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Jimmy Savile starb bereits 2011.

London - Über Jimmy Savile kommen nach seinem Tod immer schrecklichere Details seiner Sex-Verbrechen zutage. Sogar vor Leichen soll der einst so beliebte BBC-Moderator keinen Halt mehr gemacht haben.

Was ist mit einem Prominenten los, der Kinder und Teenqager, Alte und Kranke vergewaltigt? Der sich sogar an Leichen vergangen haben soll und damit brüstete, ihre Glasaugen als Schmuck zu tragen? Der sich Autogrammwünsche mit Zungenküssen blutjunger Mädchen bezahlen ließ? Jimmy Savile, ehemals Star-Moderator bei der BBC in Großbritannien, wird diese Frage nicht mehr beantworten können. Er starb 2011, ein Jahr bevor die fast unglaublichen Vorwürfe gegen ihn öffentlich wurden.

Das staatliche britische Gesundheitswesen NHS hat mit einer eigenen Untersuchung nun noch einmal grausame Details aus dem kriminellen Leben des einstigen Lieblings der britischen Fernsehnation enthüllt. Zuvor hatten die Berichte von Polizei und Kinderschutzorganisation bereits für einen Aufschrei in Großbritannien gesorgt, wo der schrille Savile einst auch als Wohltäter verehrt wurde.

In Krankenhäusern ging er ein und aus

Savile hatte sich offenbar schon als junger Mann in den 1960er Jahren Zugang zu Krankenhäusern verschafft. Erst arbeitete er als Freiwilliger, später, inzwischen berühmt, bekam er sogar Management-Aufgaben übertragen - und vor allem Schlüssel zu Sicherheitsabteilungen ausgehändigt. Die Krankenhausleitung in Broadmoor habe sich erhofft, den Ruf der streng gesicherten psychiatrischen Anstalt mit der Prominenz Saviles aufzupolieren. Das ging daneben.

In Leeds hatte Savile ebenfalls jahrzehntelang sein Unwesen getrieben - in Patientenzimmern, Personalräumen oder seinem vor der Klinik geparkten Wohnmobil. „Der früheste Fall datiert aus dem Jahr 1962, als Savile 36 Jahre alt war, der letzte aus dem Jahr 2009, als er 82 war“, heißt es in dem NHS-Bericht. Eine Zeugin habe sich erinnert, wie er sich rühmte, sich an Leichen vergangen zu haben, sagte Sue Proctor, die die Ermittlungen leitet. Die Vorwürfe kursieren bereits seit längerer Zeit - sie werden jedoch wohl nicht mehr bewiesen werden können.

Hunderte Opfer jahrelang ignoriert

Als die Kinderschutzorganisation NSPCC in Zusammenarbeit mit der Londoner Polizei vor rund vier Wochen schilderte, wie Jimmy Savile Kinder im Alter von nicht mehr als zwei Jahren missbraucht hatte, schien der schauderhafte Höhepunkt der Story um den früheren BBC-Star erreicht. Seit zwei Jahren schwelen die Ermittlungen und Enthüllungen. Hunderte Betroffene meldeten sich Jahrzehnte nach den Taten zu Wort. Sie berichteten von Vergewaltigungen, unsittlichen Berührungen, und verbalen Entgleisungen.

Was aus heutiger Sicht fast noch schwerer wiegt: Man hat ihn gewähren lassen. Innerhalb der BBC hat es eine Kultur des Wegschauens einerseits und des Mitmachens andererseits gegeben. Mit Rolf Harris und Gary Glitter stehen weitere Prominente wegen Sexualstraftaten vor Gericht. Viele wussten oder ahnten von den Umtrieben - keiner hat es öffentlich gemacht. Im Gegenteil: In den Krankenhäusern mussten Patienten fürchten, nicht sachgemäß behandelt zu werden, würden sie plaudern.

Konsequenzen in der BBC

Bei der BBC rollten inzwischen Köpfe. Die Affäre und ihre anschließenden Verwicklungen haben George Entwistle den Intendantenposten gekostet und erhebliche strukturelle Veränderungen ausgelöst. Für die Verfehlungen im NHS entschuldigte sich Gesundheitsminister Jeremy Hunt persönlich. Ehrlichkeit und Offenheit, über das was passiert ist, sollten nun wenigstens das Leid der Opfer ein wenig lindern, sagte der Minister. Die Autorin des NHS-Berichts, Kate Lampard, schrieb: „Die Opfer haben ein Recht auf eine Erklärung, was ihnen zustieß.

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dpa

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