Jackson-Prozess: Harte Nuss für Murrays Verteidiger

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Für Conrad Murrays Verteidiger könnte die Popularität von Michael Jackson zum Verhängnis werden.

Los Angeles - Für die Verteidiger des wegen fahrlässiger Tötung von Michael Jackson angeklagten Arztes Conrad Murray könnte sich die immense Popularität des toten Popstars als Problem erweisen.

Murrays Anwälten stehe eine Herkulesaufgabe bevor, sagte der Strafverteidiger Harland Braun, der selbst in der Vergangenheit Prominente und Ärzte vor Gericht vertreten hat. “Wie sollen Geschworene wieder in der Gesellschaft akzeptiert werden, wenn sie ihn freisprechen?“, fragt Braun. “Der Fall ist eine harte Nuss.“ Anwalt Steve Cron, der ebenfalls bereits medizinische Fälle übernommen hat, erläutert, dass Murrays Verteidiger in dieser Woche Unmengen an Beweismaterial erhalten werden, das die Polizei in Los Angeles während ihrer fast achtmonatigen Ermittlungen sammelte.

Die Beerdigung von Michael Jackson auf dem Forest-Lawn-Friedhof

Die Beerdigung von Michael Jackson auf dem Forest-Lawn-Friedhof

“Man kann davon ausgehen, dass es zehntausende Seiten Berichte sowie CDs, Videos, Telefondaten und Fotos gibt. Sie werden seine Behandlungsunterlagen ansehen, Durchsuchungsbefehle und Berichte über jede Person, die befragt wurde“, sagt Cron. Auch Jacksons Umgang mit dem Arzt und seine mutmaßliche Forderung, das Narkosemittel Propofol verabreicht zu bekommen, dürften eine Rolle spielen. “Ein schlechtes Ergebnis ist nicht gleichbedeutend mit schlechter ärztlicher Praxis“, sagt Cron. “Sie werden einen Experten finden, der sagen wird, dass Murray einen schwierigen, anspruchsvollen Patienten hatte, der schlafen musste, und dass er getan hat, was vernünftig war.“

Jackson starb am 25. Juni im Alter von 50 Jahren überraschend in seinem Anwesen in Bel Air. Murray hat zugegeben, dem an Schlafstörungen leidenden King of Pop kurz vor dessen Tod Propofol und andere Beruhigungsmittel verabreicht zu haben, um ihm zum Einschlafen zu verhelfen. Aber nichts von dem hätte Jackson töten dürfen, erklärte der Arzt. Die Anklage dagegen wirft ihm vor, “ohne die nötige Vorsicht und Umsicht“ vorgegangenen zu sein, als er Jackson Propofol verabreichte. Das Mittel führte laut Autopsiebericht zu seinem Tod.

Aussagen gegen hohe Bezahlung

Der Kardiologe schloss für die mit monatlich 150.000 Dollar (110.000 Euro) dotierte Stelle als Leibarzt bei Jackson seine Praxen in Houston und Las Vegas, um sich voll auf die Betreuung Jacksons zu konzentrieren und ihn auf Reisen zu begleiten. Der Popstar bereitete sich zu dieser Zeit auf eine Serie von Comeback-Konzerten in London vor. In dem Prozess dürften unter anderem Experten mit Aussagen über den Einsatz von Propofol zu Wort kommen. Normalerweise findet es bei Operationen in Krankenhäusern Verwendung. Zeugen der Anklage dürften argumentieren, dass es sich um eine grobe Fahrlässigkeit gehandelt habe, als das Mittel in einem Privathaushalt verabreicht wurde. “Es wird wahrscheinlich eine Schlacht der Experten“, sagt Strafverteidiger McGregor Scott aus San Francisco, der früher auch als Staatsanwalt arbeitete. “Wenn die Verteidigung einen Arzt mit tadellosem Ruf bringt, der sagt, dass das vernünftig war, könnte das angemessene Zweifel hervorrufen.“

Manche Beobachter fragen sich, ob sich Ärzte finden, die in solch einem umstrittenen Fall zugunsten von Murray aussagen. Doch Scott sieht da kein Problem: “Es lässt sich immer ein Experte finden.“ Er räumt aber ein, dass solche Experten für ihre Aussage oft eine hohe Bezahlung fordern. Dass sich Murray in finanziellen Schwierigkeiten befindet, ist bekannt und war der Grund dafür, dass er überhaupt die Stelle bei Jackson annahm. Als Jackson starb, war die erste Zahlung von 150.000 Dollar noch nicht bei Murray eingegangen. 

Hochkarätiges Verteidigerteam

Die Negativschlagzeilen führten dann dazu, dass er seine Praxen in Houston und Las Vegas schließen musste, während sich seine laufenden Kosten summierten. Erst kürzlich eröffnete Murray seine Praxis in Houston wieder. Die Gesundheitsbehörden in Kalifornien haben angekündigt, ihm die Lizenz zu entziehen. Sollten andere Staaten dem Beispiel folgen, könnte sich seine finanzielle Lage weiter verschlechtern.

Dennoch hat Murray ein eindrucksvolles Team aus drei Anwälten engagiert. Neben Chefverteidiger Ed Chernoff zählen dazu Michael Flanagan, der in der Vergangenheit eine Krankenschwester in einem Propofol-Fall vertrat, und Joseph Low, der zwei Marineinfanteristen verteidigt hat, die unter dem Vorwurf von Kriegsverbrechen im Irak vor einem Militärgericht standen. Die nächste Anhörung Murrays ist für den 5. April geplant.

DAPD

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