Harald Schmidt versteigert Requisiten

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Zuschauermagnet Harald Schmidt war zu Gast im Schauspielhaus Stuttgart.

Stuttgart - Zuschauermagnet Harald Schmidt war zu Gast im Schauspielhaus Stuttgart. Dort versuchte er nach allen Regeln der Kunst dem Publikum Geld aus den Taschen zu ziehen.

Harald Schmidt hatte Großes vor. Bei einer Kunstauktion am vorläufig letzten Abend im Stuttgarter Schauspielhaus - es wird für 27 Millionen Euro saniert - wollte er den Besuchern dicke Geldbatzen als Spenden für einen guten Zweck entlocken. Er wollte Schluss machen mit dem Vorurteil von sparsamen Schwaben. “Ich befreie diese Stadt von ihren Minderwertigkeitskomplexen“, rief er am Sonntagabend kurz vor dem einjährigen Toresschluss des Hauses. Doch die meisten Geldbörsen blieben stecken. Einziger Käufer, der einen vierstelligen Betrag investierte, war Chefzyniker Schmidt selbst. Er kaufte ein Bild, auf dem er zu sehen ist.

Unter den Hammer kam sperrige, schrille Theater-Requisite: Ein riesiger künstlicher Hirschkopf samt Geweih (Schmidt: “Le Corbusier für Arme.“) brachte es auf 310 Euro, ein etwa sieben Quadratmeter großes Übungsbild einer Bühnenmalerin auf 250 Euro. Als ein dunkles Tuch mit einem Harald-Schmidt-Konterfei aus dem Stück “Elvis lebt“ angeboten wurde, nutzte der Entertainer die Chance zum Klotzen statt Kleckern. “500 Euro? Ich biete 1000. Ist weg.“ Auf Großbieter aus dem Publikum wartete er vergeblich - nur Schauspiel-Intendant Hasko Weber und Schauspielerin Corinna Harfouch per Telefon stiegen ins Rennen ein.

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Schmidts ironische Suche nach korrupten Kunstmäzenen blieb ergebnislos: “Ich wende mich an Menschen, die auch in Naturschutzgebieten Baugenehmigung erhalten haben.“ Wie üblich bewies der 52-jährige seine rhetorische Schlagfertigkeit: Vier Theaterstühle aus der ersten Zuschauerreihe pries er als fast unbenutzt an. “Die sind im top Zustand, die waren seit Januar doch so oft frei.“ Und wenn doch einer drin gesessen habe, dann sei er schon 20, 25 Minuten nach Vorstellungsbeginn wieder gegangen.

Später übte er sich in derber Beschimpfung des Publikums, das sonst doch jeden Schrott kaufe - warum also nicht jetzt zugreifen? Zaghafter Widerspruch aus den Zuschauerreihen verhallte angesichts des Lärmpegels im Raum ungehört. “Wichtig beim Protest: Immer ins Mikrofon reden. Da sind schon viele Revolutionen dran gescheitert“, frotzelte das TV-Lästermaul.

Am Ende kamen 2720 Euro für fünf Auktionsobjekte zusammen. Das Geld geht an ein Projekt für Schulen in sozialen Brennpunkten. “Ein Stuttgarter Brennpunkt heißt in Köln Wellnessgebiet“, scherzte Schmidt bissig.

Harald Schmidt singt Frank Sinatra

Zuvor war als letzte Vorstellung vor der Sanierung des Schauspielhauses Harald Schmidts Hamlet-Musical “Der Prinz von Dänemark“ gezeigt worden, das 2008 Uraufführung gefeiert hatte. Die schrille Shakespeare-Version mit Schlagern von Katja Ebstein oder Udo Jürgens begeisterte die rund 800 Zuschauer. Harald Schmidt war als Oberkämmerer Polonius zu sehen. Hinter einem Vorhang wird er von Hamlet niedergestochen, sterbend singt er einen Frank-Sinatra-Liedtext: “And now the end is near, and so I face the final curtain“ (Deutsch: Nun ist das Ende nah, und ich sehe dem letzten Vorhang entgegen).

Der nächste Vorhang im Schauspielhaus wird sich vermutlich im Herbst 2011 heben, wenn der Umbau abgeschlossen sein soll. Dann hat das Haus nach den aktuellen Plänen eine Kapazität von 700 Plätzen, 150 weniger als bisher. Die Zuschauerreihen steigen steiler in die Höhe, damit das Publikum einen besseren Blick hat. Auch die Akustik wird verbessert sowie Beleuchtung, Musikanlage und Bühnentechnik erneuert. Für die Spielzeit 2010/11 wird das Schauspiel Stuttgart in ein ehemaliges Fabrikgelände ausgelagert.

dpa

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