Der Moderator kündigt an: „Es wird weniger werden mit mir im TV“

Günther Jauch: Gedanken ans Aufhören

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Günther Jauch will kürzer treten.

Hamburg - Günther Jauch gibt nicht viele Interviews. Wenn in der aktuellen Ausgabe des ZEIT-Magazins nun ein siebenseitiges Porträt über den RTL-Moderator erscheint, kann man davon ausgehen, dass Jauch etwas mitteilen wollte.

Und tatsächlich: So offen wie nie spricht der 53-Jährige über das Aufhören, über sein Leben jenseits von TV-Kameras, Quotendruck und Öffentlichkeit – und er kündigt an: „Es wird weniger werden mit mir im Fernsehen.“

Konkret wird Jauch nicht. Er sagt nicht, dass er 2010, 2011, 2015 oder wann auch immer hinschmeißen wird. Er sagt nicht, dass er nach zehn Jahren Wer wird Millionär? keine Lust mehr hat, Kandidaten gegenüberzusitzen und Fragen zu stellen. Er sagt auch nicht, dass er nach 20 Jahren genug hat von Stern TV. Aber Jauch macht sich so seine Gedanken: „Ich habe mal gesagt, zum Bednarz von RTL möchte ich nicht werden.“ 18 Jahre lang hatte Klaus Bednarz das ARD-Politmagazin Monitor präsentiert. Jauch: „Jetzt habe ich mal nachgeschaut: Ich mache Stern TV im 20. Jahr. Ich bin der Bednarz von RTL – nur ohne Pullover.“ Einer, der noch fünf, zehn, 15 Jahre weitermachen möchte, klingt anders.

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Seine Frau sage immer: „Finde den richtigen Moment, um Abschied zu nehmen“, erzählt Jauch. „Aber was ist der richtige Moment? Muss jemand vom Sender sagen: ,Gehen auch ein paar Auftritte weniger?‘ Oder: ,Wir wollen’s gar nicht mehr?‘ Oder ist der richtige Moment, wenn man es gelassen sieht und sagt: Solange ihr mich noch wollt, machen wir es, nehmen uns aber vor, dass nicht groß geweint wird, wenn’s zu Ende geht?“ Die Quoten von Wer wird Millionär? sind immer noch gut, aber nicht mehr herausragend.

Jauch, Vater von vier Töchtern, hat den richtigen Moment für den Abschied noch nicht gefunden. Wenn man bei RTL nachfragt, wie die Gedanken ans Aufhören zu deuten sind, bekommt man ein Statement von Günther Jauch aus einem anderen aktuellen, vom Sender anlässlich des zehnten Geburtstags von Wer wird Millionär? geführten Interview: ,Was wünschen Sie sich für die Zukunft?‘ lautet da die Frage. Und die Antwort: „Dass es mit Wer wird Millionär? noch ein bisschen so weitergeht. Ich glaube nicht, dass ich noch mal zehn Jahre voll bekomme… Aber ich habe immer noch sehr viel Spaß und schleppe mich nicht hin.“ Er schleppt sich nicht hin also. Euphorie klingt auch anders.

Aber was sind, was wären Jauchs Alternativen? Doch zur ARD? Kontakt zum öffentlich-rechtlichen Sender gibt es auch nach dem gescheiterten Wechsel vor drei Jahren noch. Den Sonntagstalk, den er seinerzeit von Sabine Christiansen übernehmen sollte, hat er allerdings abgehakt. „Ich sitze am Wochenende oft herum und denke, och, jetzt müsste ich Spiegel, ZEIT, Focus, FAS durchackern, mich auf das Thema vorbereiten. Ist doch ganz angenehm, dass es nicht so ist.“

Oder in die Politik? Immerhin ist er in seiner Potsdamer Wahlheimat sehr engagiert, zu den beliebtesten Deutschen gehört er ohnehin, und Umfragen ergeben immer wieder, dass sich viele ihn als Bundespräsidenten wünschen. „Ich gebe zu“, sagt Jauch, „dass ich ein Faible für Seiteneinsteiger in die Politik habe.“ Andererseits sei der politische Alltag mit Fraktionsdisziplin und so nichts für ihn.

Oder Jauch wird einfach Privatmensch. Nach 30 Jahren im Geschäft und, das darf man wohl unterstellen, kompletter finanzieller Unabhängigkeit, könnte er sein Familienleben genießen, in der Weltgeschichte rumreisen und es sich gutgehen lassen. Aber – könnte er das wirklich? Er, der immer viel gearbeitet hat, immer im Rampenlicht stand und eine Produktionsfirma mit über 100 Angestellten führt? „Ich bilde mir ein“, sagt Jauch, „dass ich ein Leben jenseits des Fernsehens führen könnte.“ Aber er wählt den Konjunktiv „könnte“. „Weil ich es nicht weiß.“ Im Fernsehen, sagt er an anderer Stelle, sei doch alles leichter als im Leben.

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