1. Konzert nach ESC-Sieg

Conchita Wurst trifft Kanzler Faymann

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Der österreichische Kanzler Werner Faymann ist stolz auf Conchita Wurst.

Wien - Große Ehre für Conchita Wurst: Die ESC-Gewinnerin 2014 ist am Sonntagnachmittag vom österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann empfangen worden. Kritiker sehen darin auch eine Gefahr.

Als Bundeskanzler habe er oft die Gelegenheit, jemandem zu danken, sagte Faymann. Dieser Moment sei aber etwas Besonderes: "Auf das, was Sie beim Song Contest erreicht haben, sind die Österreicherinnen und Österreicher stolz." Dabei gehe es nicht nur um die künstlerische Darbietung, sondern auch um die Botschaft von Toleranz, Liebe und Lebensfreude.

Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) sieht in Conchitas Sieg bereits einen Auftrag an die Politik: „Es ist unsere Aufgabe, mit Hilfe dieser starken Stimme gesellschaftspolitisch zu mehr Respekt beizutragen“, meint er. Das betreffe nicht nur Heterosexuelle gegenüber Homosexuellen, sondern grundsätzlich Mehrheiten gegenüber Minderheiten.

Es bedeute ihr außerordentlich viel, dass es möglich sei, an eine Zukunft ohne Diskriminierung und Hass zu glauben, sagte die Kunstfigur des österreichische Travestiekünstlers mit dem bürgerlichen Namen Tom Neuwirth.

Ende der ESC-Wurststrecke: Österreich siegt - Bilder

Ende der ESC-Wurststrecke: Österreich siegt - Bilder

Conchita Wurst sang vor knapp 10.000 Fans auf dem Wiener Ballhausplatz.

Nach dem Besuch im Kanzleramt der 25-Jährige sein erstes Konzert nach ihrem Sieg beim Eurovision Song Contest. Bei bedecktem Himmel sang Wurst am Sonntag vor knapp 10.000 Fans Fans auf dem Wiener Ballhausplatz gleich zweimal ihren Parade-Song „Rise Like A Phoenix“, der ihr vor gut einer Woche beim ESC in Kopenhagen Platz eins eingebracht hatte. Auch der Celine-Dion-Song aus dem Katastrophendrama „Titanic“, „My Heart Will Go On“, stand auf dem Programm, ebenso wie der Cher-Hit "Do you believe".

Politik versucht Wurst zu vereinnahmen

Auf einen historischen Auftritt auf dem Balkon des Kanzleramts, über den zuvor spekuliert worden war, verzichtete die Dragqueen hingegen. Sie wolle viel lieber in die Menschenmenge, sagte sie. Die Zurückhaltung gegenüber dem offiziellen Österreich könnte aber noch einen anderen Grund haben. Nach einer Woche Conchita-Wahnsinn geht es längst auch um die Frage, wie sich Prominente und Amtsträger zur neuen „Königin von Österreich“ positionieren.

„Es wird eindeutig versucht, Conchita Wurst politisch zu vereinnahmen“, meint der Parteienforscher Thomas Hofer. Eine Woche vor der Europawahl wolle die Politik teilweise den Hype nutzen und etwas vom Glanz der Dragqueen abbekommen. „Es wird versucht, Themen hochzuziehen, die schon lange auf der Agenda einzelner Parteien standen“, stellt Parteienforscher Hofer fest. Statt dem Desaster der Hypo Alpe Adria bestimmt nun Conchita Wurst die Debatten in der Alpenrepublik kurz vor der EU-Wahl.

So freizügig präsentiert sich Conchita Wurst

So freizügig präsentiert sich Conchita Wurst

Vor zwei Jahren trat Wurst alias Tom Neuwirth noch in Werbespots der österreichischen Grünen auf. Nun sei die Botschaft eher in Richtung internationaler Weltpolitik gerichtet, betonte Conchita-Manager René Berto. Und Wurst selbst genießt in erster Linie den Auftritt vor den Regenbogenfahnen schwenkenden Besuchern mit angeklebten Conchita-Bärten in Wien.

dpa/afp

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