Fußball im Lockdown

FLVW-Vizepräsident Schnieders: „Die Kritik am Verband verstehe ich nicht“

FLVW-Vizepräsident Amateurfußball: Manfred Schnieders.
+
FLVW-Vizepräsident Amateurfußball: Manfred Schnieders.

Seit mittlerweile drei Monaten ruht der Spielbetrieb der Amateur- und Jugendfußballer. Auch Trainingseinheiten scheinen in Zeiten des Dauer-Lockdowns in weiter Ferne zu liegen.

Die Frustration wächst. Das bekommt auch Manfred Schnieders zu spüren. Als Vizepräsident Amateurfußball des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) ist er verantwortlich für den Spielbetrieb – zugleich aber stets daran gebunden, was die Politik in Zeiten der Corona-Pandemie vorgibt. Benedikt Ophaus sprach mit Schnieders über Videokonferenzen, Beschwerden der Klubs und einen möglichen Re-Start.

Wie sehr sehnen Sie sich nach einem regulären Spielbetrieb?
Ich sehne mich – wie wahrscheinlich alle Menschen – nach Normalität. Und dazu gehört natürlich auch der Amateurfußball. Die persönlichen Begegnungen und Gespräche auf dem Platz. Das Gemeinschaftsgefühl, das gerade in den unteren Ligen oftmals viel wichtiger ist als das Ergebnis. Das alles fehlt natürlich sehr. Es hilft aber nicht, sich immer wieder aufs Neue darüber zu beklagen. Wir müssen die Situation, die wir leider nicht ändern können, annehmen und hoffen, dass wir bald wieder ein normales Leben und dann auch einen regulären Spielbetrieb haben können.
Videokonferenzen dürften seit einigen Monaten nahezu täglich auf ihrem Programm stehen. Ist es immerhin ein positiver Nebeneffekt der Pandemie, dass der Kontakt zu den Vereinsvertretern so zugenommen haben dürfte?
Im vergangenen Jahr habe ich an rund 500 Videokonferenzen teilgenommen. Teilweise sechs, sieben Stück pro Tag. Das war schon ein Mammutprogramm. Seit Anfang Januar sind bestimmt noch einmal 50 Videokonferenzen dazu gekommen. Rund um den Saisonabbruch im Frühjahr war der Austausch mit den Vereinsvertreterinnen und -vertretern sehr intensiv und konstruktiv. Sobald abzusehen ist, dass es in diesem Jahr wieder losgehen kann, werden wir den Kontakt zu den Vereinen wieder aufnehmen und sie an allen Überlegungen zum weiteren Vorgehen teilhaben lassen. Bis dahin planen wir zum Beispiel auch digitale Vereinsdialoge, um uns mit Vereinen weiterhin auszutauschen.
Die Corona-Maßnahmen der Regierung orientieren sich stark an der sogenannten Sieben-Tages-Inzidenz. Sehen Sie einen bestimmten Wert, ab dem auch der Amateurfußball auf Lockerungen hoffen darf?
Nein. Die Entscheidung darüber, ab welchem Wert der Sport wieder auf Lockerungen hoffen darf, treffen allein die politischen Verantwortungsträgerinnen und -träger. Wie ich schon einmal betont habe, befinden wir uns seit Beginn der Pandemie in regelmäßigen Gesprächen mit der Staatskanzlei. Die Zusammenarbeit ist konstruktiv und partnerschaftlich. Es gibt derzeit aber noch keine Signale, die Lockerungen im Sport vorsehen.
Ein reguläres Saisonende ist längst utopisch geworden. Sobald 50 Prozent der Spiele absolviert worden sind, darf eine Liga gewertet werden. Denken Sie, dieser Wert kann noch überall erreicht werden?
Gerade in den Spielklassen auf Kreisebene gibt es zahlreiche Staffeln mit relativ wenig Mannschaften, welche die 50-Prozent-Hürde wahrscheinlich problemlos absolvieren werden. In den überkreislichen Klassen ist das ebenfalls nicht ausgeschlossen.
Haben Sie diese Hoffnung auch für die Oberliga mit ihren insgesamt 21 Mannschaften?
Auch in der Oberliga ist das Ziel nicht unerreichbar, wenngleich es natürlich schwieriger wird.
Würden Sie einer derart aufgeblähten Oberliga heute noch einmal zustimmen? Oder wäre es angesichts der Pandemie die bessere Entscheidung gewesen, mit zwei Staffeln zu starten?
Wir haben auf dem virtuellen Staffeltag vor der Saison verschiedene Modelle – unter anderem eine zweigeteilte Staffel oder eine Einfachrunde mit Play-Offs – vorgestellt und diskutiert. Letztendlich haben sich die Vereine mit 13:8 Stimmen für das reguläre Modell einer eingleisigen Staffel mit Hin- und Rückrunde entschieden. Dieses demokratische Votum der Klubs haben wir respektiert, auch wenn der Verband ein anderes Modell favorisiert hätte.
Werden nicht 50 Prozent der Spiele bestritten, wird die Saison annulliert. Fürchten Sie für diesen Fall Klagen von Klubs, die so den Aufstieg oder Klassenerhalt verpasst haben?
Nein, weil wir die Regelungen vor der Saison in unserer Spielordnung und den Durchführungsbestimmungen verankert haben. Insofern gibt es keine Grundlage für Klagen.
Da am Saisonende wohl nicht alle Mannschaften gleich viele Spiele absolviert haben werden, dürfte erneut eine Quotientenregelung greifen. Besteht im Saisonendspurt dann nicht die Gefahr erzwungener Spielabsagen durch vorgeschobene Corona-Kontakte? Jede Niederlage würde den Quotienten schließlich merklich sinken lassen.
Die Gefahr besteht. Aber auch hierfür werden wir Lösungen finden, die wir gemeinsam mit den Kreisen und Vereinen besprechen werden.
Einige Klubs, vor allem aus der Oberliga, haben zuletzt mangelnde Kommunikation seitens des Verbandes beklagt. Ein berechtigter Vorwurf?
Mit Beginn des aktuellen Lockdowns sind die Vereine im Ungewissen. Den Unmut darüber kann ich verstehen. Die Kritik an dem Verband dagegen nicht. Uns geht es nämlich derzeit nicht anders. Aktuell wissen wir auch nicht, wann und wie es weitergehen kann. Wir sitzen im selben Boot. In unseren Gremien machen wir uns ständig Gedanken darüber, wie ein Re-Start und der weitere Saisonverlauf aussehen könnte. In den nächsten Wochen werden wir die Vereine vermehrt an diesen Gedanken teilhaben lassen und uns ihre Meinung einholen. Wir werden die Klubs nicht vor vollendete Tatsachen stellen, sondern wie im Frühjahr aktiv bei der Entscheidungsfindung miteinbeziehen.
Vorerst ist der Spielbetrieb bis zum 31. Januar ausgesetzt. Wie sehen die weiteren Schritte durch den FLVW aus?
Die aktuelle Coronaschutzverordnung gilt bis zum 14. Februar. Bis dahin sind weder Trainings- noch Spielbetrieb möglich. Ich vermag nicht zu beurteilen, wie sich die Inzidenzzahlen bis dahin entwickeln und welche Maßnahmen dann von Bund und Ländern getroffen werden. Diese Hängepartie ist für uns und die Vereine alles andere als glücklich, aber nicht zu ändern. Wie gesagt: Wir werden in den nächsten Wochen Kontakt mit den Vereinen aufnehmen und Videokonferenzen zum aktuellen Stand durchführen.
Sie haben zuletzt eine Vorbereitungszeit von zwei Wochen vor einem möglichen Re-Start vorgeschlagen. Das ist einigen Vereinen zu wenig. Besteht bei nur zwei Wochen Vorbereitung nicht tatsächlich eine erhöhte Verletzungsgefahr?
Je länger die Pause, desto länger muss auch die Vorbereitungszeit sein. Wir haben stets von mindestens zwei Wochen gesprochen – mit der Option auf mehr. Dieser Nachsatz ist ärgerlicherweise von vielen Medien weggelassen und falsch in die Öffentlichkeit transportiert worden. Sobald abzusehen ist, wann es wieder los gehen kann, werden wir die Vereine aktiv in die Entscheidungsfindung zur Vorbereitungszeit miteinbeziehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare