Kein Spiel für Herz-Patienten

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Eins von neunen: Schalkes Ciprian Marica überwindet Ron-Robert Zieler zum 4:2.

GELSENKIRCHEN - Hätte Horst Heldt am Freitagabend ein Langzeit-EKG am Körper getragen, wäre es in der Aufzeichnung zwischen 20.30 und ca. 22.20 Uhr zu bemerkenswerten Ausschlägen gekommen. „Ein gewisser Achterbahn-Effekt, rauf und runter, aber nie ganz ruhig“, diagnostizierte Schalkes Manager später selbst und wusste, dass es kein besonders herzschonender Abend gewesen war.

Von Jens Greinke

„Ich glaube, erst nach dem Schlusspfiff hat sich der Puls etwas normalisiert“, so Heldt. Das spektakuläre 5:4 (1:0) der Schalker über Hannover 96 war wahrlich keine normale Bundesliga-Partie und vor allem nichts für schwache Herzen gewesen. Der überragende Lewis Holtby entschuldigte sich nach dem Schlusspfiff sogar bei allen, „die einen Herzschrittmacher tragen, sorry“. Der 22-jährige war an diesem Abend der Motor dieses in der zweiten Halbzeit fast unglaublichen Fußballspiels gewesen, das in einer Torflut geendet hatte. Die Hannoveraner hatten zunächst die 2:0-Führung durch Jefferson Farfan (44.) und Julian Draxler (49.) mittels Doppelschlag von Sergio Pinto (55.) und Szabolcs Huszti (59.) ausgeglichen. Doch den unbändig kämpfenden Schalker gelangen noch drei weitere Treffer durch Marco Höger (64.), Cirprian Marica (67.) und Holtby (88.). Die Niedersachsen gaben zwar ihr bestes, um erneut zum Ausgleich zu kommen, schafften es jedoch nur noch, zwei Mal den Anschlusstreffer durch Huszti (68.) und Mame Diouf (90. + 2) zu erzielen. Hannovers Coach Mirko Slomka war danach bedient und meinte ironisch: „200 Länder zugeschaltet, neun Tore – ich bin begeistert.“ Und ergänzte: „„Für einen Bundesliga-Trainer, der strategisch denkt, war das ein Desaster.“

Auf Schalker Seite war die Freude über den ersten Dreier nach zuvor sieben sieglosen Pflichtspielen zwar vorhanden, doch hielt sich die Euphorie angesichts der Torflut ebenfalls in Grenzen. „Vier Tore gehen mir etwas gegen den Strich“, meinte Mannschaftskapitän Benedikt Höwedes. Und der junge Julian Draxler bemerkte streng: „Wir haben einiges zu besprechen. Aber unter dem Strich zählen erst einmal die drei Punkte.“

Letzterer Aspekt galt vor allem für Jens Keller. Der 42-Jährige war vor seinem Bundesliga-Debüt als Schalker Trainer in manchen Medien bereits arg unter Druck gesetzt worden. Für Höwedes ein Unding: „Intern gab es keinerlei Diskussion über den Trainer oder unserer Vorbereitung, das muss ich ganz klar sagen“, meinte der Kapitän und ergänzte: „Der Trainer hat das absolute Vertrauen der Mannschaft.“ Keller selbst meinte: „Das war ein Wahnsinns-Fußballspiel. Nach dem 2:0 war ich sicher, dass wir das Spiel nach Hause schaukeln. Doch dann stand es plötzlich 2:2.“

Sowohl für Keller als auch für Heldt war es letztlich ein stressiger, aber heilbringender Abend. Das 5:4 könnte vielleicht sogar zum Fanal für die angestrebte Aufholjagd werden. In den nächsten beiden Partien warten mit dem FC Augsburg und der SpVgg Greuther Fürth nicht gerade Übermannschaften. Und Heldt bastelt weiter an der Verstärkung des Kaders. Auf der linken Offensiv-Seite wird offenbar weiter die Verpflichtung des Brasilianers Michel Bastos von Olympique Lyon angestrebt. Noch enger drückt der Schuh allerdings in der Schalker Defensive, wo sich der ein oder andere Fan wehmütig an Rafinha erinnert. Der ehemaliger Rechtsverteidiger der Schalker fristet sein Dasein bei den Bayern als Ergänzungsspieler.

Quelle: wa.de

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