Krachender Absturz

Schalkes 0:8 gegen Bayern als Anfang vom Ende: Vom Top-Klub zum Fast-Zweitligisten

Schalkes 0:8 im Hinspiel gegen den FC Bayern war der Anfang von Ende. Doch die Gründe für den krachenden Absturz der Königsblauen sind vielschichtiger.

Hamm - Der 18. September 2020 war der Anfang vom Ende. Am ersten Spieltag der laufenden Bundesliga-Saison kassierte der FC Schalke 04 eine 0:8-Klatsche beim FC Bayern in München. Was damals mit Wohlwollen noch als größerer Betriebsunfall hätte durchgehen können, hat sich längst zu einer bedrohlichen Lage ausgewachsen: Schalke steht vor dem Auftakt der Rückrunde als Tabellenletzter (acht Punkte Rückstand auf den Relegationsrang) vor dem Abstieg aus der Bundesliga.

VereinFC Schalke 04
TrainerChristian Gross
Stadion/ArenaVeltins Arena
OrtGelsenkirchen

Schalkes Entwicklung vom Top-Klub zum Fast-Zweitligisten: 0:8 als Anfang vom Ende

Im Heimspiel der Schalker gegen den FC Bayern am Sonntag (15.30 Uhr/Live-Übertragung vom S04 vs. FCB im TV und Stream) setzt keiner einen Pfifferling auf Königsblau, viel mehr geht’s im Vorfeld nur um die Höhe der Niederlage. Zur Erinnerung: Vor drei Jahren noch ist Schalke noch Zweiter hinter den Bayern geworden. Vom Top-Klub im Eiltempo zum Fast-Zweitligisten – was lief da schief in der Entwicklung?

Auf Schalke läuft nicht erst seit dieser Saison einiges verkehrt. Wirtschaftlich lebten die Knappen immer mal wieder über ihren Verhältnissen, kaschierten das aber durch nahezu regelmäßige Teilnahmen in der Champions League oder zumindest Europa League.

Mit etwas neidischem Blick zum Dauer-Rivalen wollten die Schalker ähnliches erreichen wie der BVB und sich endgültig in der Spitzengruppe etablieren. Mit Christian Heidel als Sportvorstand, der 2016 als Heilsbringer nach Gelsenkirchen wechselte. Doch das, was in knapp drei Jahren unter dem Ex- und jetzt Wieder-Mainzer – auch unter Vorgabe des Aufsichtsrates unter dem damaligen Vorsitzenden Clemens Tönnies – geschah, war der Anfang des krachenden Schalker Absturzes.

Schalkes krachender Absturz: Rekord-Transfers floppten allesamt

Christian Heidel sollte den Klub um jeden Preis – im wahrsten Sinne – weit nach oben führen. Er bekam viel Geld in die Hand, um in Beine zu investieren. Unterm Strich blieben viele Fehleinschätzungen und ein ziemlich missglücktes Scouting. Schalkes Rekord-Transfers Breel Embolo (26,5 Millionen Euro/jetzt Gladbach), Nabil Bentaleb (19 Millionen/zum x-ten Mal suspendiert) und Sebastian Rudy (16 Millionen) kamen alle unter Heidels Regie.

Keiner von ihnen war die erhoffte Verstärkung. Und auch wirtschaftlich erwiesen sich diese Einkäufe als Desaster. Keiner von ihnen brachte oder wird S04 bei einem Weiterverkauf nur ansatzweise wieder ähnliche Summen einbringen. Der Ex-Münchner Sebastian Rudy spielt aktuell erneut auf Leih-Basis für 1899 Hoffenheim, um nur eines der vielen Beispiele zu nennen.

Vom krachenden 0:8 zum Saisonstart beim FC Bayern haben sich die Schalker nicht mehr erholt.

Christian Heidel ist auf Schalke längst wieder Geschichte und hat einen riesigen Scherbenhaufen hinterlassen. Zusammenkehren sollte den Jochen Schneider. Immer mehr zeigt sich: Der aktuelle Sportvorstand der Knappen ist kein Mann für die erste Reihe.

Schalkes krachender Absturz: Auch Jochen Schneider leistete sich viele Fehlgriffe - vor allem bei Trainern

Den in ganz Europa begehrten Innenverteidiger Ozan Kabak lockte er – auch dank der Hilfe des mittlerweile wieder Ex-Kaderplaners Michael ­Reschke – nach Gelsenkirchen. Ansonsten bewies Schneider bei Spielern, aber noch viel weniger bei den Trainern ein glückliches Händchen. Nach dem Rauswurf des besonders bei den Fans beliebten Domenico Tedesco griff er sowohl bei David Wagner als auch beim nach wenigen Spielen gefeuerten Manuel Baum völlig daneben.

Hinzu kommt, dass die Corona-Krise die wirtschaftliche Lage noch einmal verschärft hat. Das Problem hat Schalke gewiss nicht exklusiv, doch bei den Knappen kommt das angesichts von über 200 Millionen Euro Verbindlichkeiten besonders zum Tragen.

Mittlerweile sind die Schalker so weit, dass sie einen Bau-Stopp für die Modernisierung ihres Vereinsgeländes (rund 100 Mio.) in Betracht ziehen. Es würden „natürlich auch unsere Großprojekte auf den Prüfstand“ gestellt, sagte Finanz-Vorständin Christina Rühl-Hamers dem Kicker.

Schalkes FInanz-Chefin: Ein Jahr 2. Liga wäre machbar - aber was dann?

Spätestens im Falle des Horror-Szenarios Abstieg muss noch viel mehr auf den Prüfstand – etwa die Rechtsform des eingetragenen Vereins, die längst nicht mehr mit den königsblauen Ansprüchen vereinbar ist. Geht der Kampf um den Klassenerhalt tatsächlich verloren, muss Schalke die Chance nutzen, um alles auf links zu drehen. Von Mannschaft über das Personal auf der Chef-Ebene bis hin zu den Klub-Strukturen.

Ein Jahr Zweitklassigkeit – das wäre verkraftbar, meinte die Finanz-Chefin. Aber: „Wer dauerhaft in der 2. Liga spielt, braucht keine Belegschaft, die auf internationales Geschäft zugeschnitten ist – aber das ist ja logisch.“ Dass es so weit kommen könnte, hätte nach der Vize-Meisterschaft vor drei Jahren wohl kaum jemand erwartet.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Matthias Balk

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