Fans erobern Verein zurück

Rücktritt von Tönnies: Schalke 04 durchbricht den ersten von zwei Teufelskreisen - Kommentar

Clemens Tönnies tritt mit sofortiger Wirkung von seinen Ämtern bei Schalke 04 zurück. Die Fans erobern ihren Verein zurück, die Zukunft jedoch sieht düster aus.

  • Clemens Tönnies tritt mit sofortiger Wirkung von seinen Ämtern bei Schalke 04 zurück.
  • Damit durchbricht der Verein den ersten von zwei Teufelskreisen.
  • Allerdings steht Königsblau offenbar vor der Zahlungsunfähigkeit. Das Handeln ist nicht nachvollziehbar.

Es war absehbar, nur der Zeitpunkt war noch fraglich: Die langjährige Liaison mit Clemens Tönnies war für Schalke zuletzt endgültig zum toxischen Verhältnis geworden, das für den Klub mehr Schaden als Nutzen bedeutet hat. Ob der Impuls zum Rücktritt nun aus dem Verein oder von Tönnies selbst kam, ist dabei irrelevant. Wichtig ist nur, dass Schalke damit den ersten von zwei Teufelskreisen durchbrochen hat. 

Name:

Clemens Tönnies

Geboren:

27. Mai 1956 (Alter 64 Jahre), Rheda, Rheda-Wiedenbrück

Ehepartnerin:

Margit Tönnies

Amt:

Vorstandsvorsitzender von Schalke 04 (bis Juni 2020)

Der chronisch klamme Klub hat sich von einem vermeintlichen Gönner gelöst: einem Milliardär, der sicherlich das ein oder andere Mal finanziell aus der Klemme geholfen hatte. Der aber auch gravierende personelle Fehlentscheidungen zu verantworten hatte, die seiner sportlichen Selbstüberschätzung entsprangen. Und der zuletzt auch den FC Schalke 04 öffentlich in einen Abwärtsstrudel mitgerissen hatte. 

Rücktritt Tönnies: Schalke durchbricht ersten Teufelskreis - Kommentar

Schließlich war bei den jüngsten Skandalen des Unternehmers (Rassismus-Eklat beim Handwerkertag, Corona-Ausbruch im Fleischbetrieb) stets vom „Schalke-Boss“ die Rede, der er als Aufsichtsratsvorsitzender bekanntermaßen gar nicht war.

Clemens Tönnies tritt von seinen Ämtern bei Schalke 04 mit sofortiger Wirkung zurück.

Doch es existiert noch ein zweiter Schalker Teufelskreis, der nicht minder gefährlich ist. Es gibt zwar noch kein Geständnis, doch die Indizienkette ist eindeutig: Der Verein steht vor der Zahlungsunfähigkeit. Der peinliche Härtefallantrag für die Ticketbesitzer, die freiwillige Gehalts-Obergrenze für die Spieler, die Entlassung von geringfügig beschäftigten Fahrdienstkräften, nun offenbar die nicht nachzuvollziehende Gewährung einer Landesbürgschaft – man muss nicht Sherlock heißen, um da diese Schlussfolgerung zu ziehen.

Schalke 04: Verein steht offenbar vor der Zahlungsunfähigkeit

Die Coronakrise hat diesen Klub an die Grenzen gebracht, die die Verantwortlichen dort seit Anfang des Jahrhunderts zu eng gesteckt hatten. Und sie hat aufgedeckt, wie unseriös und halsbrecherisch seit Jahren gewirtschaftet wurde. Die enorme und in erster Linie durch den Arena-Bau entstandene Schuldenlast ist nie nennenswert abgebaut worden, der Verein steht seit zwei Dekaden knietief im Dispo. 

Andere Klubs leiden auch unter den Konsequenzen der Pandemie. Doch kein anderer Verein ist so schnell aus dem Gleichgewicht geraten wie der S04. Es gibt keine nennenswerte Rücklagen und keine großen Werte, die schnell zu monetarisieren wären – außer vielleicht den ein oder anderen Spieler. Aber ohne hochwertige Spieler hat ein Klub in dieser Branche nur wenig Aussicht auf Erfolg; und ohne Erfolg wenig Aussicht auf lukrative Einnahmen.

Schalke 04: Millionenbürgschaft des Landes NRW nicht nachvollziehbar

Nicht vermittelbar wäre in diesem Zusammenhang eine Millionenbürgschaft vom Land NRW. Es ist nicht nachvollziehbar, dass in einer Zeit, in der viele hart und seriös arbeitende Menschen um ihre Existenz fürchten, finanzielle Ressourcen für eine glitzernde, abgehobene Parallelwelt wie den Profifußball blockiert werden.

Die protestierenden Schalker Fans würden mittlerweile wohl auch einen vorübergehenden sportlichen Lockdown des Klubs in Kauf nehmen. Sie sind es leid, verspottet zu werden. Und sie sind es leid, dass das Image des Vereins immer schlechter wird. Diese Anhänger sind weiterhin das größte Kapital von Schalke 04, dessen Spitze sich immer weiter von seinen bodenständigen Wurzeln entfernt hat und das Kumpel- und Malocherimage zuletzt nur noch aus Marketinggründen vorgegaukelt hat.

Mit dem Rücktritt von Tönnies haben die Schalker Fans ihren ersten Sieg errungen. Sie sind gerade dabei, ihren Verein zurückzuerobern.

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © dpa / picture alliance

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare