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"Dieser Klub ist ein Herzensklub, die Menschen leben Schalke"

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Mark Uth ist spricht im Interview auch über seinen Weg zum FC Schalke 04.

Der Schalker Neuzugang Mark Uth spricht im Interview über das Aufnahmeritual beim S04, den 1. FC Köln und die Gemeinsamkeiten von Julian Nagelsmann und Domenico Tedesco.

Mittersill - In der vergangenen Saison war er hinter Thomas Müller vom FC Bayern München der zweitbeste deutsche Scorer (14 Tore, 8 Vorlagen), insgesamt hat er in 78 Bundesliga-Spielen 29 Tore erzielt. Auf den relativ schmächtigen Schultern von Mark Uth ruht eine Menge Verantwortung. In diesem Sommer wechselte der bald 27-Jährige von 1899 Hoffenheim ablösefrei nach Gelsenkirchen. Im Trainingslager des FC Schalke 04 in Mittersill unterhielt sich der gebürtige Kölner mit Jens Greinke.

Schon angekommen auf Schalke?

Mark Uth: Ich bin sehr gut aufgenommen worden. Als Kölner finde ich eh immer schnell Anschluss (lächelt).

Was macht einen typischen Kölner aus?

Uth: Es ist dieses Offene. Auch, dass man ab und zu vielleicht mal eine große Klappe hat.

Am Freitag gab es das Aufnahmeritual für die Neuzugänge. Wie ist es Ihnen dabei ergangen?

Uth: Jeder musste ein Liedchen singen oder tanzen – oder beides. Ich habe nur gesungen und ein bisschen Stimmung gemacht. Es war ein netter Abend bei Rosi auf der Alm.

Was haben Sie gesungen?

Uth: „Follow me“ von Uncle Kracker.

Uns ist zu Ohren gekommen, dass es die beste Darbietung des Abends gewesen sein soll…

Uth: Ja, es war ganz gut. Die anderen haben es aber auch nicht schlecht gemacht. Es war recht laut im Saal. Außer uns waren noch ein paar andere Gäste da, die wir hoffentlich nicht allzu sehr gestört haben. Aber da mussten sie durch.

Sind Sie als gebürtiger Kölner FC-Fan?

Uth: Köln ist ein toller Verein und natürlich wünsche ich ihnen, dass sie schnell wieder aufsteigen. Sie haben tolle Fans, es ist schon etwas Besonderes.

Sie haben in der Jugend lange beim 1. FC Köln gespielt…

Uth: Ja, als ich zwölf war, bin ich aus meinem Dorfverein zum FC gewechselt und habe dann fünf Jahre dort gespielt. Als Linksverteidiger übrigens. Danach bin ich als zu klein und zu schmächtig aussortiert worden. Es folgten zwei Jahre bei Viktoria Köln, wo ich zum Stürmer umgeschult wurde. Danach bin ich zurück zum FC und habe zunächst in der A-Jugend und bei den Amateuren gespielt, dann ging es für ein Jahr zu den Profis.

Der Cheftrainer hieß damals Ståle Solbakken. Ihr Verhältnis war nicht so gut, wie man hörte…

Uth: Wenn man keine Rolle spielt, ist das Verhältnis häufig schwierig. Ich war sehr jung und hatte gedacht, dass ich so langsam ankomme bei den Profis. Aber ich habe keine Chance bekommen. Deswegen musste ich dann gehen.

Warum in die Niederlande zum SC Heerenveen?

Uth: Sie sind auf mich zugekommen. Sie beobachten regelmäßig die Spieler der zweiten Mannschaften und schnappen sich die Jungs, die es in der ersten Mannschaft nicht schaffen. Ich habe mir daraufhin das Spiel Heerenveen gegen den PSV Eindhoven angeschaut. Es stand nach 75 Minuten 5:0 für Eindhoven. Doch dann hat Heerenveen das 1:5 gemacht – und das Stadion hat gefeiert, als wäre es der Siegtreffer gewesen. Das war sehr beeindruckend und hat mich direkt überzeugt.

Um noch einmal auf die große Klappe zurück zu kommen: Sie haben bei der Vorstellung in Heerenveen den Mund auch etwas voll genommen, oder?

Uth (schmunzelt): Ja, genau. Ich habe gesagt, dass ich genau so viele Tore schießen werde, wie mein Vorgänger Bas Dost, der in 66 Spielen 45 Mal getroffen hatte. Das ist mir dann ein bisschen zum Verhängnis geworden. Ich habe nur drei Spiele in der Saison gemacht, weshalb die Presse das Zitat, was ich übrigens mit einem Augenzwinkern gesagt hatte, immer wieder aufgegriffen hat. Daraus habe ich gelernt.

Danach wurden Sie an Heracles Almelo ausgeliehen, wo Ihnen dann endlich der Durchbruch gelang…

Uth: Genau. Dort habe ich in der Saison 2012/13 meine ersten richtigen Erfahrungen als Stammspieler gemacht und acht Tore geschossen. Danach bin ich zurück nach Heerenveen. In der Folgesaison habe ich dann 15 Treffer erzielt, dann kam 1899 Hoffenheim.

Auf welcher Position sehen Sie sich auf Schalke?

Uth: Es kommt darauf an, welches System wir spielen. Wenn wir mit einem Dreiersturm spielen, bin ich vielleicht auch mal der Außenstürmer.

Wie hat Sie Domenico Tedesco überzeugt, nach Schalke zu kommen?

Uth: Er hat mich angerufen und mir gesagt, dass sie großes Interesse an mir hätten und mich gerne holen würden. Er meinte, dass er meine Laufwege und meinen Torabschluss sehr schätzen würde. Und dass es genau das wäre, was Schalke noch braucht. Das war‘s eigentlich. Wenn sich ein Verein wie Schalke um dich bemüht, dann gibt es da für mich in Deutschland keine bessere Adresse. Dieser Klub ist ein Herzensklub, die Menschen leben Schalke. Das war für mich sehr wichtig, das kannte ich aus Köln.

Wenn man sich Ihre Laufbahn anschaut, dann ist diese nicht linear verlaufen. Sie sind quasi auf dem zweiten Bildungsweg oben angekommen...

Uth: Es war nicht immer einfach. Aber ich habe nie aufgegeben. Man darf den Kopf nicht hängen lassen und muss in jedem Training und jedem Spiel alles geben.

Gab es auch Phasen, in denen Sie ans Aufhören dachten?

Uth: Ja, aber nicht auf dem Platz. Diese Phasen hast du nur, wenn du zu Hause sitzt und anfängst zu grübeln. Ich bin jemand, der Lust hat, Fußball zu spielen. Und zwar nicht, weil er es muss. Sondern weil es mir Spaß macht. Ich hatte sicherlich keine Bilderbuch-Karriere wie manch anderer. Aber jeder muss seinen Weg gehen. Bei mir gehörten eben ein paar Umwege dazu, um mein Ziel, Bundesliga-Spieler zu werden, zu erreichen. Und nun: Hier sitze ich.

Sie tragen auf Schalke die Rückennummer 7. Hat sie eine besondere Bedeutung für Sie?

Uth: Ja, natürlich. Weil zum Beispiel so ein Weltklasse-Spieler wie Raul sie vorher getragen hat. Ich habe sie mir übrigens nicht ausgesucht, sondern sie wurde mir von der Teamleitung angeboten.

Dien Nummer 7 hat für Mark Uth eine besondere Bedeutung.

Sie haben in Hoffenheim mit Julian Nagelsmann zusammen gearbeitet. Auch er gehört wie Tedesco zur Generation der jungen Trainer, die als Shooting-Stars der deutschen Trainerszene gelten. Könnten Sie einmal die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden skizzieren.

Uth: Das ist schwer zu sagen, ich bin ja erst ein paar Wochen hier und ich finde es zudem schwierig, Trainer miteinander zu vergleichen. Und mit Julian habe ich zweieinhalb Jahre zusammen gearbeitet. Domenico Tedesco redet sehr viel mit den Spielern, das gefällt mir gut. Man sieht natürlich Parallelen im taktischen Bereich – aber auch ein paar Unterschiede. Julian hat mir sehr viel beigebracht. Beide sind Trainer, die dir Sachen sagen, die du vorher noch nie gehört hast in deiner Karriere.

Können Sie da mal ein Beispiel nennen?

Uth: Zum Beispiel die Regel: Doppelter Passweg gleich halber Laufweg. Das heißt: Wenn du 20 Meter vom Gegenspieler entfernt stehst, der einen 40-Meter-Pass erwartet, kannst du ihn ansprinten und unter Druck setzen, weil du zusammen mit dem Ball ankommen wirst. Weil der Ball doppelt so schnell ist, wie du laufen kannst. Wenn du 10 Meter entfernt stehst bei einem 10-Meter-Pass, bleibst du weg.

Das klingt nach Mathematik…

Uth: Ein bisschen auf jeden Fall. Aber es hilft.

Mit Schalke werden Sie in der kommenden Saison in der Champions League antreten. Da dürfte ein großer Traum in Erfüllung gehen, oder?

Uth: Auf jeden Fall, da freue ich mich sehr darauf. Da kommen überragende Gegner auf uns zu. Ich will das einfach aufsaugen. Und natürlich wollen wir guten Fußball spielen.

Sie waren in der vergangenen Saison knapp hinter Thomas Müller der beste deutsche Scorer. Ist das die Messlatte für die nächste Spielzeit?

Uth: Ja klar, ich möchte daran anknüpfen. Aber ich finde es immer problematisch zu sagen: In dieser Saison will ich 20 Tore schießen. Wenn es passiert, dann passiert es. Ich will erst einmal gut in die Saison einsteigen und der Mannschaft helfen.

Mit diesen Scorerwerten ist man automatisch im Dunstkreis der Nationalmannschaftskandidaten. Rechnen Sie sich – auch angesichts des anstehenden Umbruchs im DFB-Team – Chancen aus?

Uth: Das habe ich ja nicht zu entscheiden. Aber ich würde mich natürlich sehr freuen, es wäre das Top-Highlight meiner Karriere, mal für die Nationalmannschaft auflaufen zu dürfen. Aber auch hier gilt: Wenn es passiert, dann passiert‘s.

Quelle: wa.de

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