Lewis Holtby: Vom Hoffnungsträger zum Buhmann

Lewis Holtby

GELSENKIRCHEN - Vom Hoffnungsträger zum Buhmann: Mit seiner Entscheidung für einen Wechsel nach England hat Lewis Holtby bei Schalke 04 viele Sympathien verspielt.

Im Training lachte Lewis Holtby noch an der Seite von Raffael. Der Brasilianer, dick eingepackt nach seiner Ankunft aus der Ukraine, dürfte den Jung-Nationalspieler schon bald bei Schalke 04 ersetzen - wenn es nach den Plänen der Verantwortlichen geht. Denn nach der Bekanntgabe seines Wechsels nach England ist Holtby nur noch ein Königsblauer auf Zeit.

Es könnte in den nächsten Tagen ganz schnell gehen. Der Premier-League-Klub Tottenham Hotspur verhandelt mit Schalke-Manager Horst Heldt noch über die adäquate Ablösesumme. Einigt man sich, fliegt der Kapitän der U21-Nationalmannschaft noch im Januar ins Geburtsland seines Vaters - und wechselt nicht erst ablösefrei im Sommer. "Tottenham überlegt", sagte Heldt.

Bei einem sofortigen Abschied bliebe Holtby (22) womöglich ein Spießrutenlauf erspart. Denn die Reaktionen der Fans auf seine Wechsel-Ankündigung waren nicht nur auf seiner eigenen Facebook-Seite heftig. Dem Rückrundenstart am Freitagabend in der Schalker Arena gegen Hannover 96 sah er deshalb mit einem etwas mulmigen Gefühl entgegen. "Ich weiß nicht, was kommt", sagte er im Interview mit dfb.de.

Den Unmut der Fans könne er verstehen. "Spieler kommen und gehen, aber die Fans bleiben immer da und leben für ihren Verein. Was sie an Zeit und Geld in ihre Liebe zum Klub stecken, ist nicht ohne. Daher kann ich es schon verstehen, wenn Leute enttäuscht sind, und ich respektiere das auch. Aber es darf nicht so weit gehen, dass man persönlich beleidigt wird." Er habe sich nichts vorzuwerfen, betonte Holtby. "Ich bin immer ehrlich gewesen und habe mich nie verstellt. Ich mag Schalke sehr und bin dem Verein und den Fans dankbar für alles."

Zu einem möglichen sofortigen Wechsel hielt er sich bedeckt. "Ausschließen kann man im Fußball nie etwas. Aber ich gehe davon aus, bis Juli hier zu spielen und werde bis zur letzten Sekunde alles für Schalke geben." Sein Nachfolger ist schon da: Der Ex-Berliner Raffael soll auf Holtbys Zehner-Position den kriselnden Schalkern mehr Offensivkraft verleihen. "Er ist ein Spieler, der einen eigenen Abschluss hat, aber auch seine Mitspieler einsetzen kann", lobte Heldt die Leihgabe von Dynamo Kiew, "und er schießt gute Standardsituationen. "

Sollte wie erwartet auch noch dessen Landsmann Michel Bastos von Olympique Lyon hinzukommen, wäre Holtby eigentlich überflüssig. Vor einem halben Jahr klang das noch ganz anders. Damals sollte der quirlige Mittelfeldspieler den abgewanderten Raul als Spielmacher ersetzen - im Verbund mit dem 19-jährigen Julian Draxler. Beim besten Saisonstart der Königsblauen seit 41 Jahren gelang "Draxby" dieses Kunststück auch. Doch parallel zu den sich hinziehenden Vertragsverhandlungen mit Heldt zeigte Holtbys Leistungskurve deutlich nach unten. Plötzlich waren die Fußstapfen des spanischen Weltstars doch viel zu groß. Der von vielen Misstönen begleitete Abschied ist das Ende einer Beziehung, die eigentlich nie hielt, was sich beide versprochen hatten.

Als der damalige Trainer-Manager Felix Magath den umworbenen 18-Jährigen 2009 für drei Millionen Euro von Alemannia Aachen verpflichtete, wollte er ihn zum Leistungsträger und Nationalspieler machen. Doch nach nur neun (meist kurzen) Bundesliga-Einsätzen schob er ihn zum VfL Bochum ab. Auch in der darauffolgenden Saison verlieh er ihn, beim FSV Mainz 05 machte Holtby als Mitglied der "Boygroup" von sich reden. Nach Magaths Abschied schien er 2011 endlich reif für Schalke. Als "Sechser" im defensiven Mittelfeld arbeitete er an seiner Zweikampfstärke und Durchsetzungskraft - um nach Rauls Weggang endlich auf seiner geliebten "Zehn" brillieren zu können. Es gelang selten.

Dennoch wollte Schalke ihn behalten und ihn zu einem Herzstück seiner Mannschaft der Zukunft formen. Doch Holtby entschied sich für die Insel und erfüllte sich einen Kindheitstraum. "Ich habe das früher zusammen mit meinem Vater immer im englischen Fernsehen verfolgt. Für mich war schon als kleiner Junge klar, da möchte ich irgendwann hin. Die Möglichkeit hat sich jetzt ergeben. Deswegen musste ich es einfach machen." - sid

Quelle: wa.de

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