Aus einer Schnapsidee heraus

„Zwei-Mann-Laufgruppe“ durchläuft alle 770 Soester Straßen

Die beiden Soester Läufer Elmar Garten (links) und Björn Morawitz (rechts).
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Die beiden Soester Läufer Elmar Garten (links) und Björn Morawitz (rechts).

Das ist Heimatsport im wörtlichsten Sinne: Die beiden Soester Läufer Björn Morawitz und Elmar Garten hatten sich im Zuge des Corona-bedingten Ausbleibens aller Laufveranstaltungen ein neues Ziel gesetzt: Sie wollten alle 770 Straßen Soests auch in den dazugehörigen Ortsteilen komplett er- und durchlaufen. „Wir wollten irgendwie überbrücken, dass keine Läufe stattfanden und gleichzeitig einen Ansporn haben“, erklärt Garten die Ausgangidee.

Soest – Die „Zwei-Mann-Laufgruppe“ – so Garten – ohne Vereinszugehörigkeit, die sich die „Flip Flips“ nennen, hatte an Silvester die Schnapsidee zu dieser Laufveranstaltung. Die begann im Januar und dauerte bis Ende Mai. Dabei kamen etwa 600 Kilometer zusammen. „Wenn wir taktischer gelaufen wären, hätten wir es auch in 450 Kilometern schaffen können“, sagt der 44-jährige Elmar Garten, der als Pflegefachkraft arbeitet.

Ansonsten waren die beiden bei Marathonläufen in Amsterdam, Duisburg oder Münster aktiv, aber auch schon unter Tage. Dazu sind sie regelmäßige Starter beim Silvesterlauf von Werl nach Soest – dabei aber verkleidet. „Es geht immer auch um den Spaß“, sagt Björn Morawitz.

Auch im Tiefschnee unterwegs

Dieses Projekt setzten sie mithilfe einer App um, die auch noch so kleine Gassen mit mehreren zu überlaufenden Punkten markiert hatte. Und nach und nach gelang es ihnen, die Karte zu vervollständigen – eine logistische Herausforderung.

Die Soester Stadtkarte mit allen Straßen – Garten und Morawitz sind sie alle durchgelaufen...

Die erste Straße lag im Innenstadtbereich zwischen der Osthofenstraße und Brüderstraße innerhalb der Innenstadtwälle, den Abschluss bildete eine ländliche Passage zwischen Paradiese und Hattrop.

„Die kürzesten Wege waren 20 Meter lange Sackgasen, die längste Strecke war die Oestinghauser Landstraße mit zehn Kilometern“, berichtet der 42-jährige Wirtschaftsinformatiker Björn Morawitz. „Dort haben wir uns zu einem Ende hinfahren lassen, damit wir die Strecke nicht auch zurücklaufen mussten“, erklärt Morawitz: „Aber ansonsten sind wir fast jede Straße doppelt gelaufen.“ Besonders übel sei die Arnsberger Straße gewesen, da es dort keinen Seitenstreifen gibt. „Da sind wir quasi zwischen den Bäumen herumgesprungen“, so Morawitz.

Entsprechend der Länge des Vorhabens war über die gesamte Zeit von Winter bis zum Ende des Frühlings auch der äußere Rahmen höchst unterschiedlich. „Wir sind auch bei Tiefschnee gelaufen, wobei das eher ein Waten war“, erklärt Garten. „Wir haben alle Wetterkapriolen mitgemacht“, ergänzt Morawitz.

Wir kennen jetzt jeden Wachhund in Soest und wissen nicht, wie oft wir in Sackgassen gehört haben: ‘Hier geht es nicht weiter.’ Deshalb haben wie es darin zur Perfektion gebracht, ein betroffenes Gesicht zu machen.

Björn Morawitz

Weitere Erkenntnisse waren, dass „Ostönnen und Deiringsen echt bergig sind“, sagt Garten. Und wenn es in die Außenbereich ging, „war durch nichts zu erkennen, wo die Stadtgrenze ist“, berichtet Morawitz. Da leisteten immerhin die GPS-Daten Hilfe, um unnötige Kilometer zu vermeiden.

„Wir kennen jetzt jeden Wachhund in Soest und wissen nicht, wie oft wir in Sackgassen gehört haben: ‘Hier geht es nicht weiter.’ Deshalb haben wie es darin zur Perfektion gebracht, ein betroffenes Gesicht zu machen“, sagt Morawitz. Denn: „Es hätte viel zu lange gedauert, bis wir immer wieder erklärt hätten, warum wir in Sackgassen bis zum Ende laufen“, führt Garten aus. Apropos Garten: Einmal durften sie eine Abkürzung durch einen Garten nehmen und zum anderen schauten auch in den Neubaugebieten die Leute durchaus misstrauisch, wer denn die Fremden sind und was sie hier wollen...

Die Bandbreite reichte von kleinen kopfsteingepflasterten Gassen, neuen Wohngebieten, ländlicher Dorfidylle bis hin zu weniger attraktive Bundesstraßen.

Ein- bis zweimal pro Woche wurde das Straßenlaufprojekt angegangen, dazu kam das übliche Training. Allerdings haben die beiden tatsächlich nicht alle Straßen geschafft – dass mussten sie am Ende doch zugeben. Die Ausnahme bildete die Autobahn 44, die natürlich für Fußgänger gesperrt ist.

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