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Fußball nur für Geld - und das mit schwarzen Kassen?

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Von: Thomas Müller, Frank Zöllner, Michael Rusche

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Treten Fußballer nur für Geld hinter den Ball? Unsere kleine Umfrage brachte verschiedene Antworten.
Treten Fußballer nur für Geld hinter den Ball? Unsere kleine Umfrage brachte verschiedene Antworten. © Archiv

Fußball nur für Geld - und am besten auch noch schwarz? Ein großes Thema, zu dem die Anzeiger-Sportredaktion einige heimische Fußballer befragte, die im Kreis Soest spielen oder spielten. Die Namen sind der Redaktion bekannt.

Kreis Soest - Die sieben von uns befragten Kicker plauderten ein wenig aus dem Nähkästchen, machten aus ihren Ansichten keinen Hehl.

Geld bekommen für das Studium

„Ich habe Geld bekommen, das hat mir geholfen, mein Studium zu finanzieren. Ich brauchte das Geld. Wenn man als kleiner Verein talentierte und gute Spieler haben will, muss man Anreize schaffen, auch Geld zählt dazu. Leider.“

Aufwandsentschädigung angemessen

„Es kommt schon auf die Liga an. Ich halte es schon für angemessen, eine Aufwandsentschädigung für drei bis vier Trainingseinheiten in der Woche und die weiten Fahrten, beispielsweise in der Westfalenliga, zu zahlen. Man bekommt mit, dass auch in Landes-, Bezirks- und Kreisligen Geld gezahlt wird. Das finde ich teilweise in Ordnung, wenn zu viel bezahlt wird, natürlich nicht. Klar gibt es auch mal Hilfe, dass man Spritgeld bekommt oder es wird einem bei neuen Fußballschuhen geholfen. Das ist okay, man hat teilweise auch viel Aufwand.“

Erfolgsprämien offiziell vom Verein

„Erfolgsprämien sind üblich und dienen als Art Aufwandsentschädigung. Diese Zahlungen erfolgen offiziell vom Verein und werden an die Mannschaft ausgeschüttet. Auf persönliche Zuwendungen verzichte ich seit Jahren, da keine wirtschaftliche Notwendigkeit besteht und für mich der Spaß am Sport im Vordergrund steht. Insofern ich nicht bei meinem Heimatverein spielen würde und die emotionale Verbundenheit hätte, würde dies vermutlich auch anders aussehen. Vierstellige Handgelder und mittlere dreistellige Fixbeträge pro Monat scheinen bei einigen Vereinen jedoch Normalität zu sein. In meinen Augen steht dies in keinem Verhältnis zur erbrachten Leistung in einer niedrigen Spielklasse.“

Manchmal traurig, auch in untersten Ligen

„Manchmal ist das schon traurig, wenn Teams viel Geld in die Hand nehmen, auch in untersten Ligen. Das macht Fußball doch nicht aus.
Aber einige benötigen das sicher, da ist ein kleiner Obolus im legalen Rahmen okay. Je höher man spielt, desto größer wird auch der Aufwand. Aber wenn die Politik mal genauer dahinter schaut beim Schwarzgeld, dann bricht das zusammen.
In meinem Verein steht das Finanzielle nicht im Vordergrund, da geht es vor allem um das Wohlfühlen am Platz.“

Bin wohl ein Fußball-Romantiker

„Bei uns bekommen von der Nummer 1 bis zur Nummer 16 alle das Gleiche. Das finde ich auch richtig. Es gibt aber Vereine, wo ein zuvor höherklassig spielender Leistungsträger auch mehr bekommen wird als ein aus der eigenen Jugend stammender Spieler. Ich sehe aber auch keinen Mehrwert darin, zwei Spieler im Kader zu haben, die mehr bekommen als die anderen. Das fördert nicht die Gemeinschaft. Wenn ich wegen des Geldes hätte Fußball spielen wollen, hätte ich früher auch den Verein verlassen können. Anfragen waren da. Da bin ich wohl Fußball-Romantiker. Wenn es gar kein Geld gibt, würde es wohl für kleinere Dorfvereine schwieriger, das Niveau zu halten, weil sie externe Spieler brauchen.“

Problem sind begehrte Spielrer

„Das Problem ist, dass die Ausnahmespieler begehrt sind. Heute gibt es meiner Meinung nach auch nicht mehr diese große Vereinstreue. Da gibt es in der Kreisliga A Vereine mit einer Firma dahinter, da wird ein Handgeld bezahlt. Wenn das Geld ausgeht, sind die Spieler auch ganz schnell wieder weg und es geht abwärts. Ich hatte das schon, dass ich in einem Verein gespielt habe, wo andere viel mehr Geld bekommen haben. Wenn das rauskommt, fragst du dich, warum soll ich für den mitlaufen? Es macht eine Mannschaft kaputt. Wir bekommen Spritgeld für die teilweise weiten Auswärtsfahrten. Das finde ich gerechtfertigt. Darüber hinaus gibt es Geld für die Mannschaftskasse, damit wir nach der Saison eine Sause machen.“

Einige Vereine wollen mit Macht nach oben

„Einige Vereine wollen mit Macht unten raus, da geht es meist nicht ganz ohne Kohle, da braucht man Kleingeld. Auch in unteren Ligen wird schon viel gefordert. Bei mir gibt es kein Schwarzgeld, ich spiele nicht für Geld. In meinem Verein ist es wie in einer Familie, das ist bei vielen anderen Vereinen nicht so. Man kann die Vereine, bei denen ich war, aber nicht miteinander vergleichen und ich kann nicht für andere Vereine sprechen, das ist nicht mein Bier.
Wenn ein Verein zahlt und der Spieler nimmt das Geld, die sitzen dann in einem Boot. Wenn das dann rauskommt... Anderswo kann der Aufwand natürlich hoch sein, da ist man für ein Spiel fast einen ganzen Tag unterwegs, da kann dann schon der Aufwand auch bezahlt werden.“

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