Seit vier Jahren im Konzert der ganz Großen

Warsteiner Jan-Lennard Struff (27) auf dem Karrierehoch: Weltranglistenplatz 44

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Spielt erstmals die Qualifikation für Rom: Jan-Lennard Struff, hier bei seinem Sieg über Tommy Haas in München.

Warstein - Achtelfinale beim ATP Masters in Miami, Viertelfinale beim ATP-250-Turnier in Marokko, Achtelfinale beim ATP Masters in Monte Carlo, zweite Runde bei den Barcelona Open (ATP 500) und Viertelfinale bei den BMW Open (ATP 250): Die Erfolge von Tennisprofi Jan-Lennard Struff in den vergangenen sieben Wochen lesen sich hervorragend und sind mitverantwortlich dafür, dass der 27-jährige Warsteiner in dieser Wocheals 44. der Weltrangliste sein neues Karrierehoch feiern darf.

Endlich in der Weltspitze angekommen? Nein! Struff ist seit Jahren, spätestens seit seiner ersten Grand-Slam-Teilnahme 2013 bei den French Open, wohl aber auf der ATP World Tour angekommen. 

Der Deutsche spielt seit vier Jahren im Konzert der ganz Großen mit – und das lässt sich anhand eines Fußball-Beispiels darstellen: Im August 2013 knackte er erstmals die Marke der 100 besten Tennisspieler der Welt und spielte lange in diesem Dunstkreis. Wenn man parallel die 100 besten Fußballer des Planeten aufzählen müsste, würde vielleicht ersichtlicher, welche Leistungen „Struffi“ seit bald einem halben Jahrzehnt abruft und vor allem aktuell unter Beweis stellt. 

Hier geht es zur ATP-Weltrangliste

Bei Fußballern ist es zwar schwer, objektiv zu beurteilen, aber gemessen an den Marktwerten ist der Dortmunder Senkrechtstarter Ousmane Dembélé momentan mit 28 Millionen Euro der 100. wertvollste Spieler auf dem Erdball. Ebenso wie Dembele bei Struffs Lieblingsverein Borussia Dortmund hat sich der Warsteiner in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. 

Ausgenommen vielleicht die ersten acht Monate im Jahr 2015, in denen auch die Trennung von seinem langjährigen Trainerteam Christoph Reichert und Ute Strakerjahn erfolgte – eine Trennung, die jedoch für eine menschliche Weiterentwicklung sorgte. 

Jan-Lennard Struff liefert Alexander Zverev tolles Match

Auch wenn die gerichtliche Auseinandersetzung mit Ex-Trainerin Strakerjahn noch nicht ausgestanden ist, hat sich der Warsteiner unter seinem aktuellen Coach Carsten Arriens enorm und vor allem ersichtlich entwickelt. 

Erste Erfolge über Top-15-Spieler 

Beste Beispiele sind die Erfolge der jüngeren Vergangenheit: Hervorzuheben auf jeden Fall die durch Struffs starke Leistungen gemeisterte Relegation mit dem deutschen Davis-Cup-Team im vergangenen September in Berlin. 

3:2 gegen Polen: Struff hält Davis-Cup-Team erstklassig

Mit Sicherheit ein Wendepunkt, denn seitdem hat der 1,96 Meter große Sauerländer tolle Erfolge feiern können, unter anderem die ersten Erfolge über Top-15-Spieler wie Stan Wawrinka (3:6, 7:6, 7:6) und Grigor Dimitrov (4:6, 6:3, 6:2). 

Und auch zuletzt im Viertelfinale der BMW Open, als er dem momentan besten Deutschen Spieler, dem Weltranglisten-19. Alexander Zverev, nicht nur Paroli bot, sondern sich auf Augenhöhe präsentierte und erst nach 133 mitreißenden Spielminuten knapp mit 6:3, 6:7, 6:7 den Kürzeren zog.

Doch für Struff war das Match eine Erfahrung, die ihm bei bevorstehenden Aufgaben vielleicht einen Vorteil verschaffen wird. Zverev sagte nach dem Duell, dass es für ihn hilfreich war, solche engen Entscheidungen schon gegen Top-Spieler erlebt zu haben. Es dürfte in Zukunft voraussichtlich Matches geben, bei denen der Warsteiner auf ähnliche Erfahrungen zurückgreifen und sich diese zum Vorteil machen könnte. 

Vor knapp zwei Wochen ist „Struffi“ 27 Jahre alt geworden. Ein Alter, bei dem Beobachter des Sports einen Vergleich mit dem erst 20 Jahre jungen Alexander Zverev und dessen hoher Weltranglisten-Position ziehen. Doch die Vorzeichen der beiden Akteure hätten kaum anders sein können und dementsprechend auch die Werdegänge. 

Denn im Alter von 17 Jahren, mit denen Zverev 2014 seinen ersten Challenger-Titel in Braunschweig errang, saß Struff noch im Gymnasium am Warsteiner Schorenweg und arbeitete auf sein anstehendes Abitur hin. Zverev war 14 Jahre alt, als er sein erstes Match auf der Tour bestritt, Struff war im Sommer 2009 19-jährig. Diese Tatsache macht es ersichtlich, wird allerdings auch noch von dem Fakt unterstützt, dass Alexander Zverev andere Anlagen mitbringt und von vielen Experten als zukünftige Nummer 1 gesehen wird.

Es geht um viel Geld: Jan-Lennard Struff vor dem Arnsberger Landgericht

Aktuell ist er auf dem besten Weg dahin, aber für den gebürtigen Hamburger gilt ebenso wie für den Warsteiner, dass Woche für Woche neben der eigenen Leistung auch das Glück bei der Auslosung eine Rolle spielt. 

Da hatte Struff zum Saisonstart auf der ATP-Tour mit seinen Erstrundengegnern Novak Djokovic in Doha (Weltrangslisten-Zweiter/6:7, 4:6) und Dominic Thiem bei den Australian Open (Weltranglisten-Achter/6:4, 4:6, 4:6, 3:6) ebenso Pech wie Zverev, als er in Melbourne sein erstes Turnier 2017 bestritt und in der dritten Runde auf den späteren Finalisten und mehrfachen Grand-Slam-Champion Rafael Nadal traf. 

Damit „Struffi“ in den kommenden Monaten Höchstleistungen erbringen kann, hat er sich nach den eng getakteten Turnieren in den vergangenen Wochen mit seinem Team gegen die Teilnahme am ATP Masters in Madrid entschieden. Der 27-Jährige wird dafür ab Samstag erstmals in der Qualifikation zum Masters in Rom antreten, bevor das ATP-Turnier in Genf und die French Open in Paris anstehen – um Weltranglistenpunkte, aber auch weitere Erfahrungswerte zu sammeln.

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